Bunte Weihnachten

Von Alexander Enke
Wie feiert man Weihnachten, wenn man keinen Kontakt mehr zur Familie hat?
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Schon wieder Heilig Abend: Doch wie verbringen schwule und bisexuelle Jungs und Männer das Fest? Manche haben mit ihrer Familie nach dem Coming-out nichts mehr zu tun, bei anderen ist das Schwulsein immer noch Thema am Weihnachtstisch. Wir haben nachgefragt.

„Mein Weihnachten ist ziemlich typisch“, glaubt Bastian. Der Student durchlebt „das volle Programm: Großeltern, Kirchgang vor dem Weihnachtsbraten und danach werden die Geschenke ausgepackt“. Das sei schon seit seinen Kindheitstagen so, variabel sei eigentlich nur die Frage, ob Ente oder Gans gegessen wird.

Manchmal sei es schon etwas perfekt und gleich, aber wäre es anders, wäre es nicht mehr Weihnachten, findet er. Das einzige, was nicht immer passt, ist die Stimmung: „Natürlich gibt es hier und da auch Diskussionen, vor allem was die Politik und meine Homosexualität angeht. Da muss ich meinen Großvater manchmal bei seinen Äußerungen bremsen. Aber andere Familienmitglieder helfen zum Glück mit.“

Kein Kontakt zur Familie nach dem Coming-out

Auf die Frage, wie er sich zukünftige Weihnachten vorstellt, erwidert Bastian lächelnd: „Eigentlich genau so wie jetzt. Mit meinem Freund, meinen Eltern und vielleicht später eigenen Kindern. Und ganz viel Lametta am Baum.“

Lukas feiert nicht mit seiner Familie. Stattdessen geht der Achtzehnjährige mit seinem besten Freund mongolisch essen.  „Er war die wichtigste Person dieses Jahres für mich, so habe ich die Chance Danke zu sagen für die wundervolle Zeit, die wir gemeinsam hatten“, erzählt Lukas. Sein bester Freund übernimmt für ihn den Part der Familie. Denn nachdem er sich geoutet hat, brach der Kontakt zu seiner Familie in Deutschland ab.

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Plätzchen backen - für manche gehört das einfach dazu. Andere können gerne darauf verzichten.

Plätzchen backen - für manche gehört das einfach dazu. Andere können gerne darauf verzichten.

„An Weihnachten hängen zu viele Erwartungen“

Trotzdem ist Weihnachten für ihn immer noch ein Fest, „dass man mit Menschen, die man liebt, oder der Familie verbringt“. Daher ist es auch ein Wunsch von ihm, einmal mit dem Teil der Familie zu feiern, der in den USA lebt. „Leider ist der Flug im Moment zu teuer für mich, aber wenn ich das Geld habe, fliege ich dorthin“, erzähl Lukas von seinem Wunsch

Für Weihnachten fehlt Stefan „die Zeit, die Lust und der Partner“. Deswegen hat sich der 46-jährige freiwillig zum Schichtdienst gemeldet. „Ich habe schon auf so viele verschiedene Weisen gefeiert, mit der Familie, mit Partnern oder eben wie dieses Jahr alleine. An Weihnachten hängen zu viele Erwartungen“, sagt er. Wenn man sich von ihnen löst, wird das Fest viel schöner, findet er. Wenn es nach Stefan geht, könne man an jedem Tag Weihnachten feiern, „wenn man sich auf die ursprünglichen Werte besinnt“.


Weihnachten – ein Fest der Liebe

Nic (23) feiert dieses Jahr „Anti-Weihnachten“ mit einer guten Freundin. „Weihachten ist ein großes Konsumbattle, für ein perfektes Weihnachtsfest machen sich die Leute selber zu viel Stress“, sagt er.

Deswegen hat Nic so wenig wie möglich geplant. Fest stehen allerdings grüne Glitzerbärte in Anlehnung an den Grinch als Makeup und dass sie „Dinner For One“ auf Hessisch anschauen. Der Rest erfolgt willkürlich, denn „eigentlich sollte Weihnachten das Fest der Liebe sein. Das klappt entspannt am besten“.

Weihnachten ist viel bunter, als es viele vielleicht in den Köpfen haben. Der Begriff der Familie wird, gerade wenn wegen des Coming-outs kein Kontakt mehr besteht, von queeren Leuten recht weit definiert. Gefeiert wird dann mit Freunden, dem besten Freund oder eben mit Menschen, die man mag und liebt. Denn Weihnachten, das ist eben doch ein Fest der Liebe.

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Artikel veröffentlicht: 24.12.2016