Schwul? Das geht doch nicht...

Seit ich etwa 14 bin, weiß ich, dass ich Jungs anziehend finde. Damals dachte ich noch, ich sei bi, weil ganz schwul... nein, das geht doch nicht. Außerdem werden unter pubertierenden Jungs ja öfter mal Schwulenwitze gerissen...

Markus (24) erzählt: Seit ich etwa 14 bin, weiß ich, dass ich Jungs anziehend finde. Damals dachte ich noch, ich sei bi, weil ganz SCHWUL... nein, das geht doch nicht. Außerdem werden unter pubertierenden Jungs ja öfter mal Schwulenwitze gerissen und... nein, ich wollte nicht SCHWUL sein. Mit 15 hatte ich das erste Mal Sex in einem Jungendfeuerwehrzeltlager. Es war zwar keine sonderlich schöne Erfahrung, aber ich hatte es endlich einmal hinter mir. Direkt danach dachte ich, ich hätte etwas Verbotenes oder Schlimmes gemacht.

Bis ich 18 war, hatte ich immer mal wieder Sex mit Jungs, habe mich auch mal in den einen oder anderen verliebt, aber richtig etwas Ernstes war es nie. Im Laufe der Jahre interessierten mich Jungs immer mehr und Mädchen immer weniger, aber ich ließ meine Gefühle eigentlich nie richtig zu und dachte immer: Nein, ich darf nicht schwul sein. Kurze Zeit später begann ich meinen Zivildienst auf einer DRK-Rettungswache. Einige meiner Kollegen fand ich schon süß, aber ich ließ mir nie etwas anmerken. Im Gegenteil, ich versuchte sogar, den Macho zu spielen. Und weil ich auch gar nicht mal so schlecht aussehe (sagen andere), hatte ich auch diverse "Angebote" von Frauen.

Einmal habe ich auch versucht, mit einem Mädchen zu schlafen, aber es lief nichts. Ich konnte nicht und fand es sogar eklig. Das Mädel war natürlich furchtbar enttäuscht und ich wusste endlich, dass ich schwul bin. Und ich sagte es diesem Mädel auch kurze Zeit später - noch heute sind wir die besten Freunde. Mit 19 (mein Zivildienst war beendet, ich machte zu der Zeit eine Ausbildung zum Rettungsassistent) lernte ich meinen ersten Freund Sven kennen. Ich war unsterblich verliebt. Nach und nach outete ich mich bei einigen Kollegen, die meisten ahnten es ja sowieso schon. Die Reaktionen waren ausschließlich positiv und so bekam ich weiteren Mut, es allen zu sagen. Ich wollte endlich aufhören mit diesem Versteckspiel und wollte aller Welt zeigen, wie glücklich ich mit meinem Sven war.

Es kam der Tag der Weihnachtsfeier der Rettungswache, ich hatte mich mit zwei Personen angemeldet (jeder durfte seinen Partner mitbringen). Also erschien ich am besagten Tag mit Sven (natürlich Hand in Hand) auf unserer Weihnachtsfeier. Einige grinsten, andere schauten ungläubig, meinem Chef fielen fast die Augen aus dem Gesicht. An diesem Abend ergaben sich herrliche Gespräche und keiner hatte ein Problem damit, meine Ängste stellten sich als unbegründet heraus. Natürlich kamen im Dienst ab und an mal dumme Bemerkungen, aber nicht negativ gemeint. Nun kam also meine Mutter dran (mein Papa ist leider schon früh gestorben).

Eines Abends, sie saß gerade im Wohnzimmer und war am Stricken, ging ich zu ihr. "Du, Mama, ich muss dir was sagen... Ich bin schwul..." Ich wollte eigentlich nicht so direkt sein, aber irgendwie konnte ich nicht anders. Was würde jetzt passieren? Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis sie antwortete: "Ja, das weiß ich schon, erzähl mir mal, wie er heißt." Ich war platt.

Sie wusste es schon fast 6 Monate, eine Freundin von meiner Mutter hatte mich mit Sven händchenhaltend gesehen. Sie wollte aber warten, bis ich es ihr sage und mich nicht darauf ansprechen. Natürlich wollte sie ihn sofort kennenlernen und so weiter. Meine Mutter akzeptiert meinen Schatz und hat ihn an ihrem Geburtstag meiner Family als Schwiegersohn vorgestellt. Und auch hier keinerlei negative Reaktionen. Ich liebe meine Family! Sven und ich sind nun schon 5 Jahre zusammen.


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