Kuntergrau: So wird die zweite Staffel

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Kuntergrau
© Kuntergrau

Über ein Jahr mussten die Zuschauer warten. Jetzt wurde die Fortsetzung der schwulen Webserie in Köln gezeigt. Die Handlung ist vielschichtiger geworden, die Dialoge authentischer – und es gibt noch mehr Sex. Doch die Fans brauchen noch etwas Geduld, bis die vier Folgen veröffentlicht werden.

Der Andrang ist riesig. Die Schlange reicht bis vor die Tür des Kölner Cinedoms. Manche warten über eine Stunde, um eines der begehrten Tickets zu bekommen. Dass so viele Leute die zweite Staffel Kuntergrau sehen wollen, damit hat das Team nicht gerechnet.

Schließlich ist auch der letzte der 500 Plätze belegt. Die Spannung steigt, so langsam wird es ruhig im Saal. Regisseur Kai Kreuser und Darsteller Daniel Kosic moderieren. Nur ein paar Worte, bevor es losgeht, doch die sind besonders wichtig. Auffällig viele haben die erste Staffel auf YouTube mit russischen, arabischen oder chinesischen Untertiteln geschaut, sagt Kai.

Die braven Zeiten sind vorbei

Gerade in Ländern, in denen Schwule nicht frei leben können, ist die Serie beliebt. „Das zeigt uns, dass wir über die Grenzen von Deutschland hinaus etwas Großartiges leisten.“ Doch auch hierzulande sei es wichtig, Präsenz zu zeigen, sagt Kai: „Ich denke, niemand in diesem Saal ist bereit, rückwärts zu gehen.“ Es folgt Applaus, Zustimmung.

Und dann wird geknutscht. Und geblasen. Und gefickt. Schon die ersten zwei Minuten der zweiten Staffel zeigen, dass die brav-unschuldigen Zeiten der ersten Anyway-Webserie „Julian – Junge Liebe Anders“ längst vorbei sind. Bereits die ersten fünf Episode Kuntergrau wollten erwachsener sein, sich nicht nur ums Coming-out drehen. Die neuen Folgen gehen diesen Weg konsequent weiter.

Qualitativ und thematisch einmalig

So bekommen die großen Themen, die in der ersten Staffel angerissen werden, noch mehr Gehalt. Egal ob Taschengeldangebote, Fetisch-Sex, HIV oder Probleme mit den Eltern: Kuntergrau scheut sich nicht, Dinge anzusprechen, die sonst nirgends zu sehen sind. Jede Figur bekommt noch mehr Tiefe und Charakter.

Wer hätte etwa gedacht, dass Lukas (Daniel Kosic) fast krankhaft eifersüchtig ist? Oder dass Marcel (Moustafa Tarraf) nicht nur nach schnellem Sex sucht, sondern sich wirklich verlieben kann? Die Webserie beweist damit, nicht nur qualitativ, sondern auch thematisch einmalig zu sein. 

Viel Gespür für den richtigen Moment

Besonders die Dialoge wirken noch authentischer und ausgereifter. Wenn etwa Publikumsliebling Oma Margarethe (Kathleen Renish) Lukas‘ Mutter Marion (Anne Apitzsch) erklärt, dass sie ihren Sohn endlich so akzeptieren soll, wie er ist, ist das ein Moment, der wirklich unter die Haut geht. An solchen emotionalen Stellen wird deutlich, dass das Drehbuch noch klüger und packender geschrieben wurde.

Dass die beiden dann gemeinsam trinken und eine ziemlich betrunkene Sprachnachricht an Lukas schicken, zeigt – wie an vielen anderen Stellen auch – welche raffinierte und pointierte Rolle der Komik in der zweiten Staffel zuteilwird. Die lustigen Stellen sind mit viel Gespür und Sinn für den richtigen Moment gesetzt. Genau wie die Musik von Max Kelm, die jede Stimmung auffängt und intensiviert.

Ab 23. April auf YouTube

Die zweite Staffel Kuntergrau hat mit 84 Minuten Spielfilmlänge. Projektleiter Falk Steinborn bringt es am Ende auf den Punkt: „Ihr habt das Universum der Jugendarbeit gesprengt.“ Denn man darf nicht vergessen, dass Kuntergrau ein rein ehrenamtliches Projekt ist.

So etwas ist nur mit viel Zeit, Fleiß, Leidenschaft und Herzblut möglich. Das weiß das Premieren-Publikum zu schätzen: Es folgt minutenlanger stehender Applaus. Alle anderen müssen sich noch bis zum 23. April gedulden: Ab dann gibt es jede Woche eine neue Folge Kuntergrau.

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Artikel veröffentlicht: 02.04.2017