Anglikanische Kirche: Bischof outet sich

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer

Eine Zeitung drohte damit, den Bischof Nicholas Chamberlain zu outen. Der reagierte und äußerte sich selbst zu seiner Homosexualität - als erster in der anglikanischen Kirche. Er lebt in einer Beziehung, hält sich jedoch an die Regeln der Kirche.

Nicholas Chamberlain, der Bischof der englischen Stadt Grantham, hat sich als schwul geoutet. Im "Guardian" erklärte er, dass er seit mehreren Jahren in einer Beziehung mit einem Mann sei. Das sei auch nie ein Geheimnis gewesen. Er ist der erste anglikanische Bischof, der öffentlich über seine Homosexualität spricht.

Dass er jetzt in einer der größten britischen Zeitungen outet, hat einen Grund: Denn eine Sonntagszeitung hatte angekündigt, Details über Chamberlains Liebesleben bekannt zu machen. Dem kam er zuvor, da er wusste, dass ein Outing "hohe Wellen" schlagen würde. "Es war nicht meine freie Entscheidung, eine große Sache aus meinem Coming-out zu machen", erklärte er.

"Dass der Bischof schwul ist, war nie entscheidend"

"Die Leute wissen, dass ich schwul bin. Aber es ist nicht das Erste, was ich jemandem über mich erzählen würde. Sexualität ist ein Teil von dem, was ich bin, aber ich möchte mich auf mein Amt konzentrieren, " sagte er dem "Guardian".

Der 52-Jährige wurde im letzten November zum Bischof geweiht. Laut "Guardian" wussten alle Personen, die daran beteiligt waren, von seiner Homosexualität. "Der Fakt, dass Bischof Nicholas schwul ist, ist - und war es nie - entscheidend gewesen", schreibt der Bischof von Lincoln, Christopher Lowson, in einem Statement

Segnungen homosexueller Paare seit 2013 erlaubt

Der Bischof lebt zwar in einer Beziehung, die jedoch die Regeln der Kirche befolgt und deshalb enthaltsam ist. Chamberlain will nicht "der schwule Bischof" sein. Er möchte, "dass man sagen kann, Grantham hat einen schwulen Bischof, der mit seinem Leben und seinem kirchlichen Amt weitermacht."

Homosexualität ist in der anglikanischen Kirche immer wieder ein Thema. Im September 2013 hat die Church of England entschieden, dass homosexuelle anglikanische Geistliche eine Lebenspartnerschaft eingehen dürfen, wenn sie enthaltsam leben.

Einen Monat später erlaubte sie die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Immer wieder drohen deshalb insbesondere afrikanische, aber auch konservative amerikanische Kirchenprovinzen damit, sich von der Mutterkirche in England abzuspalten.

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Artikel veröffentlicht: 04.09.2016