dbna'ler des Monats – Mai

von Alexander

Christian (19) aus Karlsruhe ist unser dbna'ler des Monats Mai. dbna hat ihm einige Fragen gestellt.

Bild: dbna

Wieso bist Du ein Träumer?

Christian
: Ich weiß es nicht! Gibt es eine bessere Bezeichnung dafür, was man ist, wenn man die Augen schließen kann und alle Sinneseindrücke, die gerade auf einen einprasseln, genießen kann?

Das Leben ist ein schönes Geschenk, von dem man auch ab und an mal Gebrauch machen sollte und ich mag es einfach manchmal, den Moment zu genießen. Es gibt so viele Dinge, an denen wir einfach vorbeilaufen, ohne sie zu beachten und ihre Schönheit zu genießen, weil uns grad ein neuer Pickel oder der neueste Klatsch und Tratsch davon ablenkt.

Also bin ich ein Träumer in Ermangelung eines anderen, treffenderen Begriffes für einen glücklichen Menschen.

Bild: dnba

Du möchtest Lehrer werden und lebst offen schwul. Denkst Du, das lässt sich problemlos vereinbaren?

Christian
: Zu aller erst muss ich gestehen, dass ich noch nicht komplett geoutet bin. Mein ganzer Bekanntenkreis weiß Bescheid und alle Menschen die mir wichtig sind, sind aufgeklärt, bis auf meine Großeltern.  Aber normalerweise gehe ich offen damit um und wer mich fragt, bekommt eine ehrliche Antwort!

Ich denke, unsere Gesellschaft ist leider noch nicht ganz so weit, einen schwulen Lehrer zu akzeptieren. Für viele dürfte das kein Problem (mehr) darstellen, jedoch gibt es leider aber noch einige konservative Eltern, die sicherlich Lehrer mit solchen „Abnormalitäten“ ablehnen.

Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dies zu ändern. Ich finde es auch sehr schade, dass Homosexualität in Schulen kaum angesprochen wird, weil sich die meisten Lehrer nicht darum kümmern bzw. viele einfach nicht den Mut dazu besitzen, solche Themen offen Anzusprechen (oder auch sehr oft einfach keine Lust darauf haben).

Ich bin in meinem Jahrgang geoutet und habe keinerlei Probleme damit, trotz der eher konservativeren Landbevölkerung, in der ich mich hier bewege. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg, und ich bin optimistisch für unsere Zukunft.

Welche Rolle spielt Musik in Deinem Leben?

Christian: Musik ist in meinem Leben omnipräsent. Wenn ich morgens aufwache, ist sie da und begleitet mich, und wenn ich einschlafe, schläft sie mit mir ein! Sie ist für mich nicht einfach nur ein Hobby sondern ein sehr evidenter Bestandteil meines Lebens. Meine Leidenschaft und mein Halt, genauso wie mein Rückzugsgebiet, wenn es mir schlecht geht. Sie beruhigt mich, lenkt mich vom Alltag ab und lässt mich entspannen.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist sogar bewiesen, dass zum Beispiel Singen das Immunsystem stärkt, die Lebenszeit verlängert, das Zentrum im Gehirn für Angst hemmt sowie das Belohnungszentrum anregt und Endorphine freisetzt. Musik hat also quasi die gleiche Wirkung wie Schokolade oder ein Orgasmus.

Musik hat mich schon seit meiner frühen Kindheit geprägt, obwohl ich aus einer sehr unmusikalischen Familie stamme.  Sie gab mir sehr viel Selbstvertrauen und Kraft, vor allem in Zeiten, in denen ich mit mir und meiner Umgebung nicht so ganz klar kam.

Ich könnte nicht ohne und bin froh, dass wir uns gefunden haben. Sie ist bisher die einzige Konstante in meinem Leben!

Bild: dbna

Wie stehst Du zu gesellschaftlichem Engagement?

Christian
: Es ist wichtig, dass wir unseren Teil zur Gesellschaft beitragen. Wir leben heute leider in einer Zeit, in der es nicht mehr selbstverständlich ist, sich um andere zu kümmern, oder dass man sich für etwas Bestimmtes begeistern und somit engagieren kann.

Wir werden so oft reiz überflutet und auf was es eigentlich ankommt, wird zur Nebensächlichkeit. Wir beschäftigen uns also lieber mit uns selbst als mit anderen. Dies wird sicherlich keiner leugnen können, dass wir ab und zu egoistisch sind. So geht es zumindest mir!

Darüber hinaus gibt ein gewisses Engagement auch immer etwas zurück. Seien es persönliche Erfahrungen oder nur ein einfaches, aber ehrlich gemeintes Dankeschön. Man gibt etwas und bekommt immer etwas zurück.

Welche Charaktereigenschaft hättest du am liebsten gar nicht?

Christian
: Genau das, was sich hier bei der Beantwortung dieser Frage zeigt. Meine Entscheidungsunfähigkeit. Ich könnte hier meinen „Püntklichkeitsfetischismus“ bei Dingen, die mir wichtig sind, angeben oder meine Offenheit und Ehrlichkeit, aber ich konnte mich einfach nicht dazwischen entscheiden!

Das zeigt sich zum Beispiel auch, wenn ich essen geh. Jede Karte mit mehr als 3 Gerichten ist schon zu viel für mich, oder wenn man mich fragt, wozu ich grad Lust hab….ganz schlecht.


Auf Seite 2 erzählt Christian über sein Coming-out, auf was er beim Flirten unbedingt achtet, über Liebe und Sex. Weiter»

12.05.2011
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