Geteilte Kirche
Homosexualität beschäftigt nicht nur die römisch-katholische Kirche. Im Gegenteil: auch die Anglikanische Kirche plagt sich gerade mit diesem Thema. Ein schwuler Bischof – ob das gut gehen kann? Unter den Gläubigen bahnt sich eine Krise an.
Damit hat Gene Robinson wohl nicht gerechnet, als er im März
vergangenen Jahres seine Investitur zum neuen Bischof von New Hampshire
gefeiert hat. Ab sofort war er ein hohes Tier in der Episkopalkirche
der Vereinigten Staaten, ein Mann mit viel Verantwortung und
Repräsentativität gegenüber den 2,3 Millionen Christen in den USA, die
den Episkopalisten angehören. Dass er innerhalb der
Glaubensgemeinschaft polarisieren würde, damit hat Robinson gerechnet.
Schließlich bekannte er sich von vorneherein offen zu seiner
Homosexualität und stieß damit nicht immer auf Zustimmung. Trotzdem
glaubte er sich stark in seinem Amt, zählte auf den Zusammenhalt seiner
Kirche. Doch das, was viele Beobachter befürchtet haben, trat ein. Ein
Streit zwischen Befürwortern und Gegnern, die einen setzten sich für
Robinson ein und die anderen distanzierten sich strikt von ihm und
seiner Lebenseinstellung. Nicht zuletzt deshalb befindet sich die
Episkopalkirche nun in einer Krise, aus der sie so leicht nicht wieder
herauskommen kann.
Streit über Homosexualität habe „das Gefühl geschwächt“Nun steckt man also in der Krise, und guter Rat ist teuer. Auf einer Versammlung von 35 Bischöfen am Donnerstagabend in Nordirland beschloss man, dass sich die Anglikanische Kirche und die Episkopalkirche, eine Untergruppe, auf einem Treffen im Juni dringend über ihre Haltung zum Thema Homosexualität austauschen müssten. Bis dahin soll es ein Moratorium geben, das sich auf die öffentliche Einsegnung gleichgeschlechtlicher Paare und auf die Einsetzung von Bischöfen erstreckt, „die in einer sexuellen Beziehung außerhalb der christlichen Ehe leben.“
Tief scheint er also zu sein, der Spalt durch die Glaubensgemeinschaft.
So tief, dass sich sogar der Erzbischof von Canterbury Rowan Williams,
das geistige Oberhaupt der anglikanischen Kirche, zu Wort meldete. Der
Streit über die Homosexualität habe „das Gefühl geschwächt“, sagte er
am Donnerstag Abend, „wenn nicht sogar zerstört, dass wir innerhalb der
anglikanischen Gemeinschaft wirklich die gleiche Sprache sprechen.“Harte Worte, die Frank Griswold allerdings nicht aus der Fassung bringen können. Griswold ist der oberste Bischof der Episkopalkirche, und blickt optimistisch in die Zukunft. Für ihn sind die Worte aus Nordirland keineswegs negativ. Schließe bringe man den tiefen Wunsch zum Ausdruck, die anglikanische Gemeinschaft trotz der tiefen Differenzen zu erhalten. Wie der Streit im Juni ausgehen wird, bleibt abzuwarten.
Quelle: yahoo News




