Der Journalist Nico Hines hat sich für eine Reportage auf einer schwulen Dating-App angemeldet und mit Olympioniken geschrieben. Im Text outet er sie. Die Sportler sind empört, der Text gelöscht.

Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro sollte eigentlich der Sport im Mittelpunkt stehen. Der Journalist Nico Hines vom US-Magazin "Daily Beast" war das wohl zu naheliegend. Er wollte lieber herausfinden, was die Athleten in ihren Betten treiben.

Offenbar waren ihm heterosexuelle Dating-Seiten zu langweilig. Deshalb hat sich der Familienvater für seine Recherche lieber auf Grindr angemeldet, einer Dating-App für schwule Männer. 

Jeder hätte die Athleten googlen können

In seinem Text hat er mehrere Sportler implizit geoutet. Zwar hat er ihren Namen nicht genannt, dafür aber das Alter, Herkunftsland, Sportart, Größe und Gewicht. Teilweise erwähnte er sogar die Platzierung der Athleten. 

Das US-Magazin "Slate" hat bereits am Donnerstag darauf aufmerksam gemacht, dass man "die Namen von mindestens fünf Athleten durch einfaches Googeln binnen weniger Minuten herausfinden" könne. Wie der Journalist gearbeitet hat, sei "gefährlich und schäbig" gewesen.

Mit einem Arsch-Foto gegen das Outing

Denn Nico Hines musste wissen, was er mit seinem Text anrichten kann. Immerhin schrieb er selbst, dass einige Sportler aus homophoben Ländern stammen, wo sie zum Teil verfolgt werden.

"Daily Beast" hat den Text zunächst entschärft und einige Details entfernt. Später entfernte die Redaktion den Artikel und bittet um Vergebung. "Wir entschuldigen uns bei den Athleten, die unbeabsichtigt gefährdet wurden."

Der offen schwule Schwimmer und Olympiateilnehmer Amini Fonua aus Tonga twitterte, das Magazin solle sich für die Veröffentlichung schämen. Er verwies darauf, dass Homosexuelle in seiner Heimat noch immer verhaftet werden. "Nicht jeder ist stark genug, in der Öffentlichkeit er selbst zu sein. Respektiert das."

Ein "beschissener" Artikel

Seine Kritik auf Instagram war sarkastischer. Er postete ein Foto von seinem nackten Hintern. "Wenn du auf Grindr nach einem geilen Arsch gesucht hast (und ich kenne keinen anderen Grund, wieso du dort warst) hier ist meiner in seiner ganzen Pracht."

Auch der schwule US-Skifahrer Gus Kenworthy, der 2014 in Sotschi Silber gewann, kritisierte den Journalisten auf Twitter. "Für einen beschissenen Artikel outete Nico Hines einige Athleten."

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Artikel veröffentlicht: 15.08.2016