Wenn's weiter nichts ist...
Er war der Hammer, und das nicht nur, weil er oben ohne spielte. Nein, er hatte Muskeln, die man sehen konnte, aber nicht übertrieben. Seine Beine waren perfekt und sein Po war der geilste, den ich je gesehen hatte. Sein Gesicht war der Traum schlechthin.
Als wir ankamen, mussten wir uns eintragen zum Spüldienst. Dann gingen wir raus und bauten unsere Zelte auf, denn wir wollten bis zum Mittagessen fertig sein. Anschließend gingen wir zum Speisesaal - und da sah ich ihn. „Ihn?“ fragte ich mich. Was ist so besonders an ihm? Doch er hatte was, was ich einfach nicht beschreiben kann, was aber verursachte, dass ich meine Augen nicht von ihm lassen konnte. Und dann sprach er mich auch noch an: „Hey, mir ist aufgefallen, dass du beim SC Mutterstadt Volleyball spielst. Ich komme nämlich aus Limburgerhof und das ist neben Mutterstadt. Übrigens, ich heiße Christian.“ Das war der Moment, in dem die Welt still zu stehen schien. Ich konnte einfach nicht fassen, was da gerade geschah. Ich schaute einen Jungen an, als wäre er die geilste Frau auf Erden. Doch ich brauchte einen Moment, um mich wieder zu sammeln.Wir unterhielten uns noch ein paar Minuten, dann ging ich wieder zu meiner Gruppe und aß zu Mittag. Danach hatte ich Spüldienst und ich traute meinen Augen nicht, als ich ihn dort wieder sah. Ich grüßte ihn, wir kamen wieder ins Gespräch und hatten sehr viel Spaß beim Abwaschen *g*. Dann gingen wir noch etwas Fußball spielen und da fiel mir erst auf, wie geil er in Wirklichkeit war. Er war der Hammer, und das nicht nur, weil er oben ohne spielte. Nein, er hatte Muskeln, die man sehen konnte, aber nicht übertrieben. Seine Beine waren perfekt und sein Po war der geilste, den ich je gesehen hatte. Sein Gesicht war der Traum schlechthin. Er hatte die geilsten blauen Augen, die zu funkeln schienen, wenn er mich ansah, und ein Lächeln, das sogar Mona Lisa blass werden lassen würde. Und dann noch seine mittellangen, schwarzen Haare. Ich war in diesem Moment der glücklichste Mensch auf Erden - und das lag nur an ihm. Doch da gab es noch was. Ich hatte zuhause eine Freundin, die von all dem, was hier vor sich ging, nicht die geringste Ahnung hatte. So sehr ich ihn auch vergötterte, ich liebte sie über alles.
Umso mehr tat es auch weh, als sie sich von mir am nächsten Tag trennte. Ich heulte wie ein Schlosshund und zog mich ganz zurück von allen. Dann fragte Christian sich durch nach mir und fand mich irgendwann beim Schwimmbad. Ich saß dort an der Tür und heulte immer noch. Und er, er setzte sich einfach neben mich und streichelte über meinen Rücken und versuchte mich zu trösten - und er schaffte es irgendwie. Es war Magie. Ich vergaß meinen Schmerz und war froh, dass er einfach nur bei mir war. Als ich dann am Abend im Zelt lag, dachte ich wieder an meine Freundin, doch diesmal dachte ich, was sie wohl sagen würde, wenn ich ihr Christian auf einmal als meinen Freund vorstellen würde, den ich genau so mag wie sie. Und dann fing ich an, mir wirklich Gedanken darüber zu machen, ob ich wirklich schwul sein könnte, doch ich wollte mich einfach nicht damit abfinden.
