Yannik (16) erzählt:
Bedrängt und doch gewachsen
Coming-outs können auch erzwungen sein, wie Yannik erfuhr
Mein Coming-out zieht sich mittlerweile schon über 3 Jahre hin. Alles fing damit an, dass ich mich mit 13 Jahren in einen Schulkameraden verliebte. Anfangs war es ein rechter Schock für mich und ich wollte mir selbst nicht eingestehen, dass ich wirklich schwul sei. Natürlich erzählte ich es auch niemandem, da ich ja selbst nicht zu mir stand.
Mit der Zeit wurde die Last des Geheimnisses aber immer schwerer und ich stürzte in eine regelrechte Depression, die so lange andauerte bis ich mich via Telefon bei meiner besten Freundin outete. Im ersten Moment war sie recht sprachlos und leicht schockiert, doch sie beruhigte sich schnell wieder. Am nächsten Tag sprachen wir eingehend darüber und sie fand es toll, einen schwulen Freund zu haben. Mein Coming-out schweißte uns noch näher zusammen und ich fühlte mich viel besser als zuvor.Gedrängt von Freunden
In den nächsten Wochen sagte ich es noch einer anderen Freundin und meinem besten Freund. Dessen Mutter fand es aufgrund eines Missgeschicks seinerseits dann auch heraus. Sie hat mich jedoch nie darauf angesprochen. Daraufhin geschah eine Zeit lang gar nichts, bis meine Freunde, bei welchen ich schon geoutet war, mich an einem Abend am Bahnhof drängten, auch dem vierten aus unserer Clique die Wahrheit zu sagen.
Ich wollte nicht und brach in Tränen aus, aber anstatt Ruhe zu geben, drängten sie immer weiter. Der andere Freund stand total perplex daneben, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, was gerade los war. Schließlich gestand ich es ihm unter Tränen. Er machte ein Gesicht, als hätte ich jemanden umgebracht. Man spürte: Er war im ersten Moment total entsetzt. Allerdings fasste er sich schnell wieder und beruhigte mich, er habe nichts dagegen. Dennoch bin ich mir bei ihm bis heute nicht sicher, ob er nicht trotzdem was dagegen hatte. Mittlerweile haben wir sowieso keinen Kontakt mehr, was aber nichts mit meinem Coming-Out zu tun hat. "Sicher nur eine Phase"
Dummerweise hat mich meine Mutter, die mich kurz darauf abgeholt hat, daheim auch darauf angesprochen. Als ich mich weigerte, etwas zu verraten, hat sie mir mit allen möglichen Konsequenzen gedroht. Ich war total am Ende, heulte wie ein Schlosshund und outete mich schlussendlich auch bei ihr. Wie alle anderen war sie recht schockiert und wollte es sehr, sehr lange nicht wahrhaben, von wegen es sei sicher nur eine Phase und so weiter. Mit der Zeit wurde es aber besser und heute akzeptiert sie sogar meine Beziehung mit einem 30-jährigen.
Nach diesem Abend habe ich mich wieder beruhigt und lange weitergelebt, ohne es anderen Freunden zu erzählen. Erst im Sommer 2008 hab ich es dann einer Freundin meiner neuen Clique erzählt, die es sofort als total normal empfand und es sich sowieso schon gedacht hatte. Daraufhin hab ich es auch ihrem Freund und einer zweiten Freundin aus der Clique erzählt, die es beide sehr gut aufnahmen.
Selbstvertrauen gewonnen
In diesem Sommer hatte ich dann mein erstes Mal mit meinem Freund, den ich schon 2 Jahre über Internet kannte und mit dem ich mich schon einige Male getroffen hatte. Nach den Sommerferien wechselte ich zusammen mit meiner besten Freundin auf ein neues Gymnasium und erzählte es wenige Wochen später einer neuen Kollegin, die es, obwohl sie streng katholisch ist, recht gut aufnahm. Besonders durch meinen Freund habe ich mehr und mehr an Selbstvertrauen gewonnen. Er hat mir gezeigt, wie viel ich wert bin und mir geholfen, offen zu meiner Homosexualität zu stehen. Heute fühle ich mich total gut und wenn mich jemand nach meiner sexuellen Ausrichtung fragt, streite ich es nicht mehr ab, wie ich es früher getan habe. Einzig meine konservative Familie väterlicherseits sollte es nicht zu schnell erfahren. Aber sobald die Zeit reif ist, werde ich mich auch ihnen öffnen.




