Anfang dieser Woche sind zwei Studien veröffentlicht worden, die zeigen sollen, wie sehr die Bevölkerung Schwule und Lesben ablehnt. Besonders groß ist demnach die Homofeindlichkeit in Sachsen. Doch die Ergebnisse weichen deutlich voneinander ab.

Diesen Montag veröffentlichte die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung die Studie „Gespaltene Mitte“. Ihr zufolge nimmt die Homofeindlichkeit in Deutschland stetig ab. Lehnten 2007 noch etwa 20 Prozent der Bevölkerung Homosexuelle ab, so ist diese Zahl laut Studie in diesem Jahr mit 9,7 Prozent auf die Hälfte gesunken.

Außerdem schneidet der Osten besser ab als der Westen: 6,7 Prozent der Ostdeutschen, aber 9,3 Prozent der Westdeutschen werten homosexuelle Menschen ab. Insgesamt sind Männer eher homofeindlicher als Frauen.

Sachsen: Höchste Ablehnung von über 60-Jährigen und jungen Erwachsenen

Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt dagegen der einen Tag später erschienene Sachsen-Monitor, eine repräsentative Umfrage der Sächsischen Staatskanzlei: Von 1013 Sachsen zeigen 32 Prozent eine ablehnende Haltung gegenüber Homosexuellen. Das entspricht einem Drittel der Bevölkerung und ist ein dreifach so hoher Wert wie bei der „Gespaltene Mitte“-Studie.

Getestet wurde Homofeindlichkeit mit dem Satz "Eine sexuelle Beziehung zwischen Personen desselben Geschlechts ist unnatürlich", dem 13 Prozent der Befragten voll zustimmten. Dabei geht die höchste Ablehnung nicht nur von den Bürgern über 60 Jahren, sondern auch von der Gruppe zwischen 18 und 29 Jahren aus.

Bildung beeinflusst negative Haltung

Wiederum einen weiteren, noch höheren Wert nennt die im Juni veröffentlichte „Mitte“-Studie der Universität Leipzig. 25 Prozent der Befragten halten laut ihr Homosexualität für „unmoralisch“. 40 Prozent finden es „ekelhaft“, wenn sich Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit küssen (dbna berichtete).

Während sich die konkreten Werte zur Homofeindlichkeit unterscheiden, gibt es trotzdem eine klare Übereinstimmung der Studien darüber, welche Faktoren Menschenfeindlichkeit fördern. Fehlende Bildung und eine persönliche Verortung im rechten Spektrum erleichtern eine negative Haltung gegenüber Homosexuellen.

Aufklärung weiterhin wichtig

Gerade der Sachsen-Monitor zeigt, dass bei den 18-29-Jährigen die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sehr hoch ist. Auf der anderen Seite erweist sich diese Altersgruppe als besonders tolerant, weshalb die Studie davon ausgeht, dass die Jugend gespalten ist.

Für die Zukunft ist deshalb – gerade im Zeitalter eines erstarkenden Rechtspopulismus und zunehmender Menschenfeindlichkeit – weiterhin die Aufklärung und das Wissen über Homosexualität wichtig, damit unbegründeter Hass keinen Anklang findet.


Daten zu den Umfragen

Bei dem repräsentativen Sachsen-Monitor wurden im Zeitraum vom 8. August bis 4.September 2016 insgesamt 1.013 Sachsen ab 18 Jahren persönlich befragt.

Für die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung wurden zwischen dem 6. Juni und 5. August 2016 mittels telefonischer Repräsentativbefragung 2.008 deutschsprachige Menschen mit Wohnsitz in Deutschland befragt.

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Artikel veröffentlicht: 25.11.2016