Milk

Ein offen schwuler Mann im Stadtrat? In den USA der 70er Jahre ist das undenkbar. Aber allen Widerständen zum Trotz schafft der schwule Bürgerrechtler Harvey Milk genau das.


© Paramount Pictures
Szenen aus dem Film "Milk".
1970 zu seinem 40. Geburtstag lernt der Investmentbanker Harvey Milk (Sean Penn) den 22 Jahre alten Scott Smith (James Franco) in New York City kennen und lieben, doch noch lebt er ein verstecktes Leben. 1972 zieht das Paar nach San Francisco und Harvey eröffnet den Fotoladen 'Castro Camera' auf der Castro Street im Herzen des Stadtteils Castro, der unter Schwulen immer populärer wird. Gegen die Vorurteile der irisch-katholischen Nachbarschaft setzt Harvey, nun vollkommen geoutet, seine Erfahrung als Geschäftsmann immer stärker für die Rechte Schwuler ein, was ganz natürlich dazu führt, dass er auch für politische Ämter kandidiert.

Scott, der Harvey bei seinen Kampagnen anfangs tatkräftig unterstützt hat, fühlt sich vernachlässigt, weil Harvey mit jeder neuen Kandidatur mehr Zeit für die Politik benötigt. Trotz aller Anfeindungen versammeln sich immer mehr gleich gesinnte schwule Bürgerrechtler um Milk und kämpfen mit ihm. Gemeinsam können sie ihre Interessen durchsetzen. Scott erträgt es jedoch nicht länger und verlässt Harvey, der schon bald mit dem etwas unausgeglichenen Mexikaner Jack Lira (Diego Luna) eine eigenwillige Beziehung eingeht.

1977 gelingt es Harvey endlich, in den Stadtrat gewählt zu werden. In seinem dortigen Kollegen und Familienvater Dan White (Josh Brolin) sieht Harvey einen möglichen Verbündeten und bemüht sich darum, ihn für seine Ziele zu gewinnen. Gleichzeitig befürchtet er, dass eine der zahlreichen Morddrohungen wahr gemacht wird, und beginnt, seine Memoiren auf Kassette zu sprechen.


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Szenen aus dem Film "Milk".
Filmbiographie mit Aussage

Im neuen Jahrtausend scheint die lange Zeit der Heimlichkeit und Unterdrückung, dann die Zeit der Quotenschwulen überwunden und Homosexualität endlich akzeptiert zu sein. Acht Oscar-Nominierungen und zwei Auszeichnungen für "Milk" (Sean Penn als bester Darsteller und Dustin Lance Black für das Drehbuch) sind nach dem Erfolg von "Brokeback Mountain" zwei Jahre zuvor ein Beweis mehr. Der Kampf scheint gewonnen. Kann also gefeiert werden? Bedeuten diese Auszeichnungen der Filmbranche überhaupt, dass im Alltagsleben Schwulsein ebenso akzeptiert wird?

Der schwule Regisseur Gus Van Sant hat mit viel Detailliebe (dahingehend sind auch die DVD-Extras sehr aufschlussreich) und einigen Archivaufnahmen die Filmbiographie "Milk" zu einer lebendigen und einnehmend nostalgischen Dokumentation der Schwulenbewegung der 1970 gemacht. Dadurch vermittelt der Film einen starken Eindruck dieser kämpferischeren Zeit, die die jüngere Generation nicht miterlebt hat, deren Früchte sie aber in den letzten Jahren immer mehr geerntet hat.

"Milk" ist in jeder Hinsicht ein Filmjuwel und zugleich einer Erinnerung an Schwule wie an Heterosexuelle, dass erst mit der Akzeptanz aller Randgruppen ein Volk in Eintracht leben kann. Dieses Ziel ist noch lange nicht erreicht.

Die Schwulenbewegung ist nur scheinbar am Ziel

Seit dem Stonewall-Aufstand kämpfte man für grundlegende Gleichberechtigung, gegen Leute wie Anita Bryant oder Senator John Briggs (gespielt von Denis O'Hare), gegen die Entlassung schwuler Lehrer. Dagegen erscheint die heutige Frage, ob kleine oder große Homo-Ehe, zunehmend unbedeutend und die Lanze der Schwulenbewegung durch Karnevalisierung und Kommerzialisierung gebrochen. Das Gros der Schwulen fühlt sich in der heteronormierten Konsumentenrolle wohl genug, um stillzuhalten. Gleichzeitig wurden z.B. in Kalifornien bei der Präsidentschaftswahl in den USA gewonnene Rechte wieder eingeschränkt.


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Szenen aus dem Film "Milk".
Gerade aus diesem Grund ist diese Filmbiographie so wertvoll und gleichzeitig ein Sinnbild unserer paradoxen Situation. Wie Harvey Milk es gefordert hat, leben Regisseur Van Sant und Drehbuchautor Black offen schwul. Gleichzeitig sind alle großen Rollen wie in "Brokeback Mountain" mit vorzeigbaren Heterosexuellen besetzt. Der filmische Kontext verdeutlicht: das Selbstbild der Schwulen ist noch immer geprägt von Heterovorbildern. Wie viele offen schwule Schauspieler sind in Hollywood erfolgreich? Wie wäre "Milk" aufgenommen worden, wenn schwule Darsteller engagiert worden wären?

Film genießen, nachdenken und handeln

Zugegeben sind es aber gerade auch die schnuckeligen Heterodarsteller, die den Film so sehenswert machen. Penns Leistung ist wahrlich ohne Gleichen und James Franco sollte am besten in jeder Einstellung zu sehen sein. Die Schauspieler sehen aber nicht nur gut aus, sondern leisten wie Van Sant Herausragendes. Der Film bringt seinen Figuren tiefe Sympathie entgegen, selbst den Widersachern, was dem Drama eine gewisse Leichtigkeit verleiht.

So ist am Ende nicht nur die Person Harvey Milk eine wichtige Episode der Schwulenbewegung, sondern der Film selbst ein wichtiger Beitrag für die schwule Kultur. "Milk" ist ein unbedingtes Film-Muss!





Film-Bewertungen

Süße Jungs: Schwuler Inhalt:
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