Der Naujahrsvorsatz

Als einer meiner Neujahrsvorsätze ins Jahr 2010 habe ich mir vorgenommen, mich vor meinen Eltern zu outen. Vielleicht waren es auch noch die Nachwirkungen des Alkohols von der Silvesterparty, ich weiß es nicht...

Fabian (20) erzählt: Als einer meiner Neujahrsvorsätze ins Jahr 2010 habe ich mir vorgenommen, mich vor meinen Eltern zu outen. Vielleicht waren es auch noch die Nachwirkungen des Alkohols von der Silvesterparty, ich weiß es nicht. Auf alle Fälle bin ich heimgekommen und habe meine Eltern gebeten, dass wir uns zusammensetzen können, da ich ihnen etwas zu sagen hätte. Beide meiner Eltern sind schon älter, beide über 60 und mein Vater Iraner. Das Gespräch ist genauso verlaufen, wie ich dachte.

eine Mutter schaute mich mit Tränen in den Augen an und eröffnete damit, dass sie mich ja immer noch lieb habe, wohingegen mein Vater anscheinend seine Neugierde insofern befriedigen wollte, als dass ich ihm bis ins kleinste Details jetzt vor Ort erörtern sollte, was genau das jetzt für mich bedeutete, was ich täte etc. Direkt danach kam die Reaktion meine Mutter, auf die ich ebenfalls gewartet hatte: Sie fing an mir sämtliche single und vergebene Freundinnen von mir vorzuführen und ob die nicht doch was für mich seien und, das fand ich persönlich das Highlight des Ganzen, bot an mir einen Flirtkurs zu schenken, dass ich besser bei den Mädels landen kann. Danach wurde erstmal zwei Tage kein Wort miteinander gewechselt.

Bis heute ist das Verhältnis zu meinen Eltern bzgl. meiner sexuellen Orientierung nach wie vor sehr kompliziert. Die Zeichen waren zwar von Anfang an, vor Jahren schon, da, worauf mich meine Mutter auch schon sehr oft immer schon angesprochen hatte und sogar eine Psychologin konsultiert hatte, ob sie glaubte, dass ich homo- oder transsexuell sei. Homosexualität ist in der Familie meiner Mutter ein Thema, das wenn es auf den Tisch kommt lediglich zur generellen Belustigung der Anwesenden dient, ansonsten lediglich totgeschwiegen wird.

Ich finde es einfach schade zu sehen, dass mein bester Freund z.B. eine Familie hat, die komplett hinter ihm steht und ihn unterstützt und ich, wenn ich meine Mutter ärgern will, lediglich von "meinem Freund" sprechen brauch und sie sich seichtgrün in die nächste Ecke verzieht um ihrem Frühstück nochmal hallo zu sagen. Meine Freunde sind wirklich diejenigen, die nachwievor zu mir stehen und mich auch komplett unterstützen, wofür ich sehr dankbar bin. Ich weiß nicht, wo ich heute wäre ohne diese Freundschaft und Unterstützung die ich von ihnen erhalte. Die eigene Familie sollte zwar hinter einem stehen und ihn unterstützen aber wenn es eben nicht so ist und man dann noch, wie in meinem Fall verstoßen und enterbt wird, muss man sich eben eine neue Familie suchen. Freunde sind die Familie, die man sich aussucht und darauf muss man bauen.


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