40 Prozent finden schwule Küsse "ekelhaft"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Ein schwuler Kuss: 40,1 Prozent finden das "ekelhaft".
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Erschreckende Zahlen: Eine neue Studie zeigt, wie antidemokratisch und ausländerfeindlich die Deutschen denken. Auch die Einstellung zu Homosexualität wird abgefragt.

Deutschland, im Jahr 2016: 40,1 Prozent der Deutschen finden es "ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen". Das hat die Studie "Die enthemmte Mitte" von der Universität Leipzig herausgefunden.

Seit 2002 untersuchen die Forscher die politischen Einstellungen der Deutschen. Die Ergebnisse sind repräsentativ. "Noch immer sind weite Teile der Bevölkerung bereit, abzuwerten und zu verfolgen, was sie als abweichend und fremd wahrnehmen", schreiben Oliver Decker und Elmar Brähler, zwei der Studien-Herausgeber. 

Zustimmung auch zu antisemitischen Thesen

Die Zahlen zeigen, "wie weit wir in Deutschland von Akzeptanz von vielfältigen Lebensweisen entfernt sind", sagt Axel Hochrein vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD).

Doch nicht nur die Einstellung zu Homosexuellen haben die Leipziger Soziologen abgefragt. So finden elf Prozent, dass Juden zu viel Einfluss haben. Zwölf Prozent glauben, dass Deutsche anderen Völkern von Natur aus überlegen sind. Das sind klare antisemitische beziehungsweise sozialdarwinistische Thesen.

Feindlichkeit gegenüber LGBTIQ* trifft die Freiheit aller Bürger

Zwar leben wir nicht in einem rassistischen und gewaltbereiten Land, sagt Oliver Decker tagesschau.de. Doch werden zunehmend Gruppen wie Asylsuchende, Sinti und Roma oder Homosexuelle abgewertet. "Sorge bereitet uns vor allem die zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber diesen Gruppen", ergänzt er.

Deshalb fordert der LSVD, dass der Nationale Aktionsplan erweitert wird. Denn "Feindlichkeit gegenüber Lesben, Schwulen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen ist immer auch ein Angriff auf die individuelle Freiheit aller. Sie betrifft die gesamte Gesellschaft und unsere demokratische Grundordnung."

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Artikel veröffentlicht: 16.06.2016
Bildquellen: fotolia/Olesia Bilkei