Lieblingsfarbe? Natürlich Glitza!

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Tobbe (Mitte) mit seiner Band. In "Lieblingsfarbe Glitza" parodiert er die schwule Welt.
© Directors Cut

Tobbe, offen schwuler Hip-Hopper, findet eindeutige Worte. In den Songs seiner Band Directors Cut parodiert und kritisiert er die schwule Szene. Viele Jungs würden ihre Sexualität zu sehr glorifizieren, findet er.

Tobbe hat ganz schön tief in der schwulen Klischeekiste gewühlt: „Lieblingsessen Pizza, Lieblingskleidung Hipster, Lieblingsband Helene Fischer, Lieblingsfarbe Glitza.“ So stereotyp es klingen mag, das Fünkchen Wahrheit kann man dem Song seiner Band Directors Cut nicht absprechen.

Eine Parodie auf die Schwulenszene, die mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist. Tobbe darf das. Der Musiker ist selbst schwul. Vor lauter Ironie und Parodie darf man trotzdem nicht vergessen, dass er in gewisser Weise mit der Szene abrechnet.

Der schwulen Szene fehle es am „Dazwischen“

„Ich bin nicht damit einverstanden, wie viele Leute mit ihrer Sexualität umgehen. So richtig plakativ“, erklärt er. „Viele glorifizieren ihr Schwulsein total. Oder es ist gleich schmutzig.“ Ein Dazwischen, das gebe es kaum, findet er.

Genau diese Erfahrungen versucht er in seinen Texten zu schildern – und so zu kritisieren. „Komm zu uns in Club, wir wollen mal sehen, wer mehr säuft und dann, wer heißer dancet, wenn ‚das Rote Pferd‘ läuft“, kommt da etwa raus. Liest sich vielleicht nicht so schön, hört sich aber gut an.

Hip-Hop und Reggae: Directors Cut kann beides

Wenn Tobbe nicht gerade an den Texten oder Beats bastelt, arbeitet er als Sozial- und Erlebnispädagoge in Braunschweig. Dort leitet er auch ehrenamtlich eine Jugendgruppe für junge Schwule, die Naturfreundejugend.

Sehr Hip-Hop-lastig ist „Lieblingsfarbe Glitza“ geworden, das weiß der Frontmann der insgesamt sechsköpfigen Band. Da klang „Kontaktanzeige“ („Ich bin so circa zwischen 15 und 30, je nachdem, und meine Hobbys sind Musik und meine Freunde.“) noch deutlich mehr nach Reggae und Dancehall. „Wir haben dem Reggae nicht den Rücken gekehrt“, erklärt der 33-Jährige. In Zukunft wird Directors Cut in beide Richtungen gehen.

Der Szene mangele es an Vielfalt

Ein offen homosexueller Musiker, der schwule Themen in Hip-Hop, Rap und Reggae unterbringt. Nicht gerade diejenigen Stilrichtungen, die für ihre Schwulenfreundlichkeit bekannt sind. „Doch die deutsche Hip-Hop-Szene wandelt sich“, sagt Tobbe, „und auch auf Reggae-Festivals treten Bands auf, die das so sehen wie wir.“ Negative Erfahrungen habe er selbst, außer ein paar blöden Blicken, nie gemacht.

„Erst spielen wir ABBA-Hits und dann spielen wir Anfassen. Wenn du wen finden willst, dann musst du dich auch anpassen“, heißt es gleich zu Beginn von „Lieblingsfarbe Glitza“. Für das Problem, dass es seiner Meinung nach in der schwulen Szene an Vielfalt mangelt, hat Tobbe trotzdem keine Lösung. Es stört ihn einfach, wenn die Sexualität das einzige ist, wodurch sich jemand definiert. Und solange das so bleibt, wird er das in seinen Songs behandeln.


Directors Cut sind dieses Jahr auf Tour:

5. Mai – Hamburg – Knust (Vorprogramm von Jamaram)
26. Mai – Dortmund – Ruhr Reggae Summer Festival
27. Mai – Chemnitz – Fuego a la Isla
28. Mai – Leipzig – Four Rooms
18. Juni – Lüneburg – Stadtfest
17. Juli – Hildesheim - Weedbeat

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Artikel veröffentlicht: 16.04.2016
Bildquellen: Directors Cut