Homosexualität in Arabien

Homosexuelle in arabischen Staaten haben ein schweres Leben. Nicht nur sind sie staatlich geächtet, sondern werden auch von privaten Killerkommandos verstümmelt oder getötet.


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Homosexuelle in arabischen Staaten haben ein schweres Leben.
Angst, ständige Angst – damit muß man als homosexueller Jugendlicher oder Mann in der arabischen Welt leben. Angst nicht nur vor schlimmen Worten, nein Angst um die eigene Gesundheit und das nackte Leben prägt das Leben von Homosexuellen in den Staaten dieser Weltregion. So wird man als Schwuler im Irak von schiitischen Milizen zu Tode gefoltert oder in Saudi-Arabien ausgepeitscht.

Kleine schwullesbische Bewegung im Libanon

Ursache für diese Zustände mag auch die dort herrschende Gesellschaftsform sein. Denn im Orient sind patriarchalische Gesellschaften bis heute Realität.


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Homosexuelle Liebe ist in vielen arabischen Ländern verboten.
Diese werden dort wohl noch lange das herrschende Weltbild prägen. So bleiben Lesben weiterhin ein Tabu, über das man selten öffentlich spricht, genauso wie der Sex zwischen Männern strafbar bleibt. Auch im Libanon   - das einzige Land, in dem ein paar Schwule und Lesben öffentlich zu ihrer Orientierung stehen und in dem es eine kleine schwullebische Bewegung gibt - verbietet das Gesetz Schwulen den Geschlechtsverkehr. Das Strafmaß für solche Fälle bewegt sich zwischen einer minderen Geldstrafe und einem Jahr Haft.

In Syrien liegen die Haftstrafen für „schamloses Verhalten“, was mit Homosexualität gleichzusetzen ist, bei bis zu drei Jahren. Dort existiert aber auch eine Internetseite, die sich mit schwulen und lesbischen Themen offen auseinandersetzt. Auch eine strafrechtliche Verfolgung findet in den letzten Jahren hier kaum noch statt.


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Hintergrund der Ablehnung von Homosexualität sind zumeist religiöse Argumente.
Religion prägt Ablehnung von Homosexualität

Hintergrund der Ablehnung von Homosexualität durch Araber sind zumeist religiöse Argumente – unabhängig von dem jeweiligen Glauben, denn auch Angehörige der christlichen Minderheit bringen diese vor.

Für muslimische Wortführer sind die Ursachen der Homosexualität auch ganz klar. „ Das Phänomen der Homosexualität hat sich nach dem Einmarsch der amerikanischen Besatzer unter den jungen Männern in allen Regionen unseres Landes verbreitet und wir sagen zu ihnen, mit eurem Benehmen bringt ihr Schande über uns“, lässt Scheich Hassan al-Asar die Gläubigen wissen, die in der voll besetzten Kufa-Moschee weilen. Es sind tausende Moslems, die den Worten von Al-Asari, der zu den Vertrauten des radikalen Predigers Muktada al-Sadr zählt, folgen.

Killerkommandos quälen, verstümmeln und töten schwule Iraker

Die Folgen des religiös verbrämten Hasses, der sich gegen Schwule richtet, hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch im August 2009 in einem eigenen Bericht präsentiert. Unter dem Titel „Sie wollen uns ausrotten“ erzählen Homosexuelle aus dem Irak von Killerkommandos, die Schwule quälen, verstümmeln und töten. Dabei kommt es auch immer wieder zu sexuellen Übergriffen.

Die Vergewaltigung der schwulen Opfer durch die maskierten Täter scheint im ersten Moment unlogisch. In der Türkei und in der arabischen Welt wird aber immer wieder von Männern die These vertreten, dass homosexuell und „verweiblicht“ nur derjenige Mann sei, der beim gleichgeschlechtlichen Sex „passiv“ ist. Der „Aktive“ aber werde seiner Männlichkeit nicht verlustig. Diese Denkweise ist in der Türkei sogar offiziell, denn dort gilt als „homosexuelle“ nur derjenige, der beim Sex mit einem anderen Mann nachweislich „die passive Rolle übernommen hat“ - was den Ausschluß vom Wehrdienst zur Folge hat.

Schutz traditioneller Werte als Kampf gegen Homosexualität

Insgesamt tut man sich im Orient überhaupt schwer Homosexualität an sich beim Namen zu nennen. Dies hat Tradition, denn auch im Koran wird Homosexualität nur indirekt als „Schandarbeit“ angesprochen.Die vorherrschende Tabuisierung sorgt dafür, daß bis heute vorwiegend Schimpfwörter verwendet oder von „anormalen Verhalten“ gesprochen wird.

Bis zu drei Jahren Haft für solche „anormalen sexuellen Beziehungen“ droht gleichfalls in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Dort begann die Polizei 2009 mit einer Kampagne gegen Homosexualität. Dafür verwendete man das Motto „Lasst uns die traditionellen Werte unserer Gesellschaft schützen!“ Auch das Tragen von Frauenkleidern ist Männern in den VAE untersagt. Ausländer wurden für dieses Verbrechen bereits ausgewiesen.


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Die „Töchter des Scheichs“

Ebenso in Saudi-Arabien. Dort kann das Tragen von Frauenkleidern von Männern schwere Konsequenzen haben. Zwar bezeichnet man dort einen solchen Mann als „Tochter des Scheichs“, allerdings wertet man dies als „Zurschaustellung von Homosexualität“, was für 67 Philippinos, die als Gastarbeiter in Saudi-Arabien aufhielten, Folgen hatte. Generell wird dort aber zwischen dieser Zurschaustellung und homosexuellen Handlungen unterschieden. Letztere werden mit dem Tode bedroht, mildere gerichtliche Urteile sprachen aber auch Haftstrafen aus oder sahen Peitschenhiebe vor. Zuletzt scheinen 2008 zwei saudische Schwule hingerichtet worden zu sein. Ein Jahr davor waren zwei Schwule mit 7.000 Peitschenhieben bestraft worden.

Allerdings darf man nicht übersehen, dass auch im islamischen Kulturkreis Homosexualität seinen Platz hatte und hat. Natürlich gibt es dort auch Prominente, seien es Politiker, Schauspieler oder bildende Künstler, deren Homosexualität mehr oder minder ein offenes Geheimnis ist. Ein Outing würde für sie aber mindestens Belästigung sowie strafrechtliche Verfolgung bedeuten. Gerade in Saudi-Arabien existiert so noch immer eine schwule „Untergrund-Kultur“ und auch generell sollen Veränderungen an der Einstellung junger Muslime feststellbar sein. Inwieweit dies aber mit der Studie aus Deutschland vereinbar ist, in der türkisch stämmige Jugendliche zu 78,9 Prozent zwei sich küssende Männer  als „abstoßend“ bewerteten, sei dahingestellt.


Links zum Artikel

Meldung über Bestrafung zweier Schwuler mit 7.000 Peitschenhieben»
Artikel über Homosexuelle in Saudi-Arabien»
Dossier über die Ächtung Schwuler in Arabien»
Die Simon Studie aus Berlin»
Artikel über den Umgang von Homosexualität im Islam»