Apples schwule Emojis machen schwul

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer

Aus Sicht der russischen Behörden verstoßen Apples schwule Emojis gegen das Anti-Propaganda-Gesetz. Eine Studie unterstellt den kleinen Bildchen, sie würden schwul machen. Apple drohen harte Strafen.

Eigentlich wollte Apple zeigen, dass Familien nicht nur aus Vater, Mutter und Kind bestehen. Weil eben auch Schwule und Lesben Kinder haben können, gibt es seit April 2015 entsprechende Emojis fürs iPhone (dbna berichtete).

Das hat den russischen Politikern jedoch gar nicht gepasst. Nur wenige Monate später wollte der Senator Mikhail Marchenko wissen, ob die schwulen Emojis gegen das Anti-Propaganda-Gesetz verstoßen. Das verbietet Informationsmaterial für Minderjährige, das sich "gegen traditionelle Familienwerte" richtet (dbna berichtete). 

Studie befragte 19 iPhone-Nutzer

Die Aufsichtsbehörde Roskomnadsor konnte keinen Verstoß feststellen. Dennoch hat die Kriminalpolizei in der nordrussischen Region Kirow im September angefangen, gegen Apple zu ermitteln. Sie beauftragte das Moskauer Sikorski-Zentrum für Gerichtsgutachten, sich mit dem Fall auseinanderzusetzen.

Deren Sachverständige haben 19 (!) iPhone-Nutzer befragt: "Die Ergebnisse erlauben die Feststellung, dass die der Expertise unterzogenen Abbildungen gleichgeschlechtliche Beziehungen sowohl zwischen Erwachsenen wie Kindern propagieren", zitiert ein österreichisches Nachrichtenportal das Gutachten.

Apple bleibt LGBTIQ*-freundlich

Die Emojis könnten bei Minderjährigen ein Interesse an Homosexualität erwecken - und sie außerdem noch ermuntern, es auch auszuleben. Die zuständige Tochterfirma Apple Rus hat bereits ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. Dessen Ergebnis zufolge seien die Emojis harmlos. 

Jetzt muss ein Gericht entscheiden. Verurteilt es Apple, droht eine Geldstrafe von bis zu einer Millionen Rubel (etwa 14.000 Euro). Noch dazu müsste der US-Konzern auf die homosexuellen Emojis in Russland künftig verzichten.

Apple führt unterdessen seine LGBTIQ*-freundliche Politik weiter. Erst kürzlich wurde bekannt, dass mit dem neuen Update im Herbst ein Regenbogen-Emoji die Sammlung ergänzt (dbna berichtete). Im Werbespot fürs neue iPhone 7 spielt außerdem ein schwules Paar mit.

 

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Artikel veröffentlicht: 08.09.2016