Am nächsten Morgen hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Wir tauschten noch schnell unsere Handynummern aus und dann kam Christian eine Idee. Er schlug vor, dass wir Flaschendrehen spielen sollten. Da wir noch eine halbe Stunde Zeit hatten, sprach auch nix dagegen. Also gingen wir zu seiner Gruppe und fingen an zu spielen. Dann kam einer seiner Freunde auf die Schnapsidee, ihm die Aufgabe zu stellen, dass er mich küssen sollte. Und ich konnte es nicht glauben, als er dann sagte: „Wenn es weiter nichts ist…“ und mich auf den Mund küsste. Es fühlte sich gut an, doch ich sagte nichts dazu und schwieg lieber, denn ich wollte ihn und mich nicht in Verlegenheit bringen. Dann kam einer meiner Betreuer und ich musste gehen und dann trennten sich unsere Wege.So lebte ich nun das nächste halbe Jahr vor mich hin und es schien, als liefe das gesamte Leben an mir vorbei. Der Kontakt zu Christian war abgebrochen - und um erblich zu sein, ich machte auch keine großen Anstalten, etwas dagegen zu unternehmen. Doch eins war mir mittlerweile klar geworden: Ich war und bin schwul. Aber es veränderte sich erstmal nichts in meinem Leben, denn ich behielt es für mich, dass ich schwul bin. Und so machte ich weiter mit meinem Leben wie zuvor.
Ich spielte weiter beim SC Mutterstadt in der B-Jugend, bis mein Trainer eines Tages zu mir meinte, dass ich doch mal bei der Ersten mittrainieren sollte. Also ging ich an diesem Freitag ausnahmsweise zum Training der ersten Mannschaft. Und da geschah es. Ich sah ihn! Christan! Ich dachte zuerst, ich hätte Hallus, doch er stand vor mir und schaute mich an, als wäre ich ein Wesen aus einer anderen Galaxie. Dann kam mein Trainer zu uns und meinte, dass ich doch wüsste, wo die Umkleiden sind und dass ich mich umziehen sollte. Doch ich war bewegungsunfähig und konnte mich keinen Meter mehr bewegen. Christian meinte dann zu meinem Trainer, dass er sich um mich kümmern würde, und mein Trainer willigte ein. Wir gingen in eine andere Umkleide als die anderen. Ich hatte so eine Vorahnung, was gleich passieren würde, doch ich täuschte mich gewaltig, denn wir schwiegen uns die ganze Zeit nur an und keiner sagte zum anderen etwas. Wie machten uns fertig fürs Training und gingen dann runter in die Sporthalle.
Wir absolvierten das Training mit den anderen und kamen ganz langsam wieder ins Gespräch. Als wir fertig waren mit dem Training, ließen wir uns etwas mehr Zeit als üblich beim Abbau, denn wir hatten uns noch eine Menge zu erzählen. Wir gingen ganz langsam zu den Umkleiden zurück, um uns umzuziehen. Da fragte mich Christian plötzlich, ob ich denn nicht duschen würde. Ich wollte zuerst „Nein“ sagen, doch dann sagte ich zu ihm, dass ich kein Duschzeug dabei hätte. Christian sagte, dass das kein Problem sei, denn ich könne seine Sachen mitbenutzen. Also zogen wir uns ganz langsam aus und gingen in die Dusche.
Ich hatte einen Ständer und wollte nicht, dass er das mitbekommt, denn ich war mir nicht sicher, wie er reagieren würde. Ich drehte mich um. Wir unterhielten uns ganz normal weiter, bis er mich fragte, ob ich denn schwul sei. Da ich nicht lügen wollte, sagte ich „Ja“. Er fing an zu grinsen und meinte nur, dass er es sich schon gedacht hatte als wir uns auf der Freizeit geküsst hatten. Doch dann kam die Enttäuschung, denn er sagte mir, dass er auf Frauen steht.
Ich meinte nur, es wäre doch nicht schlimm, doch genau das war es, denn ich liebte ihn. Er war mein erste große Liebe - und zu wissen, dass er nicht schwul ist, konnte ich einfach nicht ertragen. Ich fing nicht an zu weinen, denn dann hätte er es gewusst und das wollte ich nicht. Also ging ich raus aus der Dusche und fing an mich abzutrocknen. Wir unterhielten uns einfach weiter, bis wir schließlich an der Türe standen und Christian sich von mir verabschiedete. Er ging raus, schloss sein Fahrrad auf und fuhr in die Nacht davon. Ich schloss die Halle ab und ging zum Auto, in dem mein Vater saß und schon wartete.
