Interview mit Mirco

Siehst Du Gefahren in der Szene jetzt kritischer?
Ich bin für meinen Teil nachdenklicher geworden. Reden kann man mit mir auf jeden Fall über HIV und Aids, ich möchte aber zu keiner Zeit für so etwas wie einen Moralapostel gehalten werden, der nur noch durch seine Krankheit identifiziert wird. Ich werde mich also nicht hinstellen und sagen: Passt bloß auf, sonst ergeht es euch vielleicht noch so wie mir. Das wäre dumm. Ich denke die Leute sind aufgeklärt genug und wissen, dass ein Spiel mit dem Feuer böse enden kann.

Glaubst Du dem Thema Aids wird in der Szene mittlerweile zu wenig Beachtung geschenkt?
Es wird in der Szene viel gute Präventiontsarbeit geleistet und man kann sich vielerorts kompetent beraten lassen. Schwierig war für mich die Idee zu realisieren, dass niemand gerne über das Thema Aids an sich redet. Das ist den meisten Menschen unangenehm und wird gerne verdrängt. Wohin soll man also gehen, wenn man infisziert ist und nicht weiter weiß? 

Konnten Dir da nicht Beratungsangebote wie die Aids- Hilfe helfen? Hast Du diese oder andere Initiativen in Anspruch genommen?
Ja, dass habe ich getan. Das erste Mal bin ich mit meiner Mutter dahin gegangen, kurz nachdem ich mein positives Testergebnis erhalten habe. Ich glaube, auf diesem Wege eine Aids- Hilfe zu besuchen ist für jeden irgendwie so etwas wie ein zweites Coming Out, doch der Berater war sehr cool. Er hat mich in den Arm genommen und mir weitergeholfen. Ich hatte das Gefühl, da ist jemand, der Dich versteht und aufklärt.

Der Berater hat mir wieder eine Perspektive gegeben, mir erklärt, wie die Untersuchungen funktionieren und dass ich definitiv noch viele Chancen wahrnehmen kann. Ich bin da regelmäßig hingegangen und halte Aids Hilfen Arbeit auch heute noch für superwichtig. Mir hat das Gefühl gut getan, dass da jemand war, der ein Stück mit mir gegangen ist und mich begleitet hat. Es stimmt mich traurig, dass die Mittel für Aids- Intitiativen heute in vielen Bereichen zusammengestrichen werden. Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen die beiden Jungpositiven Gruppen zu besuchen, die in meiner Gegend liegen.

Bisher habe ich es zeitlich nie geschafft, dahin zu kommen. Ich erhoffe mir da Gleichaltrige finden zu können, die in derselben Situation sind wie ich, die somit meine Probleme verstehen. Vielleicht finde ich da auch Aufmunterung, Unterstützung und Ermutigung in vielen Entscheidungen, die ich noch treffen muss.

Wir wünschen es Dir. Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück weiterhin!