Die Akzeptanz für LGBTIQ*-Personen in Sachsen-Anhalt soll bereits in den Kitas beginnen, plant die Landesregierung. Die AfD wettert jedoch dagegen. Und bekommt Unterstützung von Björn Höcke, der von „sexueller Perversität“ spricht.

Die AfD möchte ein neues Programm verhindern, das es Erziehern in Kindertagesstätten ermöglicht, Kinder über nicht-heterosexuelle Beziehungen und Lebensweisen aufzuklären. Dazu soll ein Kita-Koffer her, der Bücher und Lehrmaterial zu diesem Thema bereitstellt.

„Der Aktionsplan verpflichtet über 95 Prozent der Bevölkerung dazu, die abweichende Sexualität von weniger als 5 Prozent der Bevölkerung in extremer Weise zu berücksichtigen“, heißt es in einem Antrag der AfD-Fraktion im Magdeburger Landtag.

AfD sieht das traditionelle Familienbild bedroht

Die AfD begründet ihre Abneigung gegen dieses Programm damit, dass eine „vermeintliche Entlastung“ von LGBTIQ*-Personen den großen Rest der Bevölkerung unter Druck setze. Die Partei beschreibt Homosexualität als etwas, das die Mehrheit der Bevölkerung für unnatürlich und unnormal hält.

Sie sieht zudem das traditionelle Familienbild bedroht: „Das Aktionsprogramm zielt darauf, das System der Zweigeschlechtlichkeit, auf dem unsere Gesellschaft beruht, aufzulösen.“

Daniel Roi, der parlamentarische Geschäftsführer der AfD, sagte gegenüber MDR Sachsen-Anhalt, dass selbst Homosexuelle in der Partei diesen Antrag befürworten. Das eingesparte Geld wolle die AfD lieber nutzen, um Familien zu unterstützen. Die AfD ist im März als zweitstärkste Kraft in den Landtag von Sachsen-Anhalt gezogen.

Gegenwind in Sachsen-Anhalt

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Sachsen-Anhalt zeigte sich bestürzt und ruft am Tag der Landtagsdebatte zu einer Demonstration auf. Am 30. September um 13:30 Uhr soll diese auf dem Domplatz in Magdeburg stattfinden.

„Zeigt denen, dass wir uns nicht unterstellen lassen, ‚das Koordinatensystem der gesamten Gesellschaft zu verschieben‘“, schreibt der LSVD dazu. Auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Eva von Angern, äußerte sich zu dem Antrag auf Twitter: „Die Politik der AFD ist homophob, menschenverachtend und widerlich.“

Das Thema Kita-Koffer sorgte bereits vor kurzem für Aufsehen. Dragqueen Olivia Jones verklagte die AfD wegen eines Facebook-Posts, der Homosexualität mit Pädophilie gleichsetzte. Anlass war ihr Buch „Keine Angst in Andersrum“, das auf der Leseliste des Gleichstellungsministeriums empfohlen wird (dbna berichtete)Sie wirft der Partei Volksverhetzung vor (dbna berichtete).

Björn Höcke will „perversem Zeitgeist“ nicht folgen

Und nicht nur die AfD in Sachsen-Anhalt kämpft gegen Aufklärung und Toleranz. Unterstützung kommt von Björn Höcke, dem Sprecher der AfD in Thüringen. Bei einem „Bürgerdialog“ am Freitag kritisierte er, dass an hessischen Schulen für die Akzeptanz von LGBTIQ* gearbeitet wird.

Zwar betonte der dem völkischen Flügel der Partei zugerechnete Höcke, dass er Schwule tolerieren würde. „Aber das kann doch kein Erziehungsziel einer Schule sein, die Kinder dazu zu zwingen, diese sexuelle Andersartigkeit, die in vielen Fällen sexuelle Perversität bedeutet, nicht nur zu tolerieren, sondern positiv zu finden, denn das steckt hinter dem Begriff der Akzeptanz“, sagte er unter lautem Beifall und Klatschen.

Lehrpläne, „die Sexpraktiken irgendwelcher lautstarker Minderheiten als nachahmenswerte Normalität anpreisen, die sind ersatzlos zu streichen“, forderte er. "Wir werden diesem Zeitgeist, diesem unsäglichen, diesem unglücklichen, diesem perversen Zeitgeist, anders kann man es nicht sagen, niemals nachgeben“, ergänzte Höcke.

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Artikel veröffentlicht: 25.09.2016