Lebenslange Haft für "Grindr-Mörder"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Stephen Port muss lebenslang ins Gefängnis. Er hat mindestens vier junge Männer getötet.
© Metropolitan Police

Stephen Port hat vier junge Männer getötet, die er über eine Dating-App kennengelernt hat. Aktivisten kritisieren, dass der Täter schon früher hätte gefasst werden müssen. Die Polizei prüft jetzt weitere Fälle, die mit dem Mörder zu tun haben könnten.

Der 41-jährige Stephen Port muss lebenslänglich ins Gefängnis, weil er vier junge Männer getötet hat. Sieben weiteren soll er Drogen verabreicht und sie vergewaltigt haben. Das Urteil hat ein Londoner Gericht am vergangenen Freitag verkündet. Port hat bis zuletzt darauf beharrt, nicht schuldig zu sein.

In einem Zeitraum von 15 Monaten hat Port vier Männer im Alter von 21 bis 25 umgebracht. Bei den Opfern handelt es sich um einen 25-jährigen Gabelstaplerfahrer, einen 23-jährigen Modestudenten, einen 22-Jährigen Slowaken, dessen Beruf die Polizei nicht angibt, sowie einen 21-jährigen Koch.

Opfer starben an einer Überdosis Liquid Ecstasy

Seine Opfer hatte der 41-Jährige über Dating-Apps wie Grindr kennengelernt. Laut Polizei hatte der Mörder über 25 Profile auf solchen Apps und Webseiten. Der Mörder habe den Ermittlern zufolge darauf gestanden, mit bewusstlosen und jung aussehenden Männern Sex zu haben.

Sie starben an einer Überdosis GHB, das umgangssprachlich als Liquid Ecstasy bezeichnet wird. Bekannt ist GHB vor allem als „Vergewaltigungsdroge“. Die Droge ist farb- und fast geschmacklos, weshalb sie in Clubs in Getränke geschüttet wird, um Opfer zu vergewaltigen. Die können sich an nichts erinnern, da Liquid Ecstasy einen Gedächtnisverlust verursacht.

Der Täter wurde bereits nach der ersten Tat verhört

Auch wenn Stephen Port verurteilt ist, steht die Polizei massiv unter Kritik. Ihr wird vorgeworfen, erst viel zu spät eine Verbindung zwischen den Mordfällen gesehen zu haben. Bereits nach dem ersten Mord stand der jetzt Verurteilte im Visier der Ermittler: Stephen Port rief die Polizei, als er die Leiche des 23-Jährigen gefunden hat.

Er behauptete, unbeteiligt zu sein, doch die Beamten fanden heraus, dass er mit dem Opfer Sex hatte. Daraus leiteten sie jedoch keinen Verdacht ab. Port wurde nur wegen Behinderung der Justiz zu acht Monaten Haft verurteilt. Danach tötete er mindestens drei weitere Männer.

Schwere Vorwürfe gegen die Polizei

Der britische LGBTIQ*-Aktivist Peter Tatchell kritisiert das heftig: „Wenn vier junge Frauen aus der Mittelschicht in Mayfair ermordet worden wären, hätte die Polizei viel früher eine öffentliche Warnung veröffentlicht und intensiver ermittelt“, sagte er. „Die Ermordung von schlecht verdienenden schwulen Männern in Barkling, einem Arbeiterviertel, wurde ganz anders behandelt. Die Polizisten müssen sich vorwerfen lassen, Vorurteile wegen der Klasse, dem Geschlecht und der Sexualität der Opfer gehabt zu haben.“

Deshalb hat sich die Independent Police Complaints Commission dem Fall angenommen. Sie ermittelt gegen sieben Polizeibeamte, zehn weitere wurden bereits wegen Fehlverhaltens angezeigt. Unterdessen hat die Londoner Polizei angekündigt, insgesamt 58 Todesfälle wieder aufzurollen.

Erstes Date: Immer in der Öffentlichkeit!

Im Fokus stehen die Fälle von jungen Männern, bei denen bislang eine Überdosis Drogen als Todesursache angenommen wurde. Die Polizei will überprüfen, ob sie in Verbindung zu den „Grindr-Morden“ von Stephen Port stehen.

Die Polizei warnt immer wieder davor, bei Gelegenheitstreffen Drogen zu nehmen. Überhaupt sollte ein erstes Date nie zu Hause stattfinden, sondern an einem möglichst belebten, öffentlichen Ort. Außerdem ist es gut, wenn ein Freund von dem Treffen weiß. Weitere Tipps zum Safer-Dating haben wir hier zusammengefasst.

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Artikel veröffentlicht: 29.11.2016