Im Kino: Vier werden Eltern

Daniel Kosic Von Daniel Kosic
Sebastian und Thomas mit dem kleinen Lucas im ersten gemeinsamen Urlaub
© Wfilm

Regenbogen- und Kleeblattfamilien sind vielen ein Begriff. Wenn sich dann aber auch noch beides miteinander verzahnt, kann das durchaus Aufsehen erregen. Filmemacherin Eva Maschke dokumentiert die außergewöhnliche Geschichte der Paare Sebastian und Thomas sowie Cindy und Josefin. Ein Film über zwei Frauen, zwei Männern und zwei Babys.

Zwei homosexuelle Paare mit wenigen Gemeinsamkeiten. Die einen leben im Westen Berlins, die anderen im Osten. Das eine Paar ist schwul, das andere lesbisch. Was sie aber verbindet, ist der sehnliche Wunsch nach eigenen Kindern - und zusammen kann man nunmal mehr erreichen.

Eva Maschke erzählt in der intimen Special-Interest-Doku „Vier werden Eltern“ von der speziellen Konstellation der beiden Paare. Sie kriegen zu viert den kleinen Lucas und später noch das zweite Baby, Helene. Dabei gilt es, an einem Strang zu ziehen und gemeinsam die  unterschiedlichen Lebensbereiche zu meistern. Was andere Menschen alleine oder zu zweit regeln, geschieht hier stets zu viert.

Der ganz normale Wahnsinn

Sei es der tägliche Gang zur Kita und zurück, das Spielen zu Hause oder das Füttern - alles muss geplant und miteinander abgesprochen werden. Mal übernachtet der Kleine bei den Papas und mal bei den Mamas. Neben den zwei unterschiedlichen Familien gibt es aber eben auch noch das „wir“ - den Verbund der vier Eltern. Dass das tatsächlich funktioniert, beschreibt die Doku trotz ihrer relativen Kürze von rund 53 Minuten recht eindringlich.

© Wfilm
Weihnachten bei den zwei Paaren und ihren zwei Kindern.

Weihnachten bei den zwei Paaren und ihren zwei Kindern.

Im Endeffekt möchte die Filmemacherin und zugleich Tante von Lucas schlichtweg aufzeigen, dass auch eine solch kunterbunte Familie den alltäglichen Hürden ausgesetzt ist. Auch zu viert bestehen die gleichen Sorgen und Ängste. Gleichzeitig streben alle nach dem Wohl der Kinder. Anders ist eben nur die teilweise sehr komplexe Organisation, der zusätzliche juristisch-bürokratische Teil und die oftmals fehlende gesellschaftliche Akzeptanz.

Ehrlich und informativ

„Vier werden Eltern“ lebt von der Komposition liebevoll ausgewählter privater Familienfotos und dem chronologischen Geschehen in den beiden Berliner Haushalten. Trotzdem liefert die Doku etliche kleine Überraschungen und weiß insbesondere mit ihrer Ehrlichkeit und ihrem Humor im Sprechertext zu punkten.

Sebastian, Thomas, Cindy und Josefin machen kein Geheimnis aus ihren Sorgen um die gesellschaftliche Zukunft der Kinder und verschönen die Tatsachen trotz der anwesenden Kamera nicht. Der Film liefert nicht zuletzt deshalb auch ein gutes Fundament für massig Gesprächsstoff. Sehenswert ist die persönliche und sympathische Doku jedenfalls allemal.


"Vier werden Eltern": Berlin-Premiere mit Regisseurin Eva Maschke und den Protagonistinnen und Protagonisten
Freitag, 2. September, Babylon, 20 Uhr
Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 Berlin
Tickets über die Kinokasse oder online

Weitere Filmvorführungen im Babylon ab 3.9.
Termine und Uhrzeiten unter: www.babylonberlin.de

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Artikel veröffentlicht: 02.09.2016