Interview

"Bloody Weekend"

von Alexander

Daniel ist 19 Jahre alt, Buchhalter, leidenschaftlicher Schriftsteller und lebt mit seinem Freund in München. Das Label "Soundtales Production" hat ihm die Veröffentlichung seines ersten Hörspiels "Bloody Weekend" ermöglicht. dbna sprach mit ihm über sein Werk, seine bisherigen Geschichten und seine Zukunft.

Bild: dbna, Abenthum

Daniel, als die Nachricht einging, dass Soundtales Productions „Bloody Weekend“ vertonen wird, wie hast du reagiert? So ein Erfolg mit 18 Jahren ist ja nicht selbstverständlich.
Daniel: Das war für mich natürlich eine riesige Freude. Ich habe zusammen mit einem Freund an dem Skript geschrieben. Und dann kam die Überraschung, dass eine Produktion und Veröffentlichung durch das Label tatsächlich möglich ist. Und so kam es dann auch. Ich konnte das Glück gar nicht fassen, da es schon immer mein Traum war, dass eine meiner Geschichten entweder als Hörspiel oder Film veröffentlicht wird. 

Hört man sich „Bloody Weekend“ an, so sind die Beschreibungen der Tode ja nicht ohne. Wie hast du herausgefunden, wie sich bestimmte Tötungsmethoden auswirken? Mir schwebt das vor allem der Strom-„Unfall“ vor Augen.
Daniel: Dazu muss ich sagen, dass ich schon immer ein Fan von Horrorfilmen aller Art bin. Egal ob Slasher wie „Scream“, Splatter oder Psycho-Horror. Auf dieses Genre möchte ich mich spezialisieren, ich liebe den Adrenalinausstoß, den man dabei erleben kann, die Gänsehautmomente. Und deshalb habe ich wohl auch schon alles an ekligen, brutalen und harten Szenen gesehen, die es in Filmen gibt. Und man muss ehrlich sein, so etwas gehört in eine gute Horrorstory auch hinein: viel Blut und brutale Morde. 

Es fällt auf, dass, obwohl du selbst dem anderen Geschlecht alles andere als zugeneigt bist, in der Geschichte ausschließlich heterosexuelle Personen vorkommen. Wieso hast du dich dagegen entschieden, einen Schwulen oder gar ein schwules Pärchen einzubauen? Immerhin führen solche Mehrheitsgesellschaft ja ganz eigene, „normale“ Schwule zeigen und so die Heteronormativität aufbrechen.
Daniel: „Bloody Weekend“ ist ja nicht die einzige Story bzw. das einzige Skript, das ich geschrieben habe. In neueren Werken von mir gibt es durchaus auch schwule Pärchen und zudem schreibe ich gerade an einem Kurzdrama über einen Jungen, nach dem Coming-out.

Zu der damaligen Zeit, als ich Bloody Weekend geschrieben habe, da hatte ich aber ehrlich gesagt, gar nicht daran gedacht, ein schwules Pärchen einzubauen. Es stimmt schon, es wäre wichtig, den extrem krassen Heteros endlich zu zeigen, dass Schwule nicht immer übertrieben tuntig, bunt und überdreht sein müssen. Und das könnte man auch dezent in einer solchen Produktion zeigen, aber wie gesagt, bei „Bloody Weekend“ hatte ich das nicht vor Augen.

Bild: Abenthum

Zudem sticht ins Auge, dass die Geschichte wohl in den USA spielen soll, dies zumindest verdeutlichen die Namen der Hauptpersonen. Wieso hast du dich gegen einen deutschen Handlungsrahmen entschieden, obwohl du die Geschichte ja auf Deutsch geschrieben hast. Ist Horror für dich ein rein amerikanisches Genre?
Daniel: Natürlich muss man sagen, dass die besten Horrorfilme aus Amerika kommen. Es gibt durchaus gute, ältere Horrorfilme aus Deutschland (z. B. Swimmingpool, Anatomie) aber in der neueren Zeit trauen sich die Deutschen nicht so wirklich an dieses Genre und es gelingt ihnen auch sehr schlecht, wenn man ehrlich ist. Deutsche Produktionen erkennt man sofort, es wird viel zu viel Drama und Liebesgeschichte eingebaut und dabei wird das Genre teilweise zerstört. Deshalb spielt die Geschichte in Amerika. Ich würde mir aber sehr wünschen, dass endlich einmal wieder ein guter, deutscher Horrorfilm erscheint, wobei das bei dem Publikum nicht leicht ist. Die Mehrheit der Deutschen mag keinen Horror und erst Recht keinen Horror aus Deutschland. 

Hand auf’s Herz: Gibt es ein genaues Konzept für die Reihenfolge der einzelnen Morde, abgesehen von den letzten beiden? Was waren deine Kriterien dafür?
Daniel: Beim Schreiben eines Drehbuches oder auch einer Geschichte entwickelt man verschiedene Charaktere. Man erschafft neue Personen, eine neue Welt. Und dabei geschieht es automatisch, dass man sowohl Rollen schafft, die man mag, die einen selbst widerspiegeln oder jemanden, den man mag. Und zugleich schafft man auch Charaktere, die einem weniger zusprechen. Und so lässt man Leute länger leben bzw. überleben, die man wohl selbst lieber mag…vor allem wenn man eine Fortsetzung plant.
Außerdem gibt es bei Horrorfilmen, wie alle Fans bestätigen werden, ein Überlebens-Schema. „Bloody Weekend“, spielt sich noch sehr danach ab, in meinem neuen Skript hingegen wird man aber die Ein oder Andere Überraschung überleben.

