Anere Wee

von Dan Schmit

460.000 Menschen leben in Luxemburg, einem Staat, der etwas größer ist als das Saarland. Seit kurzem gibt es dort eine neue schwule Jugendgruppe. "Anere Wee" ist luxemburgisch und heißt übersetzt "Anderer Weg". dbna war zu Besuch.

Mit 2586 Quadratkilometern ist Luxemburg nur etwas größer als das Saarland, aber der Kleinstaat hat nur 460.000 Einwohner.  Laut einigen Statistiken müssten es ungefähr 46.000 homo- bzw. bisexuelle Luxemburger geben (wir gehen von rund 10% aus), für die es mit dem Cigale (Centre d’information gay et lesbien) seit einigen Jahren eine Beratungsstelle gibt. Neben Beratungs- und Informationsmöglichkeiten im Internet, den Räumlichkeiten des Zentrums und Schulen, gibt es auch seit kurzem wieder eine dort ansässige Jugendgruppe.

Es gab bereits früher eine Jugendgruppe, allerdings löste sich diese nach einiger Zeit auf. Im Herbst 2007 wurde sie dann vor allem durch den Einsatz des Jugendlichen Laurent Boquet (damals 17) wiederbelebt. Laurent wollte sich ehrenamtlich engagieren, und mit der Gruppe hatte der heute 18jährige diese Möglichkeit. Seitdem treffen sich mittwochs von 16.00 bis 20.00 Uhr durchschnittlich 6 bis 8 Jugendliche, vor allem Jungen, in den Räumlichkeiten des Cigale, Räumen im Keller eines Mehrfamilienhauses. Das Zentrum hat zwar nicht viel Platz, aber die Jugendlichen stört es nicht. Sie freuen sich einfach darüber andere Jugendliche kennen zu lernen. Begleitet werden sie dabei von den zwei Erziehern des Zentrums.

Freundschaft steht im Mittelpunkt

Ziel der Gruppe “Anere Wee” (“Anderer Weg”) ist es den Jugendlichen zu zeigen, dass Homosexualität etwas ganz Normales ist und sie mit ihren Sorgen und Wünschen nicht allein sind. Sie sollen auch nicht für immer Mitglied bleiben, sondern nach einiger Zeit ohne Gruppe mit ihrer Homosexualität umgehen und leben können. Die Gruppe soll also als erste Anlaufstelle funktionieren.

Das Programm gestalten die Jugendlichen selbst. So werden Weiterbildungen organisiert wie zum Beispiel  im Januar zum Thema Aids. Aber auch interessante Ausstellungen und Filme stehen auf dem Programm. Manchmal ist das Programm auch weniger ernst, wie zum Beispiel bei der Weihnachtsfeier. Des Weiteren wollen die Jugendlichen auch mal zusammen ausgehen. Denn vor allem Eines entsteht bei den Treffen: Freundschaft.

Wenn das Programm mal nicht so durchplant ist, lassen sich die Jugendlichen schnell was einfallen, wobei schon die seltsamsten Dinge zustande kamen. Anfang Januar hatten zwei Mitglieder die Idee einen schwulen Inselstaat zu gründen, was sie aber nach einiger Zeit doch sein ließen. Daneben haben schon einige Mitglieder in den Magazinen der Zentrumsbibliothek (leider ergebnislos) nach dem perfekten Typen gesucht. Aber davon lässt man sich ja nicht unterkriegen…

Eine kleine Enttäuschung gibt es für die Jugendlichen aber trotzdem, weil 2008 kein „Gaymat“, der CSD in Luxemburg, wegen Mangel an Organisatoren stattfindet.  Aber trotzdem sind die Jugendlichen sehr aktiv und freuen sich auf das weitere Programm und der 10. „Gaymat“ findet ja trotzdem statt, eben nur erst 2009.


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19.03.2008  | Bild: © anere wee
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