Was zählt, ist auf dem Platz
Mit dem Tatort „Mord in der ersten Liga“ wagt sich das ARD-Krimiflaggschiff Tatort an das letzte Tabu auf dem Fußball-Platz: Schwule Fußball-Profis. dbna-Autor Philipp Fleiter hat genau hingeschaut.

© NDR/Marc Meyerbröker
Mit dem Tatort „Mord in der ersten
Liga“ wagt sich das ARD-Krimiflaggschiff Tatort an das letzte Tabu
auf dem Fußball-Platz: Schwule Fußball-Profis. dbna-Autor Philipp
Fleiter hat genau hingeschaut.

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Hier schmeckt man zum ersten Mal die schalen Klischees aus dem Betroffenheits-Baukasten, die sich durch die kompletten 90 Minuten ziehen: Krämer hat einen Aidsschleife als Schlüsselanhänger, in seiner Wohnung voll mit den Bildern nackter Kerle liegt er mit einer Pulle Prosecco heulend im Badezimmer, der CD-Player dudelt Marianne Rosenberg.
Kommissarin Lindholm kombiniert messerscharf: Hier ist was Schwules im Busch. Könnte der Fußballprofi etwa heimlich homosexuell gewesen sein? Oder ist etwa sein Mannschaftskollege und bester Kumpel Ben Nenbrook (Luk Pfaff) die Klemmschwester im Fußball-Trikot? Furtwängler, die blonde, liberale Powerkommissarin kämpft bei der Suche nach einer Antwort natürlich auch gegen einen homophoben Kollegen, der sich nicht im Traum vorstellen kann, dass es schwule Spieler in seinem Lieblingsclub geben soll. „Wir sind doch nicht Hannover 69“ erklärt der seiner ob dieser fies-gemeinen Intoleranz die Brauen kräuselnden Kollegin Lindholm.

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Blöd nur, dass dieser Ansatz zu einer im Prinzip unwichtigen Nebenhandlung degradiert wird. Schließlich gibt es in der Bundesliga viele fiese Dinge, die auch alle noch in der Story unterkommen müssen: Brutale Hooligans, die eigentlich nur arme Würste von der Sparkasse sind und sich in Parkhäusern prügeln, um Dampf abzulassen; fiese Managertypen, die ihre Schützlinge für ein bisschen Kohle an den Satan verkaufen und natürlich die böse Sensationspresse, die sich wie Aasgeier auf die Homogerüchte stürzt.
Alles zusammen verquirlt in einer nicht wirklich spannenden Betroffenheits-Geschichte, die einem mit dem inszenatorischen Holzhammer zu Toleranz und Nachdenken anregen will. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Am Ende waren es der schmierige Manager UND die bösen Hooligans. Ersterer hat seinen Schützling zusammengeschlagen, weil der ihm kündigen wollte und die Hooligans haben den bereits sterbenden Fußballer dann noch fix weiter gekloppt und gefilmt. Klingt blöde und ist es auch.

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Also zumindest ein wenig Zuckerguss auf das langweilige Sozialdrama, das sich mehr schlecht als recht als Krimi getarnt hat.




