"Jonathan": Liebe bis zuletzt

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Jonathan verzweifelt an der Lüge seines Vaters.
© Jeremy Rouse

Jonathan pflegt seinen sterbenskranken Vater. Doch als dessen Jugendfreund Ron auftaucht, fühlt er sich bedroht. Denn die beiden haben ein Geheimnis, das Jonathans Leben und die Beziehung zu seinem Vater für immer verändert.

Jonathan (Jannis Niewöhner) lebt auf dem Bauernhof seiner Familie. Der Hof ist sein Leben, doch vor allem bleibt er für seinen Vater Burghardt (André M. Hennicke) dort. Er hat Krebs, es geht ihm immer schlechter, sein Sohn kümmert sich hingebungsvoll um ihn.

 So nahe sich Vater und Sohn auch sind, so schwierig fällt es Burghardt, über die Vergangenheit zu reden. Jonathan fragt nach seiner Mutter, die bei einem Unfall gestorben ist, doch Burghardt blockt nur ab.

Jonathan trifft Martha: Liebe auf den ersten Blick

Im Bauernhof ist es dunkel, Schatten verhindern eine eindeutige Sicht auf die Dinge, es herrscht Chaos, die Farben grau und beige dominieren: So spiegelt sich die Kulisse wider in den Charakteren. Der Staub, der auf im Heulager aufgewirbelt wird, bedeckt die Familie schon lange. Da sind Geheimnisse, die sich langsam lüften. Das spürt auch Jonathan.

  • © Farbfilm Verleih
  • © Farbfilm Verleih
  • © Farbfilm Verleih
  • © Farbfilm Verleih
  • © Farbfilm Verleih
  • © Farbfilm Verleih
  • © Farbfilm Verleih
  • © Farbfilm Verleih

Ein Lichtblick für ihn ist die Pflegerin Anka (Julia Koschitz), die von Burghardts Schwester Martha (Barbara Auer) eingestellt wird. Von der ersten Sekunde an knistert es zwischen ihr und Jonathan. Liebe auf den ersten Blick.

Alles ändert sich, als Ron den sterbenskranken Burghardt besucht

Das Krankenhaus, in das Burghardt bald eingeliefert wird, könnte kein größerer Kontrast zum Bauernhof sein: Kahl, weiß, hell, steril. Er fühlt sich dort nicht wohl, er hat seinen Kampf gegen den Hautkrebs schon aufgegeben, nur sein Körper macht noch weiter.

Das ändert sich erst, als sein Jugendfreund Ron (Thomas Sarbacher) ihn in der Klinik besucht – was Anka für Jonathan ist, das ist Ron für Burghardt: Willkommene Ablenkung und große Gefühle. Bis Ron jedoch auftaucht, dauert es zu lange: Die Handlung kommt zuvor nur langsam in Fahrt, es passiert zu wenig, die Romanze zwischen Jonathan und Marhta ist zu vorhersehbar und klischeehaft.

© Jeremy Rouse
Ron ist nicht irgendein Freund von Burghardt. Die beiden haben sich immer geliebt.

Ron ist nicht irgendein Freund von Burghardt. Die beiden haben sich immer geliebt.

Die Liebe siegt über die Enttäuschung

Dann jedoch zeigt „Jonathan“ von Regisseur Piotr J. Lewandowski, der auch das Drehbuch schrieb, seine Stärke. Es beginnt ein Konflikt zwischen Jonathan und Ron, der ihn als Eindringling sieht und befürchtet, durch ihn ersetzt zu werden.

Die Zuschauer werden in die Auseinandersetzung hineingesogen, sie wühlt auf, und Jannis Niewöhner als Jonathan spielt so kraftvoll und intensiv, dass wir mitleiden. Die Stimmung wandert auf dem schmalen Grat zwischen Mitleid mit Burghardt und Mitgefühl für Jonathan, der Film zwingt uns, selbst Stellung zu beziehen, und hallt so lange nach.

Denn eine Mischung aus Verzweiflung, Wut und Trauer macht sich in Jonathan breit, als er erfährt, dass Ron nicht nur ein harmloser Jugendfreund seines Vaters ist. Er hat ihn angelogen, das verletzt ihn. Aber er muss schmerzlich erfahren, dass die Liebe zum Vater größer ist, als es jede Enttäuschung sein könnte.

Kommentare
Kommentare werden geladen
dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Artikel veröffentlicht: 05.10.2016