Du bezeichnest Wes Craven als Deinen Lieblingsregisseur, bei „Bloody Weekend“ merkt man die geistige Nähe auch deutlich an. Doch gerade bei Scream scheiden sich in Diskussionen häufig die Geister, ob das guter oder eher schlechter Horror ist. Was überzeugt dich so von Craven?
Daniel: „Scream“ ist ja nur einer seiner Filme. Wes Craven ist ein Regisseur, der sowohl Thriller als auch Horror grandios umsetzt, der sich auf das Wesentliche konzentriert und jedes Mal eine grandiose Produktion abliefert.

Die Überraschung letztes Jahr war „Scream 4“, damit hat er den Überraschungserfolg überhaupt gelandet. Fast noch besser als die Vorgänger: gruselig, spannend und fast schon eine Parodie auf seine Vorgänger. Und genau das liebe ich an Wes Craven: er begeistert die Zuschauer immer wieder neu und entwickelt sich selbst weiter. Er traut sich auch an Genres heran, die jetzt nicht direkt alle Leute ansprechen. Dass „Scream“ generell polarisiert, ist bekannt, aber für mich ist das einer der besten, wenn wohl nicht sogar der beste Film aller Zeiten. Er hat das Genre geprägt und ganz ehrlich, wer kennt den Film nicht oder zumindest den Spruch „Was ist dein Lieblingshorrorfilm?“ .

Du hast schon im Grundschulalter angefangen zu schreiben – auch da schon Krimi und Horrorgeschichten. Was war Deine Motivation und was fasziniert dich eigentlich an diesen beiden Genres?
Daniel: Ich habe schon immer gerne gelesen und Filme geschaut und mir oft vorgestellt, was ich in einem Film besser machen würde, habe Ideen gesammelt und irgendwann kam es dann, dass ich einfach mal angefangen habe, zu schreiben. Und seitdem, naja, kann ich kaum mehr aufhören.
Was die Genres angeht: vorhin habe ich schon kurz angedeutet: Ich mag Stories, bei denen man mitfiebern kann, bei denen man Gänsehaupt bekommt, angespannt ist und auch mal den ein oder anderen Albtraum bekommt.

Besonders gerne, wie man schon an dem Slasher-Genre merkt, mag ich es, wenn man selbst mitfiebern kann, wer der Killer ist. Das ist ja sowohl im Krimi als auch in vielen Horrorfilmen der Fall.

Bild: Abenthum

Doch dein Antrieb, Dinge zu veröffentlichen, ist ja eher gering. Wie kommt es, dass man von dir nur die vier Jahre alte Krimi-Reihe „Thlyer und Stoppe“ im Netz findet und sonst nichts? Andere Autoren legen sich ja früh schon eine Netz-Fangemeinde zu.
Daniel: Naja, ich bin 19 Jahre alt, und man muss ehrlich sein, Geschichten von einem 14, 15-Jährigen mögen ja nett sein, aber auf gar keinen Fall perfekt. Deshalb habe ich bisher wenig Präsenz im Netz, was meine Geschichten angeht. Ich schreibe mehr für mich allein, will mich weiterentwickeln und immer besser werden. Und erst wenn ich mit mir und meinen Geschichten zu 100 Prozent zufrieden bin, dann stelle ich sie auch online. Dabei habe ich zum Glück ein paar Bekannte, die sich ebenfalls fürs Schreiben begeistern und mit denen man arbeiten kann. Ich will mich erst richtig präsentieren, wenn ich mich und meine Projekte als perfekt ansehe.

Um kurz zu „Thyler und Stoppe“ zu kommen: Das ist ein Ermittler-Duo, ich habe dafür schon um die zwanzig Geschichten verfasst. Und sogar jetzt noch schreibe ich immer wieder die ein oder andere Folge, bis ich irgendwann vielleicht sogar eine komplette TV-Serie damit füllen könnte. Zum Test hatte ich einmal eine davon online gestellt.

Welche Konzepte und Geschichten schweben dir denn in nächster Zeit so vor? Immerhin ist das Ende von „Bloody Weekend“ offen. Das schreit ja nach einer Fortsetzung.
Daniel: Das ist richtig. Ich schreibe gerade das Skript zu „Bloody Weekend 2 – Amnesia“. Und dieses wird überraschen und zugleich auch schockieren. Ich bin zwar erst knapp bei der Hälfte des Skripts, aber eines kann ich schon sagen: Es wird den ersten Teil um Welten übertreffen. Es wird brutaler, spannender und überraschender. Zugleich schreibe ich aber den ersten Teil noch in ein richtiges Drehbuch um. Es wäre mein aller, aller größter Traum, wenn Bloody Weekend verfilmt werden würde. Dafür würde ich so ziemlich alles tun!!!

Für das Drehbuch baue ich auch neue Elemente und Personen in die Story ein, wobei das Ganze sehr aufwendig und auch nicht so leicht ist.

Was wird man von dir als nächstes lesen oder hören können? Kannst du uns einen Tipp geben?
Daniel: Ich habe gerade eine Kurzgeschichte zu Ende geschrieben, ein Liebesdrama.  In Bezug darauf weiß ich aber ehrlich gesagt noch nicht genau, wie es erscheinen soll. Ob als Hörbuch, eventuell auch als eBook oder vielleicht sogar verfilmt als Kurzgeschichte?

Desweiteren habe ich noch die ein oder andere Horrorgeschichte im Ärmel, die eigentlich nur noch veröffentlicht werden muss. Aber ich möchte aktuell mehr Arbeit in „Bloody Weekend“ und „Bloody Weekend 2 – Amnesia“ stecken als in alle anderen Projekte!

31.05.2012

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