Die Reaktion der Mutter....

Mein Gott war das kurios! Ich war im Verhältnis sehr jung. Aber ich fange mal bei Null an. Ich habe einen Jungen kennengelernt. Ich hab mich ziemlich schnell in ihn verschaut. Ich wusste aber nicht wie ich mit dieser Situation umgehen sollte...

Dennis (20) erzählt: Mein Gott war das kurios! Ich war im Verhältnis sehr jung. Aber ich fange mal bei Null an. Ich habe einen Jungen kennengelernt. Ich hab mich ziemlich schnell in ihn verschaut. Ich wusste aber nicht wie ich mit dieser Situation umgehen sollte. Ganz neue Gefühle brodelten in mir auf. Ich wusste nicht wie mir geschieht. Abgesehen von diesen neuen Gefühlen war ich nicht gerade beliebt, da ich ein ziemlicher Eigenbrötler war. Ich habe nicht gerne Menschen an mich gelassen und auch nicht gerne über mich gesprochen. Ich war ein guter Schüler, habe immer probiert es Lehrern recht zu machen und immer gute Noten zu kriegen. Oft klappte das zwar nicht, aber naja.

Der Junge der mir das Herz zum austicken brachte war mein Nachbar: Wir sahen uns jeden Tag! Sogar der Schulweg war der gleiche, nur das er ins benachbarte Gymnasium ging und ich auf die Hauptschule. Das war zu Beginn schon die erste große Hürde. Wie würde er wohl über einen einfachen Hauptschüler denken? Was hält er von mir, dem kleinen Eigenbrötler? Aber irgendwann hat sich das erübrigt.

Durch einen ganz dummen Zufall sind wir ins Gespräch gekommen. Er ist gerade mit seinem Hund aus der Haustüre gegangen und ich kam gerade mit meinem Hund zurück. Nun gut eigentlich war es der Hund meiner Großeltern, die verreist waren, aber das ist ja Nebensache. Es war die selbe Rasse - das war dann auch unser erstes Gesprächsthema. Wir machten aus ab sofort jeden Tag zusammen spazieren zu gehen. Von Tag zu Tag merkten wir, dass wir so viele gemeinsame Interessen hatten. Angefangen beim Basteln am Computer über das Schreiben bis hin zur Musik.

Wir unternahmen öfter etwas. Tag ein - Tag aus, immer haben wir etwas unternommen. Und irgendwann bekam ich eine Mail. Fragt mich nicht in welcher Community das war - es muss aber eine schwule gewesen sein. In der Mail stand nur: "Ja Hallo mein Schnuckeliger Nachbar!" Ich wusste im ersten Moment nicht wie mir geschieht. Ich war ja sowieso schon so verschossen in ihn und dann schreibt er mich in einer schwulen Community auch noch an? Und dann auch noch so?

Ich hatte war der Überzeugung das mich einer Verarschen möchte, doch am nächsten Tag als wir gemeinsam in die Schule gehen wollten - ich sollte dazu erwähnen, dass ich auf die Mail nicht geantwortet habe - fragte er ob ich seine Nachricht nicht bekommen hätte. Ich antwortete stammelnder Weise, dass ich die schon gelesen hätte, jedoch dachte, dass sie eine Verarsche sei.

Er lachte und meinte, dass er das niemals tun würde. Ich war ab diesem Zeitpunkt total perplex und wir liefen stumm in die Schule. Nach der Schule haben wir uns wieder getroffen und auf dem Heimweg passierte das, was ich für unmöglich gehalten hatte - er nahm mich in den Arm und küsste mich. Ich war in diesem Moment der glücklichste Mensch auf Erden. Ich hatte meinen ersten Freund.

Alle Ängste waren wie weggeblasen - nur es gab ein Problem: Niemand wusste, dass ich so bin, wie ich bin! Wir haben es eine geraume Zeit geheim gehalten. Doch irgendwann meinte er, dass seine Eltern es schon lange wüssten und richtig stolz auf ihn sein, weil er so stark und mutig ist, zu sich selbst zu stehen. Das brachte mich zum Nachdenken.

Ich hatte mich entschlossen es meiner Mutter zu "beichten". Nach dem ich mir noch eine Portion Motivation von meinem Schatz geholt hatte ging ich zu meiner Mutter, die gerade dabei war uns eine Köstlichkeit in Ihrem Reich - der Küche - zu zaubern. Ich hatte Panik, kalter Schweiß tropfte von meiner Stirn. Ich meinte nur, dass ich mit ihr reden müsse. Sie hatte schon Angst, ich hätte etwas angestellt. Aber urplötzlich dreht sie sich um und fragt "Denis, willst du mir jetzt endlich sagen, dass du schwul bist?". Ich fiel aus allen Wolken und bejate ihre Vermutung. Sie fing das lachen an und meinte "Ja Gott sei dank - du machst mich nicht zur Oma!".

Das war mein Outing bei meiner Mutter. Das reichte vorerst in meinen Augen auch. Doch dann kam der große Schnitt. Wieder ein Tag an dem ich mit meinem Schatz in die Schule ging. Auf Wolke 7 schwebend. Eigentlich hatte er immer fünf Minuten früher aus als ich. Doch an diesem Tag anders: Wir durften früher gehen, heißt ich wollte ihn überraschen. Ich war aber zu langsam. Er kam schon aus seinem Schulgebäude, welches auf der anderes Straßenseite lag und sah mich. Total blind rannte er auf mich zu. Dabei wollte er eine Straße überqueren. Er lief und dann "KRACHBUMM" und ich fiel zu Boden.

Er wurde überfahren. Von einem LKW. Mein Leben war zu Ende für eine kurzen Augenblick. Ich wachte erst im Krankenhaus wieder auf, an meiner Seite meine Mutter und mein Leben: Meine kleine Schwester. Diese saß auf meinem Bett, meine Stirn streichelnd. Meine Mutter nahm meine Hand und sagte "Du musst jetzt ganz stark sein, Schatz!". Ich verstand sofort was sie meinte; riss mir die Infusion raus und rannte auf den Gang. Perplex und verwirrt. Er war tot. Doch das alles gab mir ein Zeichen: LEBE WIE DU BIST - VERSTECK DICH NICHT! Ich outete mich überall.

Es war nicht einfach, denn nicht jeder fand das so toll. Doch ich wusste es war richtig und genauso fühlte es sich an! Ich hatte es meinem Engel versprochen. Und ich tat es. Es war ein Schnitt, der mein ganzes Leben veränderte, doch es war nicht nur schlecht! Ich danke ihm für alles! Vor allem dass er mich so verändert hat. Auch meiner Schwester habe ich viel zu verdanken denn ohne sie wäre ich heute nicht hier, ganz abgesehen davon, dass ich nicht der wäre, der ich jetzt bin! Jeder kann es schaffen, jeder wird es schaffen. Klar die Gesellschaft ist manchmal echt sche**e, aber müssen wir genauso sein?


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