Buchtipp

So geht queer sein

Brauchen Schwule eine Gebrauchsanleitung? Nein, aber eine Hilfestellung auf dem Weg zu einer selbstbewussten schwulen Identität ist sehr wertvoll. Genau die hat James Dawson geschrieben.

"How to be gay" beantwortet all die vielen Fragen, die junge Menschen haben, wenn sie glauben, nicht hetero zu sein.

"How to be gay" beantwortet all die vielen Fragen, die junge Menschen haben, wenn sie glauben, nicht hetero zu sein.

Bild: S. Fischer Verlag

Es ist eine faszinierende, riesige Welt, die sich einem öffnet, wenn man LGBTIQ* ist. James Dawson bezeichnet diese Welt in seinem Buch immer als exklusiven Club, zu dem eben nicht jeder Zutritt erhält. Doch bis es so weit ist und man sich tatsächlich als vollwertiges Mitglied in diesem Club fühlt, ist es ein weiter Weg.

Ganz am Anfang steht natürlich die Frage, wie man überhaupt merkt, dass man nicht heterosexuell ist. Dawson spielt mit den Lesern das „Etikettenspiel“ und erklärt alle sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten. Na, dann kann es ja weitergehen, ab zum LGBTIQ*-Clubhaus.

Echte Geschichten ergänzen die Theorie

Der führt über einen kurzen biologischen Abriss über Klischees schließlich hin zu den weniger schönen Teilen: Angst und Hass, der nicht-heterosexuellen Jugendlichen oft begegnet. Doch auch hier schafft es James Dawson, mit seiner direkten, unverblümten Sprache genau den richtigen Ton zu treffen. Er motiviert, macht Mut und bestärkt die jungen Leser auf ihrem Weg. Besonders hilfreich ist dabei die direkte Ansprache: Es fühlt sich an, als würde James Dawson mit einem selbst sprechen.

Anschaulich und authentisch machen das Buch die vielen kurzen, manchmal längeren, Zitate und Erfahrungsberichte. Um die Stimmen von LGBTIQ*-Menschen einzufangen, ist der Autor durch Europa und die USA gereist. Was er möglichst anschaulich und allgemein erklärt, bekommt hier die ganz praktische, aus dem Leben gegriffene Entsprechung.


Die Zeichnungen lockern das Buch auf und machen es noch ansprechender.

Die Zeichnungen lockern das Buch auf und machen es noch ansprechender.

Bild: Spike Gerrell S. Fischer Verlag

Eine altersgerechte Antwort auf die vielen Fragen

Die Stimmen und Eindrücke dienen als Vorbild, aber auch als Medium, mit dem man sich identifizieren kann: Wow, so viele Menschen haben dieselben Gefühle, Gedanken, Ängste, Hoffnungen, Erfahrungen wie ich.

In „How to be gay“ wird kein Thema ausgelassen. Es geht weiter mit dem Coming-out, den Chancen, aber auch Risiken, die dieser Schritt mit sich bringt. Wie lernt man Gleichgesinnte kennen? Und schließlich: Wie klappt’s auch im Bett? All das sind Fragen, die queere Jugendliche sich stellen, und auf die sie endlich eine altersgerechte Antwort erhalten. Außerdem werden am Ende hilfreiche Adressen genannt, die für die deutsche Ausgabe eigens angepasst wurden.


Der Autor will den Jugendlichen das Leben leichter machen – mit Erfolg

Abgerundet wird das Buch von einem kleinen Spickzettel mit den wichtigsten Begriffen: Von 69 über Gleitgel und Klitoris bis Vorhaut. Dazu gibt es noch ein „Kleines Lexikon der großen Schwulen- und Lesbenikonen“. Was für eine großartige Idee: Da dürfen natürlich David Bowie, Tom Daley, Beth Dito oder Bette Midler nicht fehlen. So lernt auch der queere Nachwuchs, wofür und weshalb die alten Hasen für diese Ikonen schwärmen.

„How to be gay” ist für den nicht immer einfachen Weg zu einer queeren Identität ein großartiger Begleiter. Es hilft bei allen Geheimnissen, Schwierigkeiten und Herausforderungen, welche die LGBTIQ*-Mitgliedschaft so mit sich bringt. Dawson findet klare, einfache Worte, schreibt teils amüsant, teils ironisch, ohne aber sein Ziel aus den Augen zu verlieren: Er will jungen LGBTIQ*-Menschen das Leben leichter machen. Er will ihnen Orientierung bieten.


Was alles nicht schwul macht...

Was alles nicht schwul macht...

Bild: Spike Gerrell S. Fischer Verlag

Auch Heteros können daraus lernen

Genau das schafft er. Und, anders als der Titel vermuten würde, spricht er nicht nur lesbisch, schwul und bi an, sondern behandelt auch ausführlich das Thema trans* und ein kleines bisschen auch Intersexualität. Immerhin hat sich die Autorin erst im Oktober als trans* geoutet.

Bis zuletzt bestand sie aber noch auf das männlichen Pronomen sowie seinem Namen James. „Du würdest auch einen Schmetterling nicht Schmetterling nennen, wenn er noch nicht geschlüpft ist“, erklärte er im Interview mit Buzzfeed. Doch das ist Geschichte: Ab sofort lebt die Autorin als Juno Dawson. „How to be gay“ jedenfalls ist eine Pflichtlektüre für alle Jugendlichen. Denn auch Heteros können so einiges daraus lernen.


James Dawson
HOW TO BE GAY
Alles über Coming-out, Sex, Gender und Liebe
Taschenbuch
ISBN: 978-3-7335-0092-4
Preis € (D) 9.99
S. Fischer Verlag


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28.12.2015  | Bild: © S. Fischer Verlag/Spike Gerrell

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