Zu frühes Coming-out?

Leider musste ich bei meinem Coming-out viele schlechte Erfahrungen machen. Ich hätte wohl länger warten sollen, zumindest würde ich das im Nachhinein so machen.


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David (15) erzählt: Leider musste ich bei meinem Coming-out viele schlechte Erfahrungen machen. Ich hätte wohl länger warten sollen, zumindest würde ich das im Nachhinein so machen.

Ich war damals mit meinem ersten Freund zusammen und war einfach überglücklich. Zwar hatte ich vor, mich bei meiner Mutter zu outen, aber jedes Mal bekam ich kalte Füße. Ich lud meinen Freund zum Wochenende ein, um endlich einfach mal eine Nacht mit ihm Seite an Seite zu verbringen. Die Erlaubnis dazu bekam ich. Alles war sehr schön!

Am nächsten Tag kam dann meine Frisörin. Ich erzählte, dass ein 18jähriger Junge bei mir geschlafen habe. Da fragte sie, ob er vielleicht schwul sei! Das versetze mir einen Schock, ich weiß bis heute nicht wieso, aber dann habe ich den radikalen Fehler gemacht und Ja gesagt.


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Meine Mutter war direkt neben mir und machte große Augen, ihre Welt stand auf dem Kopf. Als ich dann mit kurzen Haaren wieder in meinem Zimmer war, kam meine Mutter rein und fragte mich, ob ich den nun auf Jungs oder Mädchen stehe. Ich nahm meinen ganzen Mut und sagt dann einfach : „Beides.“

Es wurde sehr ruhig, totenstill. Meine Mutter nahm mich in den Arm und fing an zu weinen. Kurz darauf musste auch ich weinen. Ich fühlte mich einfach beschissen. Das war am 28.01.2008. Seitdem Tag behandelt sie mich ganz anders: Ich darf nur noch gelegentlich raus, sie telefoniert mir andauernd hinterher, um zu wissen, wo ich bin. Dazu kommt immer öfter Streit.

Es gab aber noch ein zweites Coming-out – beim meinem Vater. Schon zuvor hatte ich gewünscht, dass er es nie erfährt. Er ist Moslem, also wusste ich, dass es unmöglich sein würde, dass er mein Schwulsein akzeptiert. Er kam zu mir, nachdem er einen Chat von mir und meinem zweiten Freund gefunden hatte, und wollte alles klären.

Ich bin dann einfach weggerannt, raus, weg von allen Problemen. Er kam aber später und holte mich ab. Bevor er schlafen ging, sagte er, ich solle nie wieder mit einem Jungen reden.Es kam noch schlimmer, denn er verbot mir einfach alles, wie z.B Freunde zu sehen oder kurz mit Freunden in die Stadt zu gehen. Nach der Schule musste immer gleich nach Hause, so dass er wusste, dass ich „in Sicherheit“ bin. Das war im 18. Juli.

Dennoch gibt es ein kleines Happy End: Meine Mutter akzeptiert mich seit einigen Wochen so wie ich bin – und meine Freunde sowieso . Man muss halt den Eltern die Chance geben es zu verarbeiten. Dass hab ich gelernt, denn ein Coming-out ist auch für sie nichts alltägliches.


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