Die Dragqueen hat die AfD wegen Volksverhetzung angezeigt. Der Grund: Ein Facebook-Post, der Homosexualität mit Pädophilie gleichsetzt. Hintergrund ist die Leseliste des Gleichstellungsministeriums in Sachsen-Anhalt.

Deutschlands wohl bekannteste Dragqueen Olivia Jones hat die AfD wegen Volksverhetzung angezeigt. Der Grund: Ein Facebook-Post der AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt. Darauf sind zwei offene Buchseiten zu sehen.

Auf der einen steht "Wie kann ich als Kind Sex haben? 5 Schritte, leicht erklärt" und "Heute: Warum du in Wirklichkeit homo bist". Auf der anderen Seite heitßt es: "Schreibe deine 7 erotischen Szenarien mit einem Erwachsenen auf!"

Hintergrund: Leseliste des Gleichstellungsministeriums

Das Bild stellt "Aufklärung über Homosexualität mit Kindesmissbrauch auf eine Stufe", schreibt Olivia Jones in einem offenen Brief auf ihrer Webseite. "Ich will mich später nicht fragen lassen müssen, warum ich die Klappe gehalten habe."

Der Hintergrund des AfD-Postings ist eine Leseliste des Gleichstellungsministeriums in Sachsen-Anhalt (dbna berichtete), auf der auch Olivia Jones' Buch "Keine Angst in Andersrum" steht.

Olivia Jones bietet der AfD an, aus ihrem Buch vorzulesen

"Darin geht es nicht um Sex, schon gar nicht um Frühsexualisierung oder darum, Kinder schwul zu machen. Es geht um Vielfalt, um Respekt und um Liebe. Mein Anliegen ist ein ganz anderes, als von der AfD behauptet. Und ich lasse mich nicht in eine Schublade mit Pädophilen stecken", sagte sie in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Deshalb bezweifelt die Dragqueen laut offenem Brief, dass die AfD-Mitglieder ihr Buch oder ein anderes auf der Leseliste jemals gelesen hätten. "Ich schicke Ihnen meins gerne kostenlos zu. Wenn’s sein muss, komme ich sogar zum Vorlesen vorbei."

"Hetze ist eine Gefahr für offene, demokratische Gesellschaft"

Darauf wird die AfD wohl nicht eingehen. Die sieht laut Facebook-Statement in der Anzeige eine "Eigen-PR-Aktion eines Homolobbyisten". Der Fraktionsvorsitzende wiederholt vielmehr seine Meinung, dass Kleinkinder "keine Aufklärungskampagnen zu Homo- und Transsexualität unter dem Deckmantel von Toleranzerziehung" brauchen. Denn: "Durch dieses Aktionsprogramm wird Kindern vermittelt, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften der Normallfall seien."

Die Anzeige wird jetzt von der zuständigen Staatsanwaltschaft geprüft. Olivia Jones zeigt sich "sehr zuversichtlich", dass sie Erfolg haben wird. "Denn solche Hetze ist eine Gefahr für eine offene, demokratische Gesellschaft."

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Artikel veröffentlicht: 15.09.2016