Patrick anderthalb
Zwei Männer wollen ein Kind adoptieren und bekommen einen vorbestraften und schwulenfeindlichen Pubertätsbatzen zum Sohn. Aber dem trio fatale bleibt nichts weiter übrig, als sich aufeinander einzulassen.

© Studio-Bühne Essen
Streit vorprogrammiert: Weder Patrick noch seine neuen Eltern sind über ihr neues Familienglück erfreut.

© Studio-Bühne Essen
Gut gespielt: Jungschauspieler Richard Wilke füllt seine Rolle als rüpelnder und zugleich zuneigungsbedürftiger Jugendlicher voll aus.
„Patrick anderthalb“ dürfte den meisten vor allem als Film bekannt vorkommen. 2008 wurde das Stück verfilmt und bekam Anerkennung und Preise auf schwul-lesbischen Filmfestivals. Mittlerweile ist der Film auch in Deutschland auf DVD erhältlich (Patrick 1,5). Aber außer der Grundsituation haben Theaterstück und Film nicht viel gemeinsam. Auf der Bühne ist „Patrick anderthalb“ kein Drama sondern eine kurzweilige Komödie – oft mit durchschnittlichen und manchmal mit intelligenten Witz.
Die Vätercharaktere sind in der Essener Inszenierung überzeichnete Stereotype: Gunnar als der gutmütige und erfolglose Erfinder mit Fürsorgekomplex und Sven als der cholerische Verdiener -sprich der Mann- im Haushalt. Beide sind auf Ihre Art schräg und dabei äußerst klischeehaft. Gunnar etwa lässt keine schwule Geste aus.

© Studio-Bühne Essen, Frank Vinken
Ende gut, alles gut: Nach einigen Tagen will selbst Patrick nicht mehr die Familie wechseln.
Genau darin liegt das Problem. Die Klischees sind für den Witz gut. Sie werden herausgestellt und der schwule Stereotyp zum Lachfaktor. Damit verfehlt die Inszenierung ihr Anliegen „die Zuschauer auf die Suche nach neuen Männer- und Väter-Bildern sowie Familienentwürfen jenseits der etablierten Norm zu begeben“ (www.studio-bühne-essen.de). Denn statt queerer Identitäten und Familienentwürfe ist nur Homonormativität auf der Bühne zu sehen. Es geht schlicht um zwei ziemlich schwule Männer, die ein Kind adoptieren.
Trotzdem beweist die „Studio-Bühne Essen“ nach dem Schwulenverfolgungsdrama „BENT“ (2008) ein weiteres Mal, dass es sich als Laientheater an Themen herantraut, die in den großen Schauspielhäusern nicht unbedingt zu sehen sind. Das ist gut, mutig und hoffentlich nicht das letzte Mal.
Die nächsten Aufführungen:
29. und 30. September sowie 01. Oktober 2011 jeweils um 20:00 Uhr
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Bild: © Studio-Bühne Essen




