Schwierige Situationen meistern

Was tun, wenn es schief geht?

Vor einem Coming-out bei den Eltern kann man sich nicht ewig drücken. In der Regel haben die Eltern Verständnis, wenn sie sich erst einmal an den Gedanken gewöhnen konnten, dass ihr Sohn schwul ist. Aber: Wie soll man reagieren, wenn das nicht passiert?

Bild: Getty Images/Stockbyte - Symbol-/Modelfoto

Deine Eltern sind deine Eltern. Du kannst ihnen nicht ewig verschweigen, dass du schwul bist. Ein Coming-out bei deinen Eltern ist kräftezehrend. Erst einmal, weil immer die Angst mitschwingt, dass sie nicht so reagieren könnten, wie du dir das vorstellst. Aber auch, weil ein solch persönliches und intimes Gespräch mit den Eltern immer anstrengend ist. In der Regel reagieren die Eltern ganz souverän, wenn sie erfahren, dass ihr Kind schwul oder lesbisch ist.

Klar - ein paar Gedanken machen sie sich trotzdem, aber meist tragen sie diesen Konflikt in ihrem Inneren aus oder halten zumindest ihr Kind heraus. Trotzdem kann es vorkommen, dass Eltern nicht ideal reagieren. Vorwürfe werden erhoben, Zweifel werden ausgesprochen und wenn es ganz hart kommt, werden sie versuchen, ihrem Kind das Schwulsein zu verbieten.

So eine Situation ist nicht schön, aber du kannst dich geschickt durchmanövrieren, wenn du ein paar Grundregeln beachtest. Bevor wir aber zu diesen Grundregeln kommen, sei noch angemerkt: Die hier beschriebenen Situationen sind Extremfälle! Sie sollten dich auf gar keinen Fall entmutigen! 

Erste Grundregel: Habe Verständnis!

Wenn die drei wichtigen Worte gesagt sind (Ich bin schwul), löst du im Kopf deiner Eltern eine Lawine von Gedanken aus. Sie fangen an, nach Ursachen zu forschen. Was haben sie falsch gemacht, dass sie einen schwulen Sohn großgezogen haben? Sollten sie ihrem Sohn vielleicht den Umgang mit Männern verbieten, damit er doch heterosexuell wird? Natürlich ist das alles Unsinn. Aber spontane Reaktionen sind nun einmal spontan, wenig überlegt. Da kommt so ein Unfug schnell zustande.

Deshalb kann es immer passieren, dass Eltern zuerst mit Ablehnung reagieren und versuchen, gegen dich zu argumentieren. Eine schwierige Situation, denn sie spiegelt genau die Ängste wieder, die du vor dem Coming-out-Gespräch gehabt hast. Wie kannst du damit umgehen? Die wichtigste Grundregel lautet: Habe Verständnis!

Für deine Eltern beginnt mit deinem Coming-out ein Gedankenprozess, den du schon längst abgeschlossen hast. Jetzt müssen sie sich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, dass ihr Kind schwul ist. Du solltest ihnen zuhören und da sein, um ihre Fragen zu beantworten. Du solltest sie sogar dazu ermutigen, dir Fragen zu stellen! Sei selbstsicher, dann werden deine Eltern bemerken, dass du dir deiner Sache sicher bist.

Zweite Grundregel: Fühle dich nicht schuldig!

Wenn deine Eltern aufgelöst - vielleicht sogar weinend - vor dir sitzen, kommen schnell Zweifel auf. War es falsch, ihnen von meinem Schwulsein zu erzählen? Habe ich vielleicht eine falsche Situation für so ein Gespräch erwischt? Die Antwort auf beide Fragen lautet: Nein! Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt für so ein Gespräch und ewig hättest du mit deiner Sexualität ohnehin nicht hinterm Berg halten können.

So brachial es klingen mag, aber in dieser Situation darfst du dich nicht schuldig fühlen. Für die Selbstzweifel und die Vorwürfe, die sich deine Eltern in diesem Moment machen, bist du nicht verantwortlich. Du kannst aber dazu beitragen, dass sie dich besser verstehen, indem du mit ihnen über die Zweifel und Ängste sprichst, mit denen sie sich herumplagen.

Wenn du von deinen Eltern beschimpft wirst, dann bleibe ruhig! Es hilft niemandem weiter, wenn du zurückschimpfst oder deinen Eltern Gegenvorwürfe machst. Ihr würdet euch gegenseitig so lange hochschaukeln, bis die Situation irgendwann völlig eskaliert und ihr zerstritten auseinander geht.

Sollte auch das nicht funktionieren, dann gehe! Lasse sie in Ruhe mit ihren Selbstzweifeln und stelle sie später wieder zur Rede. Die Zeit heilt alle Wunden, das hört man in diesem Kontext häufig. Das klingt dramatisch. Aber wenn du deinen Eltern ein paar Stunden oder Tage Zeit lässt, dann hat sich die erste Flutwelle an Emotionen bereits gelegt und ihr könnt wieder vernünftig miteinander reden. Egal, wie extrem der Streit auch gewesen sein mag.

Dritte Grundregel: Biete deinen Eltern Unterstützung an!

Wenn alles nicht hilft und ihr euch auch nach Tagen noch über dein Schwulsein streitet, dann solltest du deinen Eltern Unterstützung anbieten. Die bekommen sie beispielsweise beim „Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen“ (Befah). Der Befah bietet Eltern Hilfe an, vermittelt zu Elternselbsthilfegruppen und organisiert Orientierungswochenenden und Tagungen, auf denen sich „betroffene“ Eltern informieren und austauschen können.

Auf den Internetseiten des Befah können sie sich umfassend informieren und Erfahrungsberichte anderer Eltern lesen, die beim Coming-out ihrer Kinder ähnliche Ängste und Zweifel hatten.

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24.08.2013  | Bild: © Getty Images/Stockbyte - Symbol-/Modelfoto

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