Erstes Mal mit Nachgeschmack

War es nun schön oder war es nicht schön? Ben lernt im Internet Mario kennen und erlebt mit ihm sein Erstes Mal. Es war eine schöne Zeit, bis Mario ihn betrog. Ein Erstes Mal mit Nachgeschmack.

Ben (16) erzählt: Vor einem Jahr habe ich die Versuche aufgegeben, meinem Homo-Dasein zu entrinnen. Da war ich 15 Jahre alt, ich hatte es versucht, aber es hat nicht geklappt. Ich bin schwul, das musste ich mir eingestehen. Als mir das bewusst war, begann das spannende Leben eines schwulen Jugendlichen. Es begann im Internet, ganz harmlos. Immer wieder begegnete ich in einer Community diesem einen Jungen. Ich habe mich aber nie getraut ihn anzuschreiben, obwohl ich eigentlich ein ziemlich aufgewecktes Kerlchen bin. Ein bisschen habe ich mich in diesen Typen verknallt. Ich fand heraus, dass er Mario heißt.

Auf einer Party in der Nähe von Bielefeld traf ich zufällig einen Kerl, der mit meinem Schwarm gut befreundet ist. Immer wieder war Mario unser Gesprächsthema und je länger mir von ihm erzählt wurde, desto stärker wuchs in mir der Wunsch, ihn persönlich kennen zu lernen. Ich gab der Partybekanntschaft meine Handynummer, er sollte sie Mario geben.

Einige Tage später klingelte mein Handy, am anderen Ende meldete sich ein Mario. Der Mario! Mein Herz pochte vor Aufregung, am liebsten wäre ich vor Glück tot umgefallen. An diesem Abend begann eine wunderbare Freundschaft. Wir telefonierten häufig, manchmal stundenlang. In mir wuchs der Wunsch nach mehr, die Telefonate wurden intimer und eines Tages fragte Mario, was ich von Fernbeziehungen halte.

Eine Beziehung ist erst drin, wenn ich dich real kennen gelernt habe, sagte ich ihm. Hals über Kopf verabredeten wir uns. Ich war tierisch aufgeregt. Was würde passieren? Wie würde er sein im realen Leben? So viele Fragen, so wenige Antworten.

Der Tag, an dem wir uns trafen, rückte immer näher. Als ich aus dem Zug stieg und den Bahnsteig hinunterschaute, entdeckte ich ihn. Er stand da, gemeinsam mit seiner besten Freundin. Er lächelte als ich auf ihn zukam und als wir uns zur Begrüßung umarmten, gab er mir einen Kuss. Zu dritt verbrachten wir einen lustigen Nachmittag, am Abend saßen wir alleine in seinem Zimmer.

Auf der einen Seite freute ich mich sehr über die Zweisamkeit, auf der anderen Seite hatte ich aber auch Angst. Ich habe viele Geschichten von schwulen Freunden gehört. Das erste Mal sei schmerzhaft, haben sie immer wieder erzählt. Würde ich heute mein erstes Mal erleben? Wir küssten uns immer wieder, in mir begannen die Hormone zu kochen. Irgendwann lagen wir gemeinsam im Bett, er küsste mich immer intensiver, gefühlvoller und schöner - und langsam wanderte dabei seine Hand in meinen Schritt.

Nein, es tat nicht sonderlich weh. Es war eher schön, wunderschön und er war zärtlich und vorsichtig. Er gab mir ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen. Wir sahen uns nach dieser Nacht an jedem Wochenende. Es war eine schöne Zeit, ich war verliebt und er war verliebt. Zumindest glaubte ich das. Bis ich herausfand, dass er mich betrogen hat. Details kenne ich nicht, die möchte ich auch gar nicht kennen. Obwohl ich ein wunderschönes erstes Mal hatte, bleibt der Nachgeschmack des Betrogen-worden-Seins. Es war schön, aber scheinbar nicht schön genug.


 Bild: © istockphoto.com/Libby Chapman
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