Positiv, setzen!
„Guten Tag. Sie sind wegen Ihres HIV-Tests gekommen, nehme ich an.“ Mittlerweile weiß wahrscheinlich jeder, dass man sich bei den Gesundheitsämtern auf das HI-Virus testen lassen kann. Doch wie funktioniert so ein Test überhaupt?
„Guten Tag. Sie sind wegen Ihres HIV-Tests gekommen, nehme ich an.“ Mittlerweile weiß wahrscheinlich jeder, dass man sich bei den Gesundheitsämtern auf das HI-Virus testen lassen kann. Doch wie funktioniert so ein Test überhaupt?
Zunächst wird zwischen zwei grundsätzlichen Arten von HIV-Tests unterschieden: Die einen reagieren auf die vom Körper als Folge der Infektion mit HIV gebildeten Antikörper, die anderen erkennen das HI-Virus selbst.
Antikörper-Tests
Antikörper-Tests weisen nach, ob sich im Blut Antikörper gegen HIV befinden. Antikörper sind vom Körper gebildete Eiweiße, deren Ziel es ist, Viren oder andere körperfremde Organismen anzugreifen und unschädlich zu machen. Sobald dein Körper also erkannt hat, dass er mit einer Krankheit infiziert ist, produziert er Antikörper, die genau auf diese Krankheit zugeschnitten sind.
Eben da liegt jedoch der größte Nachteil von Antikörper-Tests: die sogenannte „diagnostische Lücke“. Sie entsteht dadurch, dass dein Körper einige Zeit braucht, bis er auf eine Krankheit reagieren und Antikörper erzeugen kann. Für HIV-Tests bedeutet das, dass wirklich zuverlässige Ergebnisse erst zehn bis zwölf Wochen nach einer möglichen Infektion ermittelt werden können; bis dahin ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein Test trotz bestehender HIV-Infektion negativ ausfällt, einfach weil noch keine Antikörper gebildet wurden.
Wenn du in Deutschland (oder auch Österreich, der Schweiz oder den
allermeisten „westlichen“ Ländern) einen HIV-Test machst, wird zunächst
ein „Suchtest“ durchgeführt. Weil es sehr wichtig ist, dass möglichst
keine tatsächlich positiven Ergebnisse fälschlicherweise negativ
ausfallen, ist dieser Test sozusagen übergenau, das heißt, dass das
Ergebnis für etwa ein Prozent aller Nichtinfizierten positiv ausfällt.
Deswegen
wird, wenn das Ergebnis des Suchtests positiv ist, noch ein
Bestätigungstest durchgeführt. Auch der ist ein Antikörper-Test (kann
also erst nach Ende der diagnostischen Lücke sicher funktionieren),
allerdings ist er aufwändiger und wesentlich genauer: Nur bei 4 von 1
000 000 eigentlich negativen Ergebnissen kommt fälschlicherweise ein
positives Resultat zustande.
Die Diagnose „HIV-positiv“ wird immer erst nach einem positiven Bestätigungstest gestellt, nie schon nach einem Suchtest. Ein negatives Ergebnis ist allerdings schon beim Suchtest (fast) ganz sicher; natürlich kann es in sehr seltenen Fällen trotzdem zu falschen negativen Ergebnissen kommen, etwa, wenn man den Test zu früh macht, wodurch nicht genügend Antikörper im Blut sind, dass man sie nachweisen könnte.
RNA-Tests
Die
RNA („ribonucleic acid“, also Ribonukleinsäure) ist sozusagen das
Erbgut von HI-Viren. Im Gegensatz zu den Antikörper-Tests reagieren
RNA-Tests nicht auf vom Körper gebildete Antikörper, sondern auf das
HI-Virus selbst. Dadurch ist die diagnostische Lücke wesentlich kleiner:
Ein RNA-Test kann schon nach etwa zwei Wochen zuverlässige Ergebnisse
liefern.
Bei RNA-Tests werden die Erbinformationen der eventuell in einer Blutprobe vorhandenen Viren freigesetzt und anschließend vervielfacht. Nach einer gewissen Zeit wird dann nach einer bestimmten Gen-Sequenz, die allen HI-Viren gemein ist, gesucht. Falls man sie findet, heißt das, dass sich HI-Viren in der Probe befanden, andernfalls nicht.
RNA-Tests sind wesentlich aufwändiger und damit auch teurer als Antikörper-Tests; allerdings sind sie noch genauer und schon wesentlich früher nach dem Risikokontakt zuverlässig. Deswegen werden sie vor allem im Blutspendewesen eingesetzt. Aufgrund der hohen Kosten werden hier Proben von mehreren Menschen gemischt und dann gemeinsam nach HIV-Erbgut durchsucht; bei einem positiven Ergebnis werden dann immer kleinere Untergruppen getestet, bis man schließlich die tatsächlich infizierte Blutspende gefunden hat.
Weil die Vervielfältigung der Viren-RNA mit einer bestimmten Geschwindigkeit abläuft, kann mit solchen Tests auch die Zahl der ursprünglich im Blut vorhandenen Viren erkannt werden. Daher verwendet man RNA-Tests auch, um den Fortschritt von HIV-Therapien beobachten zu können. Wie bereits erwähnt, sind RNA-Tests allerdings wesentlich teurer als die normalerweise eingesetzten Antikörper-Tests; man muss hier mit Preisen zwischen 70 und 170 Euro rechnen.
Schnelltests
Sogenannte
Schnelltests (oft auch Home-Tests genannt) ermöglichen das Testen auf
HIV innerhalb weniger Minuten zu Hause. Primär wurden diese Tests
allerdings für die Nutzung in Ländern mit schlechter medizinischer
Infrastruktur entwickelt, wo sie oft die einzige Möglichkeit darstellen,
eine HIV-Infektion nachzuweisen. Weil sie auf denselben Prinzipien wie
Antikörper-Suchtests basieren, ist die Wahrscheinlichkeit, trotz
Nichtinfektion ein positives Ergebnis zu bekommen, relativ hoch;
außerdem kann es durch falsche Handhabung sehr leicht zu falschen
Ergebnissen kommen, abgesehen davon, dass über das Internet bisweilen
unechte Tests vertrieben werden, die sehr ungenau oder gar völlig
nutzlos sind. Bei einem positiven Ergebnis ist also in jeden Fall ein
Bestätigungstest bei einem Arzt oder der Aidshilfe durchzuführen. Sehr
problematisch ist auch, dass man Schnelltests oft alleine macht und also
im Falle eines positiven Ergebnisses keine psychische Unterstützung
hat, weshalb es zu Kurzschlusshandlungen wie Selbstmordversuchen kommen
kann.
Wo kann ich mich testen lassen?
Grundsätzlich kann man bei allen Gesundheitsämtern (beziehungsweise in Österreich bei der Aidshilfe) den normalen Antikörper-Test anonym und kostenlos machen lassen. Das Durchführen des Tests durch den Hausarzt ist auch möglich, hier werden aber zwischen 25 und 50 Euro verrechnet; natürlich unterliegt der Hausarzt der Schweigepflicht. Sowohl Gesundheitsämter (beziehungsweise Aidshilfe) als auch der Hausarzt können, auf ausdrücklichen Wunsch hin, auch RNA-Tests durchführen; die Kosten musst du dann selbst tragen.




