In Istanbul hat die Polizei am Sonntag den Trans Pride, der sich für die Rechte von Transsexuellen in der Türkei einsetzt, aufgelöst. Die Polizisten setzten Gummigeschosse und Tränengas ein. Dieses Jahr wurden bereits zwei weitere Pride-Demonstrationen verboten.

Trotz eines vorangegangenen Verbotes fanden sich am vergangenen Sonntag rund 150 Demonstranten am Istanbuler Taksim-Platz ein. Sie standen dort Hunderten Sicherheitskräften gegenüber und wurden schließlich, auf dem Weg durch das Zentrum, angegriffen. Viele flohen in anliegende Gassen, auch Cafés und Bars dienten als Schutz.

Die Polizei setzte allerdings auch in Gebäuden Tränengas ein. Zudem wurde eine Aktivisten bei einer Kundgebung von einem Beamten gestört. Es kam im Verlauf der Demo zu mehreren Festnahmen. Bereits im letzten Jahr kam es in der Pride-Woche zum Einsatz von Wasserwerfern und Gummigeschossen bei der großen Abschlussdemonstration. 

Der Abschluss der Pride Week ist gefährdet

Der Trans Pride war Teil mehrerer Veranstaltungen, die während der Pride-Woche in Istanbul stattfinden. Die Stadtverwaltung hat jedoch alle Demonstrationen der CSD-Woche verboten. Dazu zählen der „Trans Pride“ und der „Marsch des Stolzes“, der am 26. Juli stattfinden und damit die Festlichkeiten abschließen soll – der steht jetzt aber auf dem Spiel.

Als Begründung für die Absage nannte Gouverneur Vasip Şahin die Wahrung der öffentlichen Sicherheit, den Fastenmonat Ramadan und die Sicherheit der Teilnehmer. Weder eine Kundgebung noch eine Demonstration soll es geben, obwohl die Parade in den Jahren zuvor problemlos ablief. Der „Istanbul Pride“ findet  seit 2003 statt.

Gegendemonstranten zünden Regenbogenflaggen an

In diesem Jahr gab es auch Stimmen aus dem rechten Lager, die sich gegen den CSD einsetzten. Die Jugendgruppe der rechts-nationalistischen Großen Einheitspartei (BBP) hat sich offen gegen Homosexuelle geäußert und versucht die Parade zu verhindern.

Einige Nationalisten waren auch bei der „Trans Pride“ vor Ort. Wie tagesschau.de berichtet, versammelten sie sich am Taksim-Platz und zeigten offen ihre Abneigung gegen LGBTIQ*. Einige Gegendemonstranten wurden von der Polizei festgenommen. 

Die Begründung für die Absage: "Wahrung der Sicherheit"

Die Organisatoren des Istanbul Pride kritisierten das Verbot stark, es sei eine "Verletzung der Verfassung und des Gesetzes“. Man versuche jetzt, rechtliche Schritte gegen die Stadt Istanbul einzuleiten. In einer Online-Petition fordern sie außerdem dazu auf, dass sich die Behörden für die Sicherheit von Demonstration und Demonstranten einsetzen sollen, anstatt sie zu bekämpfen.

Dieses Verbot ist leider nicht das einzige in der Türkei: Schon den CSD in Izmir haben die Behörden verboten und auch in Ankara wurde eine Demonstration zum internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie verhindert Auch hier die Gründe: Wahrung der Sicherheit und Angst vor Eskalation und Gewalt. 

Update 27.6.2016:

Bei der Abschlusskundgebung der Istanbul Pride am Sonntag wurden Grünen-Politiker Volker Beck und zwei seiner Parteikollegen festgenommen. Obwohl die Parade seit 2003 friedlich verlief, wurde sie vorher verboten. Als es trotzdem zu einer Kundgebung kam, wurden mindestens 19 Aktivisten in Gewahrsam genommen. Es kam erneut zum Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Am späten Abend wurden Volker Beck und seine Kollegen wieder frei gelassen.

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Artikel veröffentlicht: 20.06.2016
Bildquellen: Wikimedia