Coming-out mit ShônenAi

Mein Coming-Out war etwas ganz besonderes. Es war ein sehr großer Schritt, der mir sehr viel Leid, aber auch irgendwie Freude gebracht hat. Alles fing damals mit 14 an.

Luca (20) erzählt: Mein Coming-Out war etwas ganz besonderes. Es war ein sehr großer Schritt, der mir sehr viel Leid, aber auch irgendwie Freude gebracht hat. Alles fing damals mit 14 an.

Ich war auf der Seite "Animexx" angemeldet, eine einfache Seite für alle Freunde der Animes, Manga und alles was dazu gehört. Es war für mich was neues, mal mit andere zu schreiben. Irgendwann, als ich die Seite durchstöberte, entdeckte ich die "Rollenspiele", die dort gespielt werden. Ich dachte mir nichts dabei, schrieb und las in Ruhe die Fantasy-Geschichten und hatte somit meinem Spaß. Irgendwann jedoch fand ich eine bestimme Gruppe der RPGs, nämlich die Shônen-Ai- bzw. Yaoi-Ecke.


Zur Kategorie Shônen-Ai gehören Manga bzw. Animes, in denen homosexuelle Paare zu sehen sind. Yaoi hingegen bedeutet, dass es in diesen Manga sexuelle Handlungen zwischen zwei Männer vorkommen. Das Thema machte mich sehr neugierig. Also spielte ich nun dort mit und fand irgendwann Gefallen daran.


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"Während ich schrieb, standen hinter mir einige Mädchen aus der Klasse"
Meine Lust an diesem „schwulen“ Rollenspiel stieg so sehr, dass ich selbst in der Schule diesem neuen Hobby frönte. Natürlich war das der größte Fehler, den ich je machen konnte. Während ich schrieb, standen hinter mir einige Mädchen aus der Klasse. Sie kicherten und als ich mich umdrehte war es schon zu spät: Sie hatten mitgelesen, und irgendwas verstanden.

Am nächsten Tag stand ein Klassenausflug an. Als ich reinkam, saßen alle Mitschüler auf den Tischen, sie starrten mich gehässig, angewidert an. Ich wusste nicht was los war, bis ich mich von der Klasse umkreist fühlte: Die Mädels standen in der ersten Reihe und sangen ja fast "Theater! Rummachen! mit einem Jungen! SCHWUL!"

So wurde ich plötzlich geoutet, ohne dass ich es überhaupt selbst wusste. Damals war es nur ein Abenteuer für mich. Ich musste weinen und liess mich fertig machen. Irgendwann wurde ich sozusagen in der Klasse gehasst. Ich war damals am Ende der siebten Klasse und blieb in kompletter Isolation. Keiner redete mehr mit mir, ich hatte oft das Gefühl dass selbst die Lehrer keinen Anstand machten, mich überhaupt wahrzunehmen.

Erst im nächsten Schuljahr, kam die Klasse nach und nach mit Sprüchen wie „Du bist zwar ne Schwuchtel, aber cool, dass du es zugibst.“ Es war ein neuer Anfang, klar, und doch konnte ich es ihnen nicht verzeihen. Ich litt selbst unter solchen Äußerungen, die einigermaßen für mich sprachen. Mit der Zeit outeten mich meine Klassenkameraden in den anderen Klassen – bis es bei keinem in der Schule überhaupt ein Geheimnis war. Selbst die Lehrer wussten es, und nahmen es recht gut hin.

Ich bat alle, mich nicht daheim zu „verpetzen“, da es für mich fatal sein würde. Dazu kam es auch nicht. Es wurde jedoch sehr kritisch, als mein kleinerer Bruder schließlich auch meine Schule besuchte. Sehr viele Mitschüler sprachen mit ihm über meiner Neigung. Er stritt es immer ab, sprach jedoch mit meiner Mutter darüber, die gerade in der Scheidung war.

Sie sprach mich darauf an, worauf ich sofort alles verneinte, fragte aber: „Was würdest du denn tun, sollte ich wirklich schwul sein?“ Sie starrte mich erst an und sagte dann: „Ich würde dich rausschmeißen.“ Diese Worte trafen mich direkt ins Herz. Ich bekam Angst, heulte innerlich und wünschte mir in dem Moment wirklich tot zu sein. Ich fühlte mich verraten, gehasst, ungewollt, anders als alle anderen.

Doch genau das war das, was ich immer gewollt hatte: Anders sein als die anderen. Damals war ich 14, 15 Jahre alt. Heute bin ich 20 und gehe recht offen mit meiner Sexualität um: in der Schule, in meiner Ausbildung, bei Freunden – nur zu Haus nicht. Dort bin ich immer noch nicht geoutet – aus Angst irgendwann aus der Wohnung zu fliegen. Es macht mich froh die Erfahrungen der Anderen zu lesen, die es viel besser haben, als ich es damals hatte.



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