Zwischen Puppen und Pubertät
Mit sechs Jahren spielte ich mit meinem Kuscheltier und schob dies immer in einem Puppenkinderwagen durch die Gegend. Waren das vielleicht schon die ersten Anzeichen, dass ich schwul bin? Und diese Spielchen mit dem anderen Jungen, das war doch sicher nur eine Phase, oder?
Ich bemerkte eigentlich schon ziemlich früh in meinem Leben, dass irgend etwas mit mir nicht stimmte. Mit sechs Jahren spielte ich mit meinem Kuscheltier und schob dies immer in einem Puppenkinderwagen durch die Gegend. Im fortgeschrittenen Alter traf ich mich regelmäßig mit einem Freund aus dem Kindergarten. Wir machten halt so verschiedene Dinge, die eigentlich für zwei Jungs nicht normal sind. Ihr könnt euch ja vielleicht denken, was man da so gemacht hat. Irgendwann endete diese Freundschaft, weil ich zu ihm meinte: "Du, sag mal, kann es sein, dass wir ... schwul sind?" Er blickte mich an und erwiderte: "Nein, das kann NICHT sein!" Unsere Freundschaft bewegte sich von dort an auf ihr Ende zu, schon bald gingen wir getrennte Wege. Ich wurde älter und irgendwie verdrängte ich das ganze Thema "schwul". Doch als ich in die siebte Klasse kam, wurde es wieder aktuell. Ich traute mich das erste Mal, mit dem weiblichen Geschlecht über das Thema "schwul" zu sprechen. Ich vertraute mich zuerst meiner damals besten Freundin an. Ich sagte ihr, dass ich nicht wolle, dass jeder darüber Bescheid wisse. Sie versprach es mir hoch und heilig. Doch nach einem guten halben Jahr ging es in der Schule los. Immer wieder wurde ich gefragt: "Mensch, du, sag mal, stimmt es, dass du schwul bist?" Ich verneinte das immer wieder, doch das Gerede war nicht mehr aufzuhalten.
Während der ersten Zeit habe ich ein extremes Mobbing mitgemacht, nur weil einige Leute meinten, dass homosexuelle Menschen etwas Ekliges wären. Zum Halbjahr der zehnten Klasse änderte sich dann alles. Plötzlich kamen die Mädchen aus der Klasse auf mich zu und sprachen mich an, so nach dem Motto: "Wie geht's dir? Was machst du so? Willst du nicht mit mir befreundet sein? Dann könnten wir über Kerle sprechen." Ich nahm dieses Angebot gerne an. Einige der Freundschaften, die ich da knüpfte, bestehen auch heute - 3 Jahre später - noch.
Heute bin aber selbstbewusster, wenn das Thema Homosexualität auf den Tisch kommt. Ich gebe zu, dass ich schwul bin und stehe dazu. Manchmal kaufen es mir meine Gesprächspartner dann gar nicht ab, was ich sage. Ich habe allerdings noch immer nicht den Mut gehabt, es meinen Eltern zu erzählen. Ich denke, sie werden es auf kurz oder lang schon herausfinden. Jetzt mache ich zur Zeit eine Ausbildung. Bei mir im Betrieb denken zwar alle, ich wäre hetero, aber ich mache mir manchmal einen Spaß und stoße meine Kolleginnen mit der Nase drauf. Irgendwann werden sie schon noch checken, was los ist. Und wenn ich dazu pinke Klamotten tragen und lustige Gesten beim Rauchen machen muss.Mehr Berichte
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