Jens Spahn: Eheöffnung "in diesem Jahrzehnt"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Jens Spahn sitzt seit 2002 für die CDU im Bundestag.
© Laurence Chaperon

Der offen schwule CDU-Politiker Jens Spahn spricht im Tagesthemen-Interview über die Eheöffnung, wie er seine Partei davon überzeugen will – und über ganz persönliche Erfahrungen mit Diskriminierungen.

Es ist bekanntlich die Union aus CDU und CSU, die eine Eheöffnung für Homosexuelle in Deutschland verhindert. Ausgerechnet der offen schwule CDU-Politiker Jens Spahn hat jetzt im Interview mit den „Tagesthemen“ am Donnerstag in Aussicht gestellt, dass die Ehe noch „in diesem Jahrzehnt“ für Schwule und Lesben geöffnet wird.

Anlass für das Gespräch war eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), die am selben Tag vorgestellt wurde. Ihr zufolge stimmen 83 Prozent der Deutschen der Aussage „Ehen zwischen zwei Frauen bzw. zwei Männern sollten erlaubt sein” zu (dbna berichtete).

Gesellschaftliche Veränderungen „ergeben sich auch in der CDU“

Jens Spahn, Staatssekretär im Finanzministerium, sagte dazu: „Genauso wie wir in der Studie sehen, dass sich in den letzten zehn Jahren eine neue Gelassenheit, eine neue Selbstverständlichkeit im Umgang mit Homosexualität, mit Schwulen und Lesben bei ganz vielen Deutschen ergeben hat, so bin ich auch sicher, dass wir beim Thema Eheöffnung ja schon weit gekommen und auch in den nächsten Jahren, noch in diesem Jahrzehnt, die rechtliche Öffnung sehen werden.“ 

Auf die Frage, wie Spahn seine Partei überzeugen wolle, antwortete er: „Auch die ist in einem solchen Prozess. Die CDU ist eine Volkspartei, und die Diskussion, die Veränderung, die sich in der Gesellschaft insgesamt ergeben, die ergeben sich natürlich auch in der CDU.“ Solche Aussagen überraschen im Wahljahr 2017 nicht, auch wenn es bemerkenswert ist, dass er seine Partei damit im Falle eines Wahlgewinnes in Zugzwang bringt.

CDU/CSU haben keine Argumente für die Eheöffnung

Für die Gesellschaft sehe er die Chance, dass die CDU Menschen „im Münsterland, in der Eifel, etwa im ländlichen Raum … „öffnen und mit Argumenten erreichen“ kann. Das sei „eine Chance in der Entwicklung.“

Leider verkennt er jedoch die Tatsache, dass die Union selbst aktuell keine Argumente für die Eheöffnung liefert – es bleibt beim mittlerweile geflügelten Wort gewordenen „Bauchgefühl“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel, das die Gleichstellung verhindert.

„Das schmerzt mich“

Auch Spahn selbst erlebe Diskriminierungen, sagte er. „Natürlich gibt es immer noch Szenen im Alltag, auch gerade abends im öffentlichen Straßenverkehr, selbst in einer großen Stadt wie Berlin, wo man mal schräg und dumm angemacht wird, wenn ich mit meinem Freund unterwegs bin.“

Dass die Zahlen der ADS-Studie jedoch auch zeigen, dass ein schwuler Sohn über 40 Prozent der Befragten „sehr“ oder „eher unangenehm“ wäre, beschäftigt auch Jens Spahn. Viel schlimmer als seine persönliche Erfahrung mit Diskriminierung findet er, dass es heute immer noch schwule oder lesbische Jugendliche gibt, die aus Angst vor Ablehnung nicht darüber reden. „Das schmerzt mich, dass es das immer noch vielfach in Deutschland gibt.“

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Artikel veröffentlicht: 14.01.2017