So hetzerisch wirbt die AfD um schwule Wähler

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Mehrere solcher Lastwagen fahren auf Stimmenfang durch Berlin.
© AfD Berlin

Lastwagen der AfD machen mit einem schwulen Paar Stimmung gegen Muslime - mitten im Szenekiez um den Nollendorfplatz. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller kritisiert die Aktion.

Für die Alternative für Deutschland (AfD) hat der Wahlkampf ums Berliner Rathaus anscheinend schon begonnen: Knapp zwei Monate vor der Landtagswahl fahren AfD-Lastwagen durch die Hauptstadt.

Deren Botschaften haben eher untypische Wähler im Blick: Im Szeneviertel rund um den Nollendorfplatz wirbt die rechtspopulistische Partei mit einem schwulen Paar um Stimmen. "Mein Partner und ich legen keinen Wert auf die Bekanntschaft mit muslimischen Einwanderern, für die unsere Liebe eine Todsünde ist", steht auf dem fahrenden Plakat.

Berlins Regierende Bürgermeister: "Es ist widerlich"

"Homosexuelle sind eine von mehreren Zielgruppen", erklärt der Berliner AfD-Sprecher Ronald Gläser auf dbna-Anfrage. Die Lastwagen werden "noch mehrere Wochen" unterwegs sein. Sie erhalten "Zorn und Spott von Kritikern", gibt er gegenüber dbna zu, aber auch "Zustimmung aus den eigenen Reihen und von Personen, die sich angesprochen fühlen und sagen: Endlich spricht einer aus, was ich schon lange denke."

Scharfe Kritik kommt derweil nicht nur von Passanten, sondern auch von höchster Stelle. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte laut dpa am Freitag: "Es ist widerlich, wie die AfD nun mit einer Plakatkampagne versucht, Lesben und Schwule gegen Muslime aufzuhetzen."

AfD genießt "ausgelassene Stimmung" beim schwullesbischen Stadtfest

Müller betonte, dass die rechtspopulistische Partei keine Gelegenheit ausließe, "homosexuelle Lebensweisen auf das Übelste zu diskreditieren." Auch der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) kritisierte die Aktion. "Wir verzichten auf falsche Homo-Freunde", erklärte Landesgeschäftsführer Jörg Steinert gegenüber queer.de. "Die AfD will keine Probleme lösen, sondern Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausspielen."

Die AfD selbst betont, dass sie zur eingetragenen Lebenspartnerschaft stehe. "Trotzdem ist die Ehe von Mann und Frau in unseren Augen etwas anderes", sagt Gläser. Nichtsdestrotrotz tummelte sich auch die Europaabgeordnete Beatrix von Storch beim queeren Motzstraßenfest, wo sie laut Facebook "die ausgelassene Stimmung" genoss.

AfD liegt in Berlin laut Umfragen bei 13 Prozent

Das verwundert, ist die im rechtskonservativen Flügel der Partei verortete Politikerin doch Co-Organisatorin der "Demo für alle", die sich gegen Schulaufklärung einsetzt und für die Heilung Homosexueller wirbt. Sehr lange ist die 45-Jährige jedoch nicht geblieben: Die Berliner Dragqueen Nelly Morell hat sie laut eigener Aussage vertrieben.

Die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin findet am 18. September 2016 statt. Aktuell regiert dort eine rot-schwarze große Koalition unter dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller, der dieses Amt im Dezember 2014 von Klaus Wowereit ("ich bin schwul und das ist auch gut so") übernommen hat. Aktuelle Umfragen sehen die AfD bei etwa 13 Prozent.

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Artikel veröffentlicht: 23.07.2016