Portraits über das Leben in Regenbogenfamilien

Daniel Kosic Von Daniel Kosic
Der 10-jährige Gus fragt sich, wann ein Mann eigentlich „männlich“ ist: Wenn er ein Einzelkämpfer ist? Wenn er anders redet? Oder etwa wenn er große Muskeln hat?
© Rise and Shine Cinema

In die Pubertät zu kommen ist sicherlich immer eine Herausforderung - wenn man in einer Regenbogenfamilie aufwächst, braucht man noch mehr starke Nerven. Die Filmemacherin Maya Newell bringt die persönlichen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten beispielhaft auf den Punkt.

Passen Glaube und Homosexualität zusammen? Wann ist ein Mann eigentlich „männlich“? Wieso haben so viele Menschen ein Problem damit, wenn sich zwei Frauen lieben? Diese und viele weitere Fragen stellen sich Matt, Gus, Ebony und Graham tagtäglich. Sie sind allesamt Kinder in verschiedenen Regenbogenfamilien und für ihr Alter ausgesprochen klar und selbstreflektiert. Regisseurin Maya Newell, die selber Tochter zweier lesbischer Mütter ist, hat die Vier einige Zeit durch ihren Alltag begleitet und präsentiert nun der Öffentlichkeit ausgewählte Szenen aus dem Leben der „Gaybys“.

Die Zuschauer bekommen dabei die Perspektive der Kinder selbst vorgehalten - unabhängig von Politik und hitzigen Debatten in Talkshows wird das sensible Thema näher belichtet. So kommen sie im Film auch regelmäßig persönlich zu Wort und sprechen dabei einerseits über ihre teilweise eher altersuntypischen Sorgen und Probleme, aber eben auch über all das, was sie in ihrer Familienkonstellation besonders glücklich macht.


Die Botschaft ist wichtig

„Gayby Baby“ ist durch ein Crowdfounding-Projekt finanziell ermöglicht worden und wird sogar in einigen australischen Schulen aufgeführt. Newell war es von Anfang an wichtig, dass der Film gerade bei jungen Menschen eine Botschaft transportieren kann: nämlich jene von gegenseitiger Toleranz und Respekt gegenüber Regenbogenfamilien.

Dazu portraitierte sie vier Familien mit den unterschiedlichsten Herausforderungen, um so eine möglichst große Bandbreite an Problemen zeigen zu können. Das Spektrum reicht von Glaubenskonflikten bis hin zum schwierigen Prozess der Selbstverwirklichung eines Kindes.

© Rise and Shine Cinema
„Ist es nicht eigentlich komisch gläubig zu sein, wenn man als Frau eine Frau liebt?“ Matt ist im Konflikt mit sich selbst.

„Ist es nicht eigentlich komisch gläubig zu sein, wenn man als Frau eine Frau liebt?“ Matt ist im Konflikt mit sich selbst.

Authentisch aber langatmig

Nur an wenigen Stellen wird dabei jedoch illusorisch erwähnt, wie „normal“ eine solche Konstellation in der heutigen Zeit sei. Die Regisseurin setzt stattdessen auf bittere Fakten und offenbart die gesonderten Bredouillen von Regenbogenfamilien. In streng auserlesenen Szenen wird die Verzweiflung der Elternpaare gezeigt - im Vordergrund stehen dabei jederzeit die sich daraus ergebenden sozialen Konflikte der vier Kinder. Durch die gefilterte Auswahl bleiben spannende Hintergrundgeschichten aber leider komplett aus.

Newell rückt auf Kosten der Spannung nicht von der wichtigen Botschaft ab und entscheidet sich so bewusst für einen puristischen Film ohne Nebenhandlungen. Dennoch entsteht trotz der gezielt gezeigten Szenen nicht der Eindruck von gewollter Manipulation oder gar Zensur. Insgesamt schafft „Gayby Baby“ es durch und durch authentisch und natürlich zu bleiben - das ist insbesondere den gelungenen Kinder-Interviews zu verdanken.

Wer sich also mit dem hochaktuellen und kontrovers diskutierten Thema Regenbogenfamilien näher auseinandersetzen mag, ist mit dem Film bestens bedient. Zwar ist er kein dramaturgisches Kino-Highlight mit Spezialeffekten und ausgeklügelter Handlung, kann dafür aber umso mehr durch seine ehrlich-dokumentarische Art punkten.

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Artikel veröffentlicht: 24.06.2016