ESC: Das sind die Favoriten

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Der Favorit: Sergei Lasarew.
© Thomas Hanses (EBU)

Millionen Zuschauer in der ganzen Welt werden den Grand Prix verfolgen. Es gibt einen Favoriten, doch der wird es schwer haben. Und wie groß sind die Chancen für Deutschland?

Wenn es beim diesjährigen Eurovision Song Contest einzig um die Bühnenshow gehen würde, dann würde der Russe Sergei Lasarew wohl gewinnen. Zugegeben, die 3D-Projektionen sind seit Måns Zelmerlöw im letzten Jahr keine neue Idee mehr. Dennoch liegt der 33-Jährige mit seinem eher konventionell-typischen, aber eingängigen Song „You Are The Only One“ laut Kritikern und Wettbüros ganz vorne.

Doch der Russe ist nicht der einzige Favorit des Abends. Der Franzose Amir liefert mit „J’ai cherché“ einen Gute-Laune-Song, der Frankreich zum ersten Mal seit 1977 wieder gewinnen lassen könnte. Amir, Sohn jüdischer Eltern aus Marokko und Tunesien, hat mit dem selbst geschriebenen Song die Charts seiner Heimat schon erobert. Damit ganz Europa für ihn votet, singt er die Strophen auf Englisch und Französisch. Den Refrain („Juu-uu-uu“) musste er zum Glück nicht umschreiben.

Außenseiterchancen hat auch Frans. Der schwedische Teenager, gerade einmal 17 Jahre alt, könnte den ESC für sein Eurovision-verrücktes Land gewinnen. Das Lied „If I Were Sorry“ ist außergewöhnlich und so gar nicht ESC-typisch. Es ist eine Ballade, die aber gar nicht als solche daherkommt. Seine Bühnenshow ist schlicht, ruhig und lässt dem Sänger – inklusive blauen Augen und Zahnpastalächeln, worauf die Kamera besonders oft zoomt – den Vortritt. Frans startet nach der Dance-Nummer aus Bulgarien und vor Deutschland, sein Song ist wohl einer derjenigen, die definitiv herausstechen.

© Andres Putting (EBU)
Das politischste Lied dieses ESCs hat durchaus Chancen auf einen Spitzenplatz.

Das politischste Lied dieses ESCs hat durchaus Chancen auf einen Spitzenplatz.

Auffallen wird auch Jamala. Die Ukrainerin singt in „1944“ über die Deportation ihrer Großmutter unter Stalin. Was sich natürlich als Anspielung auf die aktuellen Ereignisse in ihrer Heimat interpretieren lässt, zumal sie Teile des Songs auf Krimtatarisch singt. Die Sängerin hat eine großartige Stimme, die zu den modernen Discobeats passt. Zumindest aus Russland darf Jamala jedoch keine Punkte erwarten. So politisch ist der ESC dann doch.

Gute Chancen könnte auch Iveta Mukuchyan aus Armenien haben. Sie hat alles, was eine aufwändige ESC-Show braucht: Windmaschine, Pyrotechnik, sexy Kleid – und natürlich einen dramatischen Song mit bekanntem Spannungsbogen.

Wenn es nach den Stockholmer Zuschauern beim Public Viewing des zweiten Semifinales geht, dann sollten wir auch die Bulgarin Poli Genova auf dem Schirm haben. Dort wurde sie lauter bejubelt und gefeiert als alle anderen Teilnehmer. Sie zählt zwar nicht zu den Favoriten der Kritiker, doch ihr „If Love Was A Crime“ ist ein tanzbarer Ohrwurm. Nicht zu vergessen der Subtext ihrer Lyrics: Homosexuelle Liebe ist zwar in keinem der ESC-Länder strafbar, leicht haben es Schwule in Russland, Georgien oder Aserbaidschan dennoch nicht.

© Thomas Hanses (EBU)
Jamie-Lee wird wohl nicht auf den ersten Plätzen landen, aber gutes Mittelfeld ist drin.

Jamie-Lee wird wohl nicht auf den ersten Plätzen landen, aber gutes Mittelfeld ist drin.

Zwischen den zwei Favoriten Schweden und Frankreich tritt Jamie-Lee für Deutschland auf. Kein einfacher Startplatz. Und weder Kritiker noch Wettbüros sehen die 18-Jährige auf den ersten Plätzen. Doch die Sängern im Manga-Style hat sich in Stockholm wunderbar nonchalant und sympathisch präsentiert. Gutes Mittelfeld für die „The Voice“-Gewinnerin.

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Artikel veröffentlicht: 14.05.2016
Bildquellen: Thomas Hanses (EBU), Andres Putting (EBU)