Bi Visibility Day

Ein bisschen bi schadet... irgendwie doch

Wer bi ist, müsste man meinen, hat Glück: Immerhin hat er die doppelte Auswahl. Doch viele Bisexuelle werden nicht ernst genommen oder sogar abgelehnt. Da können Schwule ziemlich intolerant werden.

Die Flagge der Bisexuellen: Blau für hetero, pink für homo. Dazwischen die Mischung: Lila steht für bisexuell.

Die Flagge der Bisexuellen: Blau für hetero, pink für homo. Dazwischen die Mischung: Lila steht für bisexuell.

Bild: Mateus_P, New profile picture, CC BY-SA 2.0

Ein bisschen bi schadet nie: Der Volksmund meint damit, dass es gar nicht so schlecht sei, ein paar gleichgeschlechtliche Erfahrungen zu sammeln. Wer sich aber wirklich als bisexuell identifiziert, der hat es meist gar nicht so leicht.

Wer bi ist, der steht sowohl auf Frauen als auch auf Männer. Wie toll, könnte man denken, doppelte Auswahl! Doch es gibt viele Vorurteile, mit denen Bisexuelle kämpfen müssen. „Ich werde nicht ernst genommen“, sagt etwa Kai. Der 19-Jährige ist bi. Er hatte kurze Beziehungen mit Frauen, aber auch mit Jungs. Wofür er sich mehr interessiert, wechselt sich ab.

Das Klischee: Bisexualität ist nur eine Zwischenstation bis zum Schwulsein

Er ist viel in der Schwulenszene unterwegs, hat viele schwule Freunde. „Die machen sich schon manchmal lustig über mich“, erzählt der Azubi aus Hamburg. „Frauen seien eklig, wie könnte ich nur Brüste mögen, sowas halt.“ Mit solchen Späßen kommt er mittlerweile ganz gut klar, daran hat er sich gewöhnt.

„Was mich wirklich stört, ist, dass manche mir einfach nicht glauben, bi zu sein.“ Seine Kumpels sagen dann, er müsse sich entscheiden. Oder er traue sich einfach nicht, schwul zu sein. Bisexualität scheint für seine Clique – wie für viele –  nur eine Zwischenstation mit dem Zielbahnhof schwul zu sein.


Bisexuelle demonstrieren beim San Francisco Pride für mehr Aufmerksamkeit.

Bisexuelle demonstrieren beim San Francisco Pride für mehr Aufmerksamkeit.

Bild: nerdcoregirl, bisexuals: they do exist!, CC BY-SA 2.0

„Sie denken, am Ende will ich doch Frau und Kinder“

Was Kai erlebt, ist sogar wissenschaftlich bewiesen. Forscher der University of Massachusetts haben fast 750 Bisexuelle zu Erfahrungen mit Diskriminierung befragt. Das Ergebnis: Viele leiden unter Monosexismus. Darunter versteht man die Vorstellung, es gebe entweder Hetero- oder Homosexualität. Dabei ist es längst bewiesen, dass Bisexualität existiert.

„Ich stehe einfach auf Männer und Frauen. Punkt“, hält auch der 19-Jährige fest. Doch es sind nicht nur seine Freunde, die das nicht einsehen wollen. Auch bei Dates bekommt er oft kritische Nachfragen. „Manche trauen mir nicht zu, dass ich eine ernsthafte Beziehung möchte“, sagt er. „Früher oder später, denken sie, will ich doch Frau und Kinder.“

Das wäre immerhin der gesellschaftlich leichtere Weg, weshalb wohl viele Schwule denken, dass Bisexuelle diesen bevorzugen würden. „Das ist Quatsch. Ich weiß doch mit 19 noch nicht, ob ich jemals Kinder will“, sagt Kai.

Viele Bisexuelle outen sich nicht

Viele Frauen reagieren nicht viel besser darauf, dass er bi ist, erzählt Kai. „Manche glauben, das wäre nur ein bisschen Experimentieren.“ Andere würden es befremdlich finden, dass der Azubi schon Sex mit Männern hatte. Deshalb hat er sich angewöhnt, erst spät von seiner Bisexualität zu erzählen. Das geht anderen genauso: Eine Studie beweist, dass viele bisexuelle Menschen sich nicht outen.

Manchmal fühlt sich Kai deshalb hin- und hergerissen zwischen zwei unvereinbaren Welten. Er würde sie am liebsten miteinander verschmelzen: „Egal ob Traumfrau oder Traummann: Ich will einfach einen Menschen lieben.“ 


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Diskussion zum Thema

23.09.2016  | Bild: © Caitlin Childs/flickr.com, Mateus de Lima/flickr.com

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