Politik

Keine Alternative für Schwule

Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) zeigt in ihrem Programm, wie schwulenfeindlich sie ist. Dennoch hat sie gute Chancen, in drei Landesparlamente zu ziehen. Und auch Schwule wählen die AfD.

Die AfD zieht im März wohl in drei Landesparlamente.

Die AfD zieht im März wohl in drei Landesparlamente.

Bild: flickr.com/Metropolico.org

Selbstverständlich ist es kein repräsentatives Ergebnis. Dennoch: Bei der Wahl-Umfrage des Schwulenmagazins "Männer" kommt die Alternative für Deutschland (AfD) auf 16,6 Prozent der Stimmen. Damit stehen die Rechtspopulisten nach den Grünen und den Linken auf dem dritten Platz.

Hinter diesen knapp 17 Prozent stecken immerhin nur 115 abgegebene Stimmen. Natürlich lässt sich davon nicht auf alle schwulen und bisexuellen Männer schließen. Trotzdem ist ein Trend erkennbar, dass auch LGBTIQ*-Menschen nicht davor zurückschrecken, die Partei rund um Frauke Petry und Alexander Gauland zu wählen.

AfD: Von Euro-Kritik zu Ausländerfeindlichkeit

Überhaupt sind es vor allem Männer, die ihr Kreuz bei der einst als Euro-Protest-Gemeinschaft groß gewordenen Partei machen würden: 17 Prozent der Männer, aber nur zwei Prozent der Frauen würden AfD wählen.

Aus der Euro-Skepsis-Partei ist ohnehin längst die Partei von Pegida geworden. Obergrenzen und Schießbefehle dominieren die ausländerfeindlichen Parolen und Foderungen der Alternative für Deutschland.


Bei der Demo für alle in Stuttgart sind auch Birgit Kelle (2. v. l.) und Hedwig von Beverfoerde (r., im roten T-Shirt) dabei.

Bei der Demo für alle in Stuttgart sind auch Birgit Kelle (2. v. l.) und Hedwig von Beverfoerde (r., im roten T-Shirt) dabei.

Bild: flickr.com/Demo für Alle

"Bildung muss vermitteln, dass die Geschlechter aufeinander zugeordnet sind"

Doch die Partei hat noch mehr Erschreckendes zu bieten. Wer das Programm genau liest, der entlarvt die AfD als eindeutig schwulen- und LGBTIQ*-feindlich. Denn die Partei will nicht nur die Familien stärken. Sie findet auch, dass allen Schülern beigebracht werden muss, dass Mann und Frau zusammengehören. Im Wahlprogramm für die Landtagswahl in Baden-Württemberg heißt es auf Seite 30:

"Die AfD sieht den Wert des Menschen unabhängig von seinen privaten Interessen, seiner sexuellen Orientierung und seiner allgemeinen Lebensgestaltung. Deshalb stellen wir uns entschieden gegen die volkserzieherische Überhöhung von nicht heterosexuellen Menschen und gegen die Dekonstruktion der Familie. Aufgabe der Bildung muss es sein zu vermitteln, dass die Geschlechter aufeinander zugeordnet sind, einander ergänzen und es geboten ist, einander in Achtung zu begegnen."

Prognosen: AfD schafft es in drei Landesparlamente

Und auch gegen Trans*-Menschen hat die AfD etwas. Die soll es nach Möglichkeit gar nicht mehr geben: "Wir setzen uns dafür ein, dass jedes Kind darin gestärkt wird, sein biologisches Geschlecht anzunehmen", heißt es im selben Programm nur eine Seite weiter.

Mit diesem Programm tritt die Partei am 13. März zur Landtagswahl in Baden-Württemberg an. Am selben Tag wird auch in Rheinland-Pfalz und in Sachsen-Anhalt gewählt. Umfragen deuten darauf hin, dass die AfD es wohl in alle Landesparlamente schaffen wird. Sie erreicht aktuell neun (Rheinland-Pfalz) bis 15 Prozent (Sachsen-Anhalt) der Stimmen, erklärt die Forschungsgruppe Wahlen.


Mit der Aktion wollten Matthias und Fabian Heuken Spenden sammeln, um über die AfD aufzuklären.

Mit der Aktion wollten Matthias und Fabian Heuken Spenden sammeln, um über die AfD aufzuklären.

Bild: Matthias Heuken

Ba-Wü: AfD gegen den Bildungsplan

Ob sie, einmal im Landtag angekommen, ähnliche Anträge stellt wie etwa in Thüringen? Dort wollte die AfD-Abgeordnete Corinna Herold im Oktober wissen, wie viele Schwule und Lesben in Thüringen leben. "Die Zeiten, in denen sich Homosexuelle registrieren lassen mussten, sind zum Glück vorbei", sagte damals der CDU-Abgeordnete Henry Worm. Ein Verweis auf die Verfolgung von Schwulen und Lesben zur Zeit der Nationalsozialisten.

Vor allem in Baden-Württemberg mischt die AfD bereits jetzt kräftig mit. Die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch organisiert gemeinsam mit Hedwig von Beverfoerde (CDU) die Demo für alle, die sich gegen den Bildungsplan der grün-roten Landesregierung einsetzt.

Braune Flaschen gegen braune Flaschen

Und dennoch: Obwohl sich die AfD ganz offensichtlich gegen eine Gesellschaft der Vielfalt einsetzt, wählen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*-Menschen die rechtspopulistische Partei. Es gibt eine eigene "Bundesinteressengemeinschaft Homosexuelle in der AfD" ("Ich bin kein linksgrüner Schwuler, weil..."). Im Ortenaukreis (Baden-Württemberg) sitzt sogar eine Transfrau im Vorstand der Partei.

Doch es gibt auch Gegeninitiativen: Eine Crowdfunding-Kampagne wollte Limonade verkaufen, um so Spenden zu sammeln. Damit wollen Matthias und Fabian Heuken über das AfD-Programm aufklären. Ihr Slogan: Braune Flaschen gegen braune Flaschen. Die Aktion haben sie mittlerweile aufgrund von Morddrohungen jedoch wieder eingestellt. Spenden nehmen sie übers Crowdfunding dennoch gerne entgegen.


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02.02.2016  | Bild: © flickr.com/Metropolico.org, flickr.com/Demo für Alle, Matthias Heuken

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