Justin Trudeau: Der Regenbogen-Premier

Kai Witvrouwen Von Kai Witvrouwen
Premiere: Justin Trudeau hisst die Regenbogenflagge vor dem kanadischen Parlament.
© Facebook/Justin Trudeau

Kanadas Premierminister Justin Trudeau ist schon seit langem für seine LGBTIQ*-freundliche Politik bekannt. Sein neuester Streich: Er führte den Vancouver-Pride zusammen mit seiner Familie an - ein historisches Ereignis. Doch er hat noch mehr vor.

Als erster Premierminister Kanadas ist Justin Trudeau dieses Jahr beim Vancouver Pride mitgelaufen. Mit breitem Grinsen auf den Lippen, seiner Frau Sophie Grégoire an der Hand und ihren drei Kindern war er bei der Parade dabei, die seit 1978 in der kanadischen Großstadt stattfindet.

Für ihn ist das aber gar nichts Neues, Trudeau war in den letzten Jahren bei vielen Paraden dabei – zum Beispiel dieses Jahr in Toronto. Auf Twitter schrieb er, dass er stolz sei, wieder teilzunehmen „und dieses Mal als euer Premierminister!“

Vor der Parade richtete Trudeau einige Worte an die Pride-Besucher. Er freue sich, in Vancouver zu sein und sagte: „Wir feiern die große Vielfalt, die eine Stärke unseres Landes ist.“ Der 44-Jährige ist ein großer Freund der LGBTIQ*-Community und bekannt für seine progressive Politik.

Das beweist er seit seinem Amtsantritt im November 2015 immer wieder. Der liberale Trudeau stellte beispielsweise ein Kabinett zusammen, das zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen besteht. Seine Begründung dafür ist schlicht, aber einleuchtend: „Weil es 2015 ist.“

Die Familie Trudeau: Ein Beispiel für eine offene Politik

Sein Vater Pierre Trudeau hat ihm seine Offenheit vermutlich in die Wiege gelegt. Er legalisierte Homosexualität und Abtreibung bereits im Jahre 1969. Bei uns hat das ein bisschen länger gedauert. In Deutschland wurde der berüchtigte „Schwulenparagraph“ 175 erst 1994 ersatzlos gestrichen. Dieser stellte sexuelle Kontakte zwischen Männern unter Strafe. 

Ebenfalls in diesem Jahr hisste Justin Trudeau erstmals die Regenbogenflagge vor dem kanadischen Parlament in Ottawa, um den Pride Month feierlich zu einzuleiten. Trudeau hat allerdings noch einige Pläne für Kanada. Gegenüber dem Fernsehsender CP24 erklärte er, es müsse mehr Rechte für Transgender geben und dass es noch andere Probleme zu bewältigen gäbe. Ein bisschen stolz zeigte er sich trotzdem: „Was wir hier (in Kanada) sehen, macht nicht nur Eindruck in unserem Land, sondern in der ganzen Welt“ –das können wir nur bestätigen.

Kern machts vor, Merkel machts nicht nach

In Österreich gab es in diesem Jahr einen ähnlich historischen Moment. Erstmals in der Geschichte der Wiener Regenbogenparade hielt der sozialdemokratische Bundeskanzler Christian Kern die Abschlussrede am letzten Tag der Veranstaltung. Er fand in seiner Rede ähnliche Worte wie Trudeau: „Ja, ich bin der Bundeskanzler und auf der Regenbogenparade - aber na und?“

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bleibt bisher dem Christopher Street Day fern. 2016 lud der Berliner CSD die Kanzlerin ein, Regierungssprecher Steffen Seibert teilte jedoch mit, dass sie nicht erscheinen würde. Naja, vielleicht schafft sie es 2017. Dann ist immerhin Wahlkampf.

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Artikel veröffentlicht: 09.08.2016