Ein Foto, Tausende Hass-Kommentare

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer

Maurice hat ein Foto von sich und seinem Freund auf Facebook gepostet. Sie küssen sich. Vielen passt das nicht: Sie beleidigen das Paar aufs Übelste. Doch der 21-Jährige will das Foto nicht löschen – aus gutem Grund.

Zwei junge Männer, einer trägt einen weißen Adidas-Pullover, der andere eine rote Jacke und Turnbeutel, beide haben enge Jeans an. Sie küssen sich, die beiden sind frisch verliebt: Seit Anfang Oktober sind Maurice und Dominik ein Paar.

Maurice, 21, hat das Foto auf Facebook hochgeladen. Öffentlich, jeder kann es sehen. Seit Montag haben über 20.000 Menschen es kommentiert. Darunter sind viele homophobe Anfeindungen. „Was haben eure Eltern falsch gemacht?“, „Hurensöhne“, „Wenn Hitler leben würde, wärt ihr nicht hier.“

„Enough Is Enough“ hat Anzeige erstattet

„Ich war sehr erschrocken“, erzählt Maurice im Gespräch mit dbna. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das heute noch so ein krasses Problem ist.“ Es fing ganz langsam an, sagt er, doch die Kommentare wurden immer böser, immer beleidigender, herablassender.

Er will das Foto trotzdem nicht löschen. Und darf es auch gar nicht. „Enough Is Enough“, ein Aktionsbündnis gegen Homophobie und Hetze im Netz, hat Anzeige gegen viele Facebook-Nutzer wegen Beleidigung oder Volksverhetzung erstattet. Das Bild ist jetzt ein Beweismittel.

Maurice stören die Beleidigungen nicht

„Außerdem wollen wir anderen auch zeigen, dass man sich durch solche Hasskommentare nicht unterkriegen lassen soll“, sagt der 21-jährige Kölner. Denn bei den vielen unerträglichen Kommentaren haben noch mehr das Pärchen unterstützt. Über 35.000 haben eine Emotion über das Foto geäußert. Fast 2.000 macht es „wütend“. Aber: Fast 30.000 geben dem Foto ein Herz.

Angst haben die beiden jetzt nicht. „Und ich würde das Foto auch wieder posten“, sagt Maurice. „Ich bin einfach nur ziemlich enttäuscht. Es ist krass, wie die Leute heute noch reagieren.“ Ihm machen die Kommentare zwar nichts aus, aber er weiß, dass es gerade jüngere schwule oder bisexuelle Jungs davon abhalten könnte, sich zu outen. „Wir wollen ihnen zeigen, dass sie einen Scheiß darauf geben sollen, was andere über sie sagen.“  

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Artikel veröffentlicht: 19.10.2016