Ein bester Freund erzählt

Was er an diesem Abend zu hören bekam, musste Sebastian überrascht haben. Nicht, dass er nicht schon mal für schwul gehalten worden wäre. Aber mit dem überraschenden Outing eines guten Freundes hatte er nicht gerechnet.

Von Daniel
September 2004: Daniel und Sebastian sitzen beim Essen in einem Bremer Lokal. Und mitten im Gespräch passiert es. Ohne es geplant zu haben, spricht Daniel zum ersten Mal über etwas, was ihm seit einigen Wochen klar ist: Er ist schwul. Obwohl er eine Freundin hat.
Juli 2006: Daniel hat das Coming -out schon lange hinter sich. Mit Sebastian hat er über den Abend gesprochen.

Daniel: Was hast Du vor meinem Outing über Schwule gedacht?

Sebastian: Gute Frage! Das ganze ist für einen „Normalo“ immer so ne Sache... Ich hatte gemischte Gedanken. Als erstes stand für mich fest: Das ist nix für mich. Und alles, was damit zusammenhängt, ist natürlich erstmal ein rotes Tuch, gerade weil man nichts damit anfangen kann.

Aber unabhängig davon: Wie standst Du zu Schwulen?

War Okay, solange sie mich in Ruhe lassen.

Ich hatte mich damals aus heiterem Himmel bei dir geoutet. Wie schwer fiel es dir, das zu glauben?

Kein Thema. Letztenendes kennen wir uns jetzt seit Anfang des Studiums und wenn Du das sagst, dann ist das so. Ich habe nicht daran gezweifelt, wenn Du das meinst.

Was waren Deine ersten Gedanken nach meinem Outing?

Wo ich meine nächste Cola herkriege, ich glaube mein Glas war leer. Nein, mal ehrlich: Ganz so wars nicht. Aber ich habe das eigentlich nur als Information aufgefasst, mehr nicht

Das heißt Du siehst das auch nicht als "Erlebnis" an?

Nun ja, es war schon was, was nicht jeden Abend so beim Kaffee passiert, aber Erlebnis? Nein.

Siehst du einen Unterschied in deiner Haltung gegenüber Schwulen vor und nach diesem Abend?

Ein wenig auf jeden Fall. Erstmal bist du nun nicht so, wie man sich als Vorurteilsbehafteter „Normalo“ einen Schwulen vorstellt, und zum Anderen wird das Ganze erheblich greifbarer, wenn ein Freund auf einmal „anders“ ist.

Glaubst du, dass wir jetzt ein anderes Verhältnis zueinander haben?

Auf die Frage gibt es eigentlich zwei Antworten: Zum einen eindeutig: Nein. Ich habe nicht das Gefühl, dass sich an unserer Haltung zueinander etwas geändert hat. Zum Zweiten: Ja, weil man doch ab und zu dran denkt, dass Du "andersrum" bist, das ist aber auch das einzige. Ich meine so Situationen, wenn Du mit Deinem Freund telefonierst, wie neulich beim Grillen. Das ist schon, sagen wir mal ungewohnt.... das hat aber nichts mit Respekt oder Wertschätzung zu tun.

Schon klar. Aber was empfindest Du als ungewohnt, wenn ich mit meinem Freund telefoniere?

Nun, dass man sich vorstellt, dass Du einem Kerl eine gute Nacht wünschst, wo unsereins eben gewoht ist, einem Mädel sowas ins Ohr zu flüstern.

Hast Du das Gefühl, dass ich mich seitdem verändert habe?

Nein, keineswegs.

OK, das wars auch schon... Danke Dir



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Artikel veröffentlicht: 25.09.2003
Weitere Quellen: Bilder: dbna e. V.