Verqueerte Provinz

Das Lambda-Sommercamp ist seit Jahren für viele schwule, lesbische, bisexuelle und transidente Jugendliche ein fester Urlaubstermin. Mitten der thüringischen Provinz  genießen sie eine Woche lang das Lambda-Feeling. dbna war dabei.


© Samy Kangas
Kennenlernen mal anders: Die Kleiderkette war eines der Begrüßungsspiele im Sommercamp. Die Gewinner setzen sich nicht mit nackter Haut, sondern mit Kreativität durch.
Wer in Google Maps nach “Deutschland” sucht und mit dem Mausrädchen etwas zoomt, wird mitten in Thüringens Waldgebieten landen, fernab einer Großstadt. Nicht unbedingt ein Ort, in dem schwule, lesbische, bisexuelle und transidente Jugendliche ihren Urlaub verbringen wollen, möchte man meinen. Aber genau hier, mitten im vermeintlichen Nirgendwo, treffen sich einmal im Jahr queere Jugendliche aus ganz Europa und dem Nahen Osten.

Seit 1996 findet die jährliche Sommerfreizeit des Jugendnetzwerks Lambda im kleinen 300-Einwohner-Dörfchen Lützensömmern statt. In diesen 15 Jahren änderte sich für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transidente viel auf dieser Welt: angefangen von der Entkriminalisierung bis hin zu den Partnerschaftsgesetzen in vielen europäischen Ländern. Nur hier im Grünen blieb fast alles beim Alten - und das ist auch gut so! Denn hier treffen sich jährlich etwa siebzig bis hundert Teilnehmer aus verschiedenen Ländern, um miteinander zu spielen, zu lachen, und um in verschiedensten Workshops zusammenarbeiten. Und - ganz wichtig - abends gemeinsam zu feiern.


© Samy Kangas
Das wohl queerste Zeltlager des Sommers: Im Lambda-Sommercamp waren 70 Jugendliche aus verschiedenen Ländern zu Gast.
Das war auch schon so, als ich vor zwei Jahren das erste letzte mal hier war. Heute stehe ich ein wenig schüchtern und verdutzt neben meinem Zelt. “Hmm”, denke ich mir, “irgendwie hat sich doch echt viel geändert hier. Habe ich mich so sehr geändert, oder das Camp..?”

Am Ende waren es wohl wir beide. Die Jugendleiter der Vorjahre verabschiedeten sich im letzten Jahr und viele Teilnehmer gleich mit ihnen.. Damit sank das Durchschnittsalter der Betreuer auf einen Schlag um etwa zehn Jahre -  So zog nun wahrlich frischer Wind durchs Camp, für mich erst recht kühl, aber nach ein paar Tagen zog ich meine Mundwinkel wieder höher und sagte: “Hey, eigentlich ist alles so cool wie immer”.

Volles Programm: Die Workshops

Zeitgeist durchzog die Workshops, die den Teilnehmern viele spannende Nachmittage bescherten. Ein Chor brachte es in diesem Jahr nicht bis zu einem Auftritt auf der Abschiedsgala. Dafür fand ein “Glee”-Workshop viele begeisterte Anhänger: Alte und neue Hits wurden im Stil der berühmten Fernsehserie auf der Bühne performt. Eine andere Gruppe hatte es sich zur Aufgabe gemacht, queere Musik aus den verschiedenen Herkunftsländern der Camper auszuwählen und zu spielen. Aber bei den beiden Disconächten setzten sich dennoch Lady Gaga und die Black Eyed Peas durch. Die ganze Discomeute tanzte jetzt ausgelassen - auf Kosten der Nerven so mancher Dorfbewohner in der Nachbarschaft…

Auch Falk Steinborn vom Verein queerblick e.V. produzierte in diesem Jahr wieder queere Kurzfilme mit einigen Teilnehmer, angefangen von einer lesbischen Ninja-Geschichte, über Pansexualität bis zu einer wundersamen Maschine namens „Straightdar“ (siehe Video).



Kurzweilig ging es nicht nur auf dem Gelände der Zeltstadt zu: Die Tagesausflüge nach Weimar und in den Nationalpark Hainich waren wieder sehr gefragt. Auch wenn es an letzterem Ausflugsziel vereinzelte Kritik gab. “Der Baumkronenpfad? Vor Ort fand ich das nicht mehr so spannend. Wir in Finnland haben noch viel mehr hohe Bäume!”, stellt eine Teilnehmerin fest.Weiterhin wurde ein Besuch im KZ Buchenwald angeboten. Hierfür bereitete die israelische Delegation eine bewegende Zeremonie vor. Und seit fünf Jahren gibt es übrigens auch hier einen Gedenkstein für die ermordeten Homosexuellen in der Zeit des NS-Regimes.

Und was blieb am Ende? Viel mehr als ein bewegter (teilweise tränenreicher) Abschied von neuen Freunden.

Wieder können wir auf ein großartiges Sommercamp zurückblicken, die neue Leitung hat echt tolle Arbeit geleistet. Und natürlich geht es weiter; 2012 mit voraussichtlich noch mehr ausländischen Delegationen, genauso wie mit jungen Leuten aus ganz Deutschland.


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Web: Jugendnetzwerk Lambda e.V.»



 Bild: © Samy Kangas, Jugendnetzwerk Lambda e.V.