Eine Überraschung zum Fest
Wer träumt nicht davon mit dem eigenen Freund zusammen Weihnachten zu feiern? Blöd, wenn man bei der Familie nicht geoutet ist. Das ist auch das Problem von Nathan und Olaf.
Genau so ergeht es auch dem 22-jährigen Olaf 'Gunn' Gunnunderson (Keith Jordan) in "Eine Überraschung zum Fest". An der Uni, weit weg von seinen Eltern, lebt er seine Homosexualität frei aus. Und warum auch nicht? Er ist schwulenpolitisch aktiv, selbst sein Prof flirtet mit ihm und er hat einen bezaubernden Freund in seinem Mitbewohner Nathan (gespielt vom offen schwulen Kanadier Adamo Ruggiero). Nathan ist leicht tuckig und äußerst hinreißend.Doch das Julfest steht vor der Tür und das junge Paar wird die Feiertage getrennt voneinander verbringen: Nathan feiert mit seiner jüdischen, spießigen Familie, die ihn seit seinem Outing kaum mehr beachtet. Olaf hingegen ist bei seinen skandinavischen, durchgeknallten Eltern Anya und Sven (Kelly Keaton und Derek Long) in Wisconsin. Dieses Weihnachten will auch Olaf sich endlich bei seinen Eltern outen.
Wer klingelt denn da völlig überraschend?
Daheim empfangen der schusselige Sven und die naiv-matronige Anya ihren Sohn mit offenen Armen. Eigentlich sind Olafs Eltern völlig entspannt. Trotzdem traut er sich nicht raus mit der Sprache. Als er beim Abendessen endlich seine Homosexualität ansprechen will, klingelt es an der Tür: Abby (Hallee Hirsh), die Nachbarstochter und Olafs ehemalige Freundin zu Schulzeiten, steht vor der Tür. Und alles riecht nach Kuppelei seiner Mutter. Somit ist das Outing wieder mal verschoben.Am nächsten Morgen klingelt es dann abermals an der Tür. Diesmal öffnet nicht Olaf, sondern sein Vater Sven im offenen Morgenmantel die Tür. Vor ihr steht Nathan. Nathans Eltern haben völlig vergessen, ihm mitzuteilen, dass sie eine Reise gewonnen haben und er die Feiertage alleine verbringen muss. Kurzerhand dachte sich Nathan, dass er genauso gut bei der Familie seines Freundes feiern kann.
Aber damit fängt das Verwirrspiel erst richtig an: Anya will ihren Sohn wieder mit Abby zusammenbringen. Sie merkt aber nichts davon, dass ihre Gespräche mit Nathan eine schlüpfrige Doppeldeutigkeit besitzen. Nathan freut sich, Olafs Familie endlich kennen zu lernen, möchte aber nicht nur als Olafs Zimmergenosse vorgestellt werden. Er fühlt sich außen vor, weil Nathan weiterhin den Hetero spielt.
Eine süße Komödie zur Weihnachtszeit
Nach dem miserablen Film "3-Day Weekend" hat es Regisseur, Autor und Produzent Rob Williams geschafft, einen wirklichen witzigen und charmanten kleinen Indiefilm zu drehen, den man sich nicht nur zu diesem Fest, sondern alle Jahre wieder ankucken kann. Die Produktion sieht nicht so glatt und prall aus wie von Großproduktionen. Aber die Mischung aus Weihnachtskitsch, Schrulligkeit, Drama und Biss stimmt einfach. Und die besondere Prise doppeldeutiger Humor macht umso mehr Spaß.Zum Gelingen dieses Films tragen vor allem auch die Darsteller bei. Die beiden Hauptdarsteller, Jordan und Ruggiero, sind ein süßes Pärchen und wirken sehr natürlich. Zwischendurch möchte man dahinschmelzen und die beiden herzen. Auch die wild gelockte Hirsh, und die naiv-matronige Keaton sind wunderbar besetzt. Zudem ist Gates McFadden, bekannt als Dr. Crusher aus dem Star-Trek-Universum, nach einigen Jahren Drehpause in einer kleinen Nebenrolle als Nathans Mutter zu sehen.
Schauspielerische Fehlgriffe sind inklusive
Die schauspielerische Schwachstelle ist der vollbärtige Derek Long. Der sieht zwar für einen älteren Herrn gut aus und hat auf dem Filmout-Festival in San Diego einen Schauspielpreis für seine Rolle in "Eine Überraschung zum Fest" gewonnen. Aber bereits in "3-Day Weekend" und "Socket" hat er seinen Mangel an Schauspielkunst bewiesen. Er wirkt hölzern, spielt aber zum Glück keine so gewichtige Rolle wie seine Filmfrau Keaton.
Die Geschichte dieses Weihnachtsfilms könnte aus dem Leben gegriffen sein, wenn die Charaktere nicht so pointiert wären. Das macht aber auch den Spaß des Filmes aus. Die wohlwollende Coming-out-Botschaft ist selbstverständlich vorhanden und das Ende dieser Komödie von Anfang vorherzusehen. Aber dennoch ist "Eine Überraschung zum Fest" ein süßer Feiertagsfilm, den man sicherlich auch nächstes Jahr wieder kucken mag.
Film-Bewertungen
Süße Jungs:
Schwuler Inhalt: 
Bild: © Pro Fun




