Türkische Gemeinde nimmt am CSD teil

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Das Stuttgarter Rathaus ist für den CSD mit Regenbogenfahnen beflaggt
© CSD Stuttgart

Es ist eine Premiere: Die türkische Gemeinde läuft bei der CSD-Demonstration in Stuttgart mit. Es habe intern zwar Widerstand gegeben, doch der Verein wolle "die Augen vor Diskriminierung nicht verschließen".

Vor allem unter Migranten ist Homo- und Transsexualität noch immer ein Tabuthema. Das will die Türkische Gemeinde ändern und marschiert deshalb Ende Juli bei der Stuttgarter CSD-Straßenparade mit. 

Gegen diese Entscheidung habe es Widerstand gegeben, sagte der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Wir können aber als Verein, der sich gegen Diskriminierung jeder Art einsetzt, davor nicht die Augen verschließen", begründete er die Teilnahme.

"Viele Angehörige fürchten um ihren Ruf"

Am Freitag beginnt der zweiwöchige Christopher Street Day in Stuttgart. Unter dem Motto "Operation Sichtbarkeit" demonstrieren die Schwaben für mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz. Der Höhepunkt ist die CSD-Polit-Parade am 30. Juli - zum ersten Mal mit der Interessenvertretung der türkischstämmigen Deutschen.

Der Verein hat auch das Projekt "Kultursensibel" initiiert, das sich an Migranten unterschiedlicher Herkunft richtet. "Wenn jemand homosexuell ist, fürchten schnell auch die Angehörigen um ihren Ruf", sagte Olcay Miyanyedi der dpa. Er leitet gemeinsam mit Jochen Kramer das Pilotprojekt "Kultursensibel". "Da denken viele dann, dass die ganze Familie schwul und dass dies eine Krankheit ist", ergänzte er.

Türkische Gemeinde fordert volle Gleichstellung Homosexueller

Aus diesem Grund erleben viele junge schwule Türken einen großen Druck von Seiten ihrer Familie, auch wenn sie in Deutschland eine offene und tolerante Gesellschaft kennengelernt haben. Jochen Kramer erklärt: "Wegen ihres Lebens in konservativ-traditionellen oder stark religiösen Familien können sie aber oft ihre Sexualität nicht frei ausleben." Das Projekt will den Jugendlichen deshalb beibringen, mit ihren Ängsten umzugehen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Türkische Gemeinde für LGBTIQ*-Belange einsetzt. Im Jahr 2013 hat sich der Verband für eine "volle Gleichstellung von Schwulen und Lesben" ausgesprochen.

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Artikel veröffentlicht: 15.07.2016