Als ich wieder zu Hause war, ging ich sofort auf mein Zimmer und heulte mir die Augen aus dem Kopf. Das ging so das ganze Wochenende, bis ich am Sonntagabend einen Entschluss fasste. Ich wollte Christian ganz vergessen. In den nächsten Wochen kehrte mein Leben wieder in die Normalform zurück und ich machte weiter mit der Schule, denn wer mal was im Leben erreichen weil, der muss auch was im Köpfchen haben - oder etwa nicht?In meiner Klasse gab es immer zwei, drei Mädels, die die BRAVO lasen - und so schauten wir sie uns meistens alle an. So stieß ich auch auf den Artikel eines Jungen, der sich nicht sicher war, ob er schwul ist oder nicht. Bei diesem Artikel stand auch die Internetadresse von dbna dabei und so ging ich auf diese Seite, um mal ein wenig zu suchen, nach anderen, die genau so sind wie ich. Ich fand auch schnell Freunde, die mich so akzeptierten wie ich bin.
Nun verbrachte ich zunehmend mehr Zeit am PC und es wunderten sich so einige bei mir zuhause, auf welchen Seiten ich immer war. Mein Vater meinte nur, ich solle aufpassen, aber weiter hat er nie was zu mir gesagt.
Da machte ich mir zum ersten Mal Gedanken darüber, dass es die meisten Menschen in meinem Umfeld noch gar nicht wussten, dass ich schwul bin. Um ehrlich zu sein weiß es eigentlich nur Christian, mein Vater hat eine leichte Vorahnung, aber ansonsten weiß es keiner und ahnt es auch keiner. Ich schrieb darüber mit einigen aus dem Chat und sie gaben mir alle tolle Tipps, wie ich es am besten machen könnte. Also nahm ich es in Angriff.
Als nächstes sagte ich es meinen zwei besten Freundinnen. Die beiden schauten mich an, als wäre ich der Kaiser von China, als ich es ihnen sagte, aber nach einigen Minuten hatten sie es auch geschluckt. Mit den beiden plante ich dann die Aktionen „Restliche Freunde“ und „Eltern“. Als erstes nahmen wir uns meine restlichen Freunde vor. Sie nahmen es alle sehr gut auf. Das Ganze geschah an meinem Geburtstag. Genau eine Woche darauf kamen meine Eltern dran. Sie guckten zuerst etwas erstaunt, aber auch sie nahmen es sehr gut auf. Mein Vater war eigentlich der Mensch, der es am besten aufnahm, denn sein Antwortsatz sorgte dafür, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben so richtig verwundert aus der Wäsche guckte. Er sagt zu mir einfach nur: „Wenn es weiter nichts ist…“ Meine Mutter meinte dann nur noch, dass dann halt mein Bruder für den Nachwuchs der Familie sorgen müsse. Mein Bruder nervt mich immer noch manchmal damit, aber es ist schon viel besser geworden.
So kann ich eigentlich sagen, dass es alles in allem ein recht gelungenes Coming-out war, auch wenn es ein paar Personen gab, die gemeint haben, sie müssten sich darüber lustig machen. Diese Personen haben keine Ahnung und sind einfach nur dumme Egoisten, die sich auf Kosten anderer an irgendwelchen Dingen aufgeilen müssen. Aber solche Menschen findest du überall und die wird es auch immer geben. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass ihr es nicht trotzdem wagen könnt und solltet, denn danach fühlt ihr euch befreit. Ich hoffe, ich konnte einigen von euch mit meiner Erfahrung den Mut geben, es zu wagen.
Liebe Grüße an alle, die mich unterstützt haben!
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