Analkrebs

HPV-Impfung für schwule Jugendliche

Trotz der bis dato in medizinischen Fachkreisen umstrittenen HPV-Impfung für junge Mädchen, die sie vor einer Infektion mit den humanen Papillomaviren und somit in Folge auch vor Gebärmutterhalskrebs schützen soll, empfehlen Experten die Immunisierung nun auch für Jungen. Das für homosexuelle Männer 15-mal höhere Risiko an Anal- oder Rachenkrebs zu erkranken, soll auf diese Weise verringert werden.

Eine Immunisierung gegen HP-Viren bei Jungen unterscheidet sich weder in der Durchführung noch durch die möglicherweise vom Impfstoff hervorgerufenen Nebenwirkungen von derjenigen bei Mädchen.

Eine Immunisierung gegen HP-Viren bei Jungen unterscheidet sich weder in der Durchführung noch durch die möglicherweise vom Impfstoff hervorgerufenen Nebenwirkungen von derjenigen bei Mädchen.

Bild: pressdigital/istockphoto.com

Dass HP-Viren nicht nur Gebärmutterhalskrebs hervorrufen können, sondern auch das Entstehen von Anal- oder Rachenkrebs positiv beeinflussen, ist unumstritten. Entsprechend weisen britische Wissenschaftler darauf hin, dass eine HPV-Impfung auch für Männer und insbesondere für homosexuelle, durchaus sinnvoll sei.

Dabei berufen sich die Forscher auf Studien aus Australien, die besagen, dass das Aufkommen von Genitalwarzen seit dem 2007 eingeführten nationalen HPV-Impfprogramm junger Mädchen auch bei den heterosexuellen Jungen massiv zurückgegangen ist. Allerdings zeigen die Daten auch, dass homosexuelle junge Männer nicht vom sogenannten "Herdenschutz" gegen das HP-Virus profitieren, denn diese erkrankten ebenso häufig an Genitalwarzen wie zuvor.

Wie funktioniert die umstrittene Impfung bei Jungen?

Eine Immunisierung gegen HP-Viren bei Jungen unterscheidet sich weder in der Durchführung noch durch die möglicherweise vom Impfstoff hervorgerufenen Nebenwirkungen von derjenigen bei Mädchen. Entsprechend erhalten auch Jungen drei Spritzen mit einem der beiden in Deutschland zugelassenen Impfstoffe, wobei die häufigsten Nebenwirkungen Fieber, allgemeines Unwohlsein, Kopfschmerzen sowie Rötungen und Schmerzen der Injektionsstelle sind.

Bei diesen Symptomen handelt es sich jedoch um völlig normale Reaktionen des Körpers infolge des stimulierten Immunsystems, sodass die Syptome in der Regel schon nach wenigen Tagen nach der Impfung wieder abklingen.

Kritiker und HPV-Impfgegner bemängeln allerdings, dass eine Impfung zwar bewiesenermaßen vor den Krebsvorstufen schütze, ob durch die Immunisierung aber auch das Entstehen von Tumoren verhindert werde, sei nicht belegt. Darüber hinaus argumentieren sie, sei die Wirksamkeit des Präparats nicht gesichert und eine Impfung würde die Gefahr in sich bergen, dass auf notwendige Früherkennungsuntersuchungen verzichtet würde.

Und letztlich verweisen die Kritiker auf die Tatsache, dass eine HPV-Impfung nicht vor allen Krebs auslösenden HP-Viren schützt, weshalb man auch nicht von einer Impfung im engeren Sinne sprechen könne.

Warum werden Jungen in Deutschland bisher nicht geimpft?

Länder wie die USA, Kanada und Australien befürworten bereits die HPV-Impfung von Jungen. In Deutschland empfiehlt die ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts eine HPV-Immunisierung seit 2007, jedoch lediglich für Mädchen zwischen dem 12. und dem 17. Lebensjahr und bisher noch nicht für Jungen der gleichen Altersgruppe.

In Ermangelung einer derartigen Empfehlung und aufgrund der unzureichenden Studienlage existiert bislang auch keine Finanzierung für eine HPV-Impfung für Jungen. Von den gesetzlichen Krankenkassen werden zwar die Kosten für die Impfungen von circa 477 Euro übernommen, dies allerdings auch nur dann, wenn ein Mädchen noch vor dem 18. Lebensjahr die erste der drei notwendigen Injektionen erhalten hat.

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20.07.2013  | Bild: © pressdigital/istockphoto.com

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