Das Internet hat mich verraten

Ich komme aus einem kleinen Dorf wo der Großteil der Leute noch sehr konservativ ist und da ich nicht immer mit den Jungs einer Meinung war, war ich schon in der Volksschule eher ein Außenseiter.

Niklas (17) erzählt: Ich komme aus einem kleinen Dorf wo der Großteil der Leute noch sehr konservativ ist und da ich nicht immer mit den Jungs einer Meinung war, war ich schon in der Volksschule eher ein Außenseiter.

Ich habe mich damals mit Frauen einfach viel besser verstanden, weil mir die Musik und Kunst damals schon sehr am Herzen lag und ich mit Themen wie Fußball, Autos und usw. einfach nicht anfreunden konnte. Ich fand Frauen zwar hübsch aber das sogenannte "Gewisse Etwas" hat einfach gefehlt.

Eines Tages (ich war so 11 oder 12) kam dann ein Freund zu mir (Thomas), den ich in einem Lager kennenlernte und mit dem ich mich sehr gut verstand. Wir hatten bis dahin schon eine tolle Freundschaft seit über drei Jahren. Als es Nacht wurde spielten wir dann Wahrheit oder Pflicht und ich habe Ihm dann gesagt dass er mich küssen soll (bis dahin hatte ich noch keinen Kuss gehabt) -- und er tat es.

Es war einfach wunderschön und ich erinnere mich noch heute gerne daran. Danach habe ich ihm versprochen, dass ich es nie jemand sagen werde.

Ein gutes halbes Jahr später ist mir aus Versehen vor einer gemeinsamen Freundin rausgerutscht und er hat es dann schließlich erfahren und mich als Lügner dargestellt und alle unseren gemeinsamen Freunde gegen mich aufgehetzt.

Meine Mutter hat mich immer wieder mal gefragt ob ich schwul bin, ich habe aber immer Nein gesagt, da ich einfach noch jung war und es selber nicht ganz realisiert hatte - ich habe auch immer versucht eine Beziehung mit einer Frau zu führen - es hat aber nicht geklappt.

Eines Tages hat mich dann das Internet verraten (Ich hatte vergessen den Verlauf zu löschen) - nachdem ich es zuerst abstritt gab ich es dann irgendwann zu und die Reaktionen meiner Eltern waren, dass ich es niemand sagen soll und sie mich so lieben wie ich bin. Mein Vater meinte zwar, das ist nur 'ne Phase aber mittlerweile hat er es auch akzeptiert.

Nachdem es meine Eltern wussten habe ich auch all meinen Mut zusammengenommen, es meinen "Freunden" zu sagen ... Um es kurz zu machen: Ich habe 99% meiner (wenigen) Freunde eingebüßt.

Und wie es so ist hat es sich natürlich in meinem Dorf und Umgebung rumgesprochen und ich werde deshalb oft verspottet - aber dafür muss ich nicht ein vorgetäuschtes Leben führen. Mittlerweile habe ich ein paar echt tolle Freunde gefunden die zu 110% hinter mir stehen und die einfach nur wollen, dass ich glücklich bin.

Zum Schluss muss ich sagen: OUTET EUCH - EGAL WIE SCHLIMM ES AM ANFANG FÜR EUCH SEIN MAG - IHR FÜHLT EUCH DANN EINFACH FREI


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