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Tonis Coming-out

Ein Coming-out ist nicht immer leicht. Das musste auch Toni erleben. Am Anfang war er unsicher und hatte Angst vor den Reaktionen in Schule und Kirche. Heute ist er ein selbstbewusster junger Schwuler.

Willich am Niederrhein. Das ist die Heimat von Toni. Fernab von der schwulen Welt in Köln und Düsseldorf hat er dort sein Coming Out erlebt. Für ihn keine leichte Sache. Als eine Freundin durch ein Versehen von seinem Schwulsein erfuhr, hatte er Angst, dass sich das in der Schule herumspricht. Und auch in seiner Kirchengemeinde zögerte er sein Coming Out heraus - aus Sorge vor den Reaktionen. Einige Jahre später kann er über diese Gefühle und Bedenken nur schmunzeln. Denn heute ist er ein selbstbewusster schwuler junger Mann.



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Am Anfang steht oft die Erkenntnis "anders" zu sein. Danach kann es eigentlich nur besser werden - das zeigen die Coming-Out-Modelle.
Tonis Coming Out ist nur eines von vielen Millionen. So individuell wie sie alle sind, haben sie oft auch Gemeinsamkeiten. Das haben Untersuchungen im Bereich der Soziologie und Psychologie ergeben, die bis vom Ende der 90er bis in die 70er Jahre zurückreichen. Ihre Ergebnisse: Modelle die zeigen, wie ein Coming Out in aller Regel abläuft. Natürlich treffen sie nicht eins zu eins auf jeden Schwulen oder Bisexuellen zu. Es ist aber erstaunlich, welche Gemeinsamkeiten sich teilweise zum eigenen Coming Out feststellen lassen.

1. Identitätsverwirrung
Schwule und Bisexuelle fühlen sich oft schon in der Kindheit bzw. frühen Jugend „anders“. Dieses Gefühl begegnet ihnen häufig bei Interessen und Hobbys, die als unmännlich gelten. Außerdem erfahren Jugendliche, das Schwulsein von der Gesellschaft teilweise als falsch angesehen wird. Deshalb vermeiden sie, sich ihren eigenen homosexuellen Gefühlen zu stellen. Ohnehin wissen sie oft wenig über Schwule und sind über ihre Gefühle verwirrt.

2. Identitätsvergleich (inneres Coming Out)
Der Jugendliche beginnt sich, von seiner Familie abzugrenzen. Stattdessen werden Gleichaltrige für ihn wichtig. Erfährt der Jugendliche in dieser Umbruchzeit mehr darüber, was Schwulsein bedeutet und hat er sogar Kontakt zu anderen Schwulen, dann kann es sein, dass er sich selbst innerlich als „schwul“ oder „bi“ definiert. Mit diesem inneren Label kann sich der Jugendliche in einem bestimmten Umfeld (z.B. religiös, konservativ) als Außenseiter fühlen. Er distanziert sich.
 
Wenn ein Jugendlicher kaum oder keine Informationen über Homosexualität bekommt, dann kann dies wiederrum dazu führen, dass der Jugendliche sich von seinen Gefühlen distanziert und betont heterosexuell verhält.


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Out and proud? Nach dem Coming Out entwickeln Schwule oft einen Stolz auf ihre eigene Sexualität.
3. Äußeres Coming Out
Ist sich ein Jugendlicher innerlich sicher, schwul zu sein, dann folgt das Coming Out gegenüber anderen Personen. Dabei tastet er sich langsam voran und testet die Haltung nahestehender Menschen zu Homosexualität. Anschließend weiht er nur einzelne Personen ein und lässt den Kreis der „Wissenden“ dann stetig wachsen. Dieser Prozess kann sehr schnell oder langsam geschehen. Entscheidend ist dafür unter anderem, wie die ersten Reaktionen auf das Coming Out waren. Sind sie gut, fühlt sich der Jugendliche bestärkt. Andersrum schwächt es seine Selbstakzeptanz. Das Coming Out wird dann als eine sehr starke Belastung empfunden, die Energien aus anderen Lebensbereichen abzieht, z.B. Schule oder Ausbildung.
Das äußere Coming Out ist die Voraussetzung für die Selbstakzeptanz als schwuler Junge/Mann.

4.) Identitätsakzeptanz
Einmal selbst akzeptiert, baut der Jugendliche Kontakte zu anderen Schwulen und Lesben auf. Er knüpft ein Netzwerk. Er beginnt seine Sexualität, die auch eine soziale Identität ist, auszuleben. Dabei kann er auch die Fähigkeit lernen, besser auf gesellschaftliche Widerstände zu reagieren. Oft entwickelt der Jugendliche auch einen gewissen Stolz für sein Schwulsein getreu dem Motto „out and proud“.

5.) Integration
Der Jugendliche bzw. mittlerweile Erwachsene lebt überwiegend offen und selbstsicher mit seiner Sexualität. Er kann sie nur als kleinen Teil seiner Persönlichkeit begreifen oder ihr eine größere Rolle zugestehen. Fakt ist aber: Der Umgang mit der eigenen Sexualität kann sich je nach Lebensumständen verändern. Der Schwule kann etwa feststellen, dass er sich in manchen Bereichen lieber nicht outet oder dass seine Sexualität von anderen als Angriffsfläche benutzt wird. Auch kann die Bedeutung der eigenen Sexualität für die Persönlichkeit an Bedeutung gewinnt oder verliert (z.B. Nähe zur Szene als soziales Umfeld).

Natürlich gehören all diese Phasen nur zu wissenschaftlichenen Modellen. Jedes Coming Out ist individuell. Du sollst keinesfalls das Gefühl haben, dass du unnormal bist, nur weil dein Coming Out anders verläuft. Mach dir keinen Druck!

Dieser Text basiert auf einem Aufsatz von Dr. Gisela Wolf
 für den Verband Lesben und Schwule in der Psychologie (siehe Link) .




Links zum Artikel

Web: Aufsatz von Dr. Gisela Wolf»
dbna: Tipps und Ratschläge zum Coming Out»



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 Bild: © queerblick e.V., fwd:rewind / photocase.com, istockphoto.